Sonntag, 25. September 2016

Welche Chance hat ein Kind in Deutschland?
Jeder kann alles werden – wenn er will. So sollte es eigentlich sein. Tatsächlich aber wirken zig Faktoren auf ein Kind ein, die seinen Weg beeinflussen: die Gene, die Familie oder die Schule. Manchmal ist es auch der Zufall so der Tagesspiegel in einem Beitrag über Kinderarmut in Deutschland.
Der Sozial und Gesellschaftskritiker Lukas-Altenburg sagt, Kinder und Jugendliche haben in Deutschland wahrlich keine wirklichen großen Chancen ihrem sozialen Umfeld zu entkommen.
Alleine in Deutschland leben geschätzt 2,2 Millionen Kinder und Jugendliche an oder gar unter der Armutsgrenze, so der Kritiker.
Deutschland zählt zu den wohl Reichsten Nationen dieses Erdball und leistet sich Kinderarmut ? Diese Frage sollten so
Lukas-Altenburg alle Vernünftig denkende Bürgerinnen und Bürger eigentlich erschrecken und mit dem eigenen Gewissen beantwortet werden so der Autor & Publizist über die Thematik selbst.
Christian Lukas-Altenburg beschreibt in seinem neuen Buch aus der Reihe Eine gescheiterte Existenz das Kinderarmut eine folge der Gleichgültigkeit von Gesellschaft und Politik ist und Kinder wie auch Jugendliche schlicht aus Gleichgültigkeit und Ignoration Vernachlässigt und einem trostlosen Schicksal überlassen werden.
Tatsache ist: In kaum einem anderen westlichen Land hängen der Bildungsabschluss und die berufliche Position so stark von der sozialen Herkunft ab wie in Deutschland.
Das haben Studien immer wieder ergeben, so der Sozialkritiker Christian Lukas-Altenburg.
Von Chancengleichheit aller Kinder kann in Deutschland nicht die Rede sein, denn es hängt nachweislich vom sozialen Status der Eltern ab, wie Kinder aufwachsen: Ob sie gesund ernährt werden, genügend Bewegung haben und intellektuell gefördert werden.
quelle: NZ - NDR
Eine gescheiterte Existenz 10 das Spiel mit dem Kind
Christian Lukas-Altenburg CLA Medien 2016
Christian Lukas-Altenburg beschreibt bedenkliches Handeln in der Justiz und verweist auf so manche Justizirrtümer und stellt die Frage nach der Rechtsstaatlichkeit in Deutschland.
Lukas-Altenburg zählt zu den schärfsten Kritikern der Deutschen Judikative und gilt als einer der wenigen Experten im bereich Strafvollzug und Strafvollstreckung.
Erhebungen des Robert Koch-Instituts in Berlin zur Kinder- und Jugendgesundheit belegen: 20 Prozent der Kinder in der Bundesrepublik Deutschland weisen psychische Auffälligkeiten auf und zehn Prozent sogar deutlich erkennbar zutage tretende Störungen.
Experten rechnen damit, dass bis zum Jahre 2020 international die psychischen und psychosomatischen Erkrankungen im Kindesalter um mehr als 50 Prozent zunehmen und zu den fünf häufigsten Ursachen für Morbidität und Mortalität, d.h. die Krankheits- und Sterberaten in dieser Altersgruppe, und die Beeinträchtigung der Lebensqualität zählen werden. Die Situation ist alarmierend.
Psychische Störungen
Je nach Alter und Entwicklungsstadium der Kinder und Jugendlichen stehen unterschiedliche Störungen und Erkrankungen im Vordergrund. Dabei gibt es folgende grundlegende Problembereiche:
Emotionale Probleme, dazu zählen Ängste, depressive Symptome, Essstörungen und Somatisierungsstörungen (d.h. der Ausdruck von emotionalen Problemen in körperliche Symptome wie Bauch- oder Kopfschmerzen).
Verhaltensauffälligkeiten im Sinne von abweichendem und insbesondere auch aggressivem Sozialverhalten gegenüber anderen in Form von Opposition, Prügeln, Wutausbrüchen, Ungehorsam, Lügen und Stehlen oder eine Hyperaktive Störung, die gekennzeichnet ist durch situationsübergreifende ausgeprägte motorische Unruhe, Ablenkbarkeit, Impulsivität und unüberlegte Handlungen.
Soziale Probleme, wie z.B. Probleme mit Gleichaltrigen, Kontaktschwierigkeiten, d.h. von anderen isoliert sein, keinen guten Freund haben, nicht beliebt sein, gehänselt werden oder besser mit Erwachsenen als mit Gleichaltrigen auskommen.
Seltene psychische Erkrankungen wie frühkindlicher Autismus, affektive und schizophrene Psychosen, die zu einer deutlichen Einschränkung der Lebensbewältigung führen können oder Verhaltensauffälligkeiten nach hirnorganischen Erkrankungen, wie Schädel-Hirn-Trauma oder bei geistiger Behinderung.
Psychische und Verhaltensprobleme durch psychotrope Substanzen, wie Alkohol, Cannabis und den Konsum anderer Substanzen stellen ebenfalls im Jugendalter ein häufiges Problem dar.
Zu den am meisten vorkommenden seelischen Störungen bei Kindern und Jugendlichen zählen Störungen des Essverhaltens, Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Angststörungen und depressive Störungen.
Viele Psychosomatische Störungen begründen sich nicht selten in Familiären Situationen, sowie bei Kindern und Jugendlichen aus einem vermeintlich schlechteren sozialen Umfeld.
Das Elternhaus ist demnach Ausgangspunkt psychischer Probleme von Kindern und Jugendlichen.
Christian Lukas-Altenburg ging unter anderem in der Buchreihe Eine gescheiterte Existenz "Nico Ich liebe mein Leben" Du und Ich" auf diese Problematik ein und beschrieb darin auch die erforderliche Aufmerksamkeit und Achtung welche gerade Kinder und Jugendliche bedürfen, welche Psychosomatische Auffälligkeiten aufweisen.
Buchreihe Eine gescheiterte Existenz
Bände :Nico ich liebe mein Leben / ISBN: 1502863464
Du und ich oder unser Erleben in kurzen Worten
ISBN: 1500933546 CLA Medien 2014

Sonntag, 18. September 2016

Für fast jeden deutschen Häftling kommt eines Tages der Moment der Entlassung. Je nach dem, wie lange er im Gefängnis saß und welche Vorgeschichte er hat, kann es schwierig sein, den Straftäter wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Doch für Erfolg versprechende Resozialisierungsprogramme fehlt in Deutschland oft das Geld. Deswegen beginnt für viele ein Kreislauf aus Gefängnis und Freiheit.
Der Weg zurück beginnt im Knast
Eine Haftanstalt mit roten Ziegeln.Resozialisierung fängt im Gefängnis an
Die Zahl ist hoch: Jeder Dritte wird in den ersten drei Jahren nach seiner Entlassung wieder straffällig. Das belegt eine Rückfallstatistik des Bundesministeriums der Justiz. Für die Studie trugen Forscher der Universität Göttingen und des Max-Planck-Instituts in Freiburg Daten von mehr als einer Million Straftätern zusammen. Sie prüften, ob Gefängnisinsassen, die 2004 aus der Haft entlassen wurden, bis 2007 erneut straffällig wurden. Grundlage waren Einträge in das Bundeszentralregister.
Dabei bemüht man sich schon im Gefängnis, die Gefangenen auf ihr Leben in Freiheit vorzubereiten. Therapien, Anti-Gewalt-Trainings, Schauspielunterricht – das Angebot in den Justizvollzugsanstalten (JVA) ist groß. Eine Sonderform der Resozialisierung ist der offene Vollzug. Hierbei können die Häftlinge tagsüber die Anstalt verlassen. Erst am Abend kehren sind in die JVA zurück.
Im geschlossenen Vollzug haben Häftlinge die Chance, sich weiterzubilden. In der JVA können sie ihren Schulabschluss nachholen oder eine Lehre beginnen. Denn ohne Qualifikation kein Job, ohne Job kein Geld - und ohne Geld rutschen viele Straftäter nach ihrer Entlassung wieder in die Kriminalität ab. Sie stehlen, erpressen oder handeln mit Drogen. Als letzte Konsequenz landen sie wieder im Knast.
Ein gutes Bildungsniveau und eine Arbeitsstelle sind natürlich kein Garant dafür, dass ein Ex-Häftling straffrei bleibt. Umgekehrt wird auch nicht jeder Entlassene ohne Abschluss oder Job wieder kriminell. Bildung und Arbeit können aber dazu beitragen, den eigenen Platz in der Gemeinschaft wiederzufinden.
Die großen Probleme beginnen aber meistens erst mit der Entlassung – vor allem, wenn den Ex-Häftlingen kein Bewährungshelfer zusteht. Das betrifft etwa diejenigen, die ihre Strafe vollständig abgesessen haben. Gerade diese Personen fallen oft in ein "Entlassungsloch", wie Fachleute es nennen.
"Der Zeitpunkt der Entlassung ist am gefährlichsten. Viele Entlassene haben Schulden oder waren drogenabhängig, haben keinen Arbeitsplatz und Probleme auf dem Wohnungsmarkt – das sind sich ständig wiederholende Problemstellungen", sagt der Kriminologe Bernd Maelicke vom Deutschen Institut für Sozialwirtschaft.
Vor allem für Intensiv- und Wiederholungstäter sei das Leben nach dem Knast schwer. "Diese Menschen sind häufig selber Opfer gewesen, haben prügelnde oder alkoholabhängige Eltern erlebt. Bei ihnen ist die Resozialisierungsarbeit am schwierigsten", so der Experte für Strafvollzug. Der Schlüssel sei die Beziehung zwischen Ex-Häftling und Betreuer. Das gelte vor allem für Menschen, die mehrfach straffällig geworden sind.
Dieser "harte Kern", wie er oft genannt werde, habe Wunden, die nur schwer heilen. "Sie haben eine Art emotionale Behinderung und müssen lernen, mit diesem lebenslangen Handicap zu leben, ohne Straftaten zu begehen. Wenn es geht müssen sie das nachholen, was sie in ihrer Kindheit und Jugend oft nicht erlebt haben: Vertrauen, stabile Beziehungen, aber auch Kontrolle"
Christian Lukas-Altenburg ist einer der wenigen Deutschen Experten rund um Jugend Delinquenz - Strafvollzug und Strafvollstreckung, er sagt es fehlen Bundesweit einheitliche Konzepte der Resozialisierung und Wiedereingliederung
Der Bundesdeutsche Strafvollzug glänzt mehr durch Deprivationen und Psychischer Beeinträchtigung der Insassen, als denn durch wirklich gewollte Resozialisierung.
Was entlassene Straftäter brauchen, sind Menschen, die sie in ihrem Alltag draußen begleiten. Experten nennen das Übergangsmanagement.
Gerade dieses Übergangsmanagement so der Autor
Christian Lukas-Altenburg muss bereits mit Eintritt in die Strafhaft aufgenommen - geplant und Umgesetzt werden, tatsächlich aber findet solches nicht statt und Insassen wie auch Bedienstete werden in einer nicht hinnehmbaren art und weise schwerst belastet.
Das Recht auf Resozialisierung besteht erst seit den 1970er Jahren. Am 5. Juni 1973 entschieden Richter des Bundesverfassungsgerichts in dem sogenannten Lebach-Urteil, dass ein Ex-Straftäter die Chance haben muss, wieder in der Gesellschaft anzukommen.
Nach dem Lebach-Urteil wurde der Strafvollzug in Deutschland neu geregelt. Am 1. Januar 1977 erließ der Bund das Strafvollzgusgesetz. Danach ist es das Ziel des Strafvollzugs, Häftlinge zu einem straffreien Leben zu befähigen. Seit 2006 ist dieses Gesetz allerdings nur noch eingeschränkt gültig. Seither dürfen die Bundesländer den Straf-, den Jugendstraf- und den Untersuchungshaftvollzug selbst regeln.
Die Folge: Der Strafvollzug in Deutschland ähnelt einem Flickenteppich aus unterschiedlichen Gesetzen, Lukas-Altenburg und fordert die Strafvollzugsgesetzgebung wie auch den Strafvollzug selbst wieder in die Hände des Bundes zu geben um eine Strafvollstreckung endlich auch gewährleisten zu können.
quelle: SZ - Bild am Sonntag - Welt - Lukas-Altenburg.blogspot.de
Im Dschungel der Justiz Christian Lukas-Altenburg
Immer nur auf Nummer Sicher gehen? Kinder brauchen auch Misserfolge für ihre Entwicklung. Weshalb es falsch wäre, sie davor bewahren zu wollen.
Sie kloppen sich am Spielfeldrand, bedrohen den Trainer und greifen den Schiedsrichter an. Bei Jugendspielen des Hamburger Fußballverbandes gilt daher seit dieser Saison eine neue Regel: Eltern müssen mindestens 15 Meter Abstand von der Seitenlinie halten.
Wozu gestresste Eltern fähig sind, aus Sorge, dass ein verlorenes Spiel, etwas Sand im Auge oder ein blauer Fleck das Heil des Kindes gefährden könnte, weiß Jessica Lahey. In ihrer Kolumne in der "New York Times" gibt sie alle zwei Wochen Erziehungstipps. Sie findet, dass langsam etwas aus dem Ruder läuft: "Um das Selbstwertgefühl unserer Kinder zu schützen, walzen wir alle Unebenheiten und Hindernisse auf ihrem Weg wie mit einem Bulldozer platt."
Diese aggressive Überbehütung hat sie so häufig beschäftigt, dass ein Buch daraus geworden ist. "The Gift of Failure" heißt es. Es ist bislang nur in den USA erschienen, wo es sich erstaunlich gut verkau . Ein "Lob des Scheiterns" zwischen all den Ratgebern, um größer, schneller, schöner, perfekter zu werden. Eben da liege das Problem, schreibt Lahey: "Wir erziehen unsere Kinder dazu, Angst vor Fehlern zu haben. Doch damit verbauen wir ihnen den sichersten und geradlinigsten Weg zum Erfolg."
Wieso sind Fehler so wichtig für die Entwicklung der Kinder?
In Christian Lukas-Altenburg Hilfe mein Kind kommt in die Pubertät 3, erscheint Auszugsweise die Deutsche Übersetzung des Amerikanischen Original mit Kommentierungen des Deutschen Publizisten und anschaulichen Beiträgen Deutscher Leser des Autors Christian Lukas-Altenburg
Eigentlich wissen Eltern, dass Lernen nicht ohne Fehler funktioniert. Das beweist ihnen ihr Kind mit zwölf bis vierzehn Monaten an einer Mammutaufgabe: Es lernt laufen.
Bis es wirklich sicher einen Schritt vor den anderen setzen kann, hat es sich Hunderte Male hochgezogen und wieder fallen lassen. Dabei dachte es nicht über Hebel- und Gravitationsgesetze nach, sondern hat einfach ausprobiert, wie stark es die Waden anspannen und wie weit es sich nach hinten lehnen muss, damit es aufrecht steht. Oder eben nicht. Trial and error.
Dieses Ausprobieren sei der Normalmodus des Gehirns, sagt Manfred Spitzer, der im Be- reich der kognitiven Neurowissenschaft forscht. "Lernen beinhaltet das Abschätzen eines wahren Wertes, den man nicht kennt."
Die vielen Fehler auf dem Weg dorthin speichert das Gehirn dabei nicht, sondern es leitet aus den Fehlversuchen ab, welches Prinzip dahintersteckt.
Am Ziel belohnt dann ein starkes Glücksgefühl die harte Arbeit. Je stärker ein Gefühl ist, das zusammen mit einer Erfahrung aufritt, desto tiefer wird sie im Gehirn verankert. Die heiße Herdplatte tut sehr weh, weshalb ein einziges Mal Anfassen reicht.
"Kinder mögen Fehler. Aber sie müssen sich angenommen fühlen, wenn sie welche machen"
Kinder lernen instinktiv aus Fehlern – wenn sie sich nur oft genug ausprobieren dürfen. Das macht sie selbstsicher, erfindungsreich und erklärt auch ihre beneidenswert hohe Frustrationstoleranz. Das Fahrradfahren klappt auch beim zehnten Versuch noch nicht? Dann eben beim hundertsten! Wenn nicht vorher Mama und Papa ins Spiel kommen.
Weshalb wollen Eltern die Fehler ihrer Kinder verhindern?
Eltern wollen, in den meisten Fällen jedenfalls, dass ihre Kinder glücklich sind. Weshalb die Versuchung groß ist, alles zu bekämpfen, was diesen Zustand unterbrechen könnte. "Dienstboteneinstellung" nennt das der dänische Erziehungsexperte Jesper Juul. Für seinen deutschen Kollegen Jan-Uwe Rogge ist es "der schnellste Weg, um irre zu werden". Damit meint er nicht nur die Eltern: "Kinder mögen Fehler. Aber sie müssen sich angenommen fühlen, wenn sie welche machen."
Nun sind Fehler aber arg nervig, denn sie kosten Zeit und bringen den präzise getakteten Alltag vieler Familien durcheinander. Es geht schneller, dem Kind selbst die Schuhe zuzubinden oder ihm das Paar mit Klettverschluss hinzustellen, anstatt das Kind selbst machen zu lassen. Und die sorglosen Nachmittage im Wald müssen oft den Nachhilfestunden und pädagogisch wertvollen Hobbys weichen.
Im Schnitt bekommen Mütter ihr erstes Kind mit 30 Jahren. Viele Eltern kennen daher die Voraussetzungen für beruflichen Erfolg. Sie wissen, wie man Projekte koordiniert und Prozesse optimiert. Wie man im Wettbewerb (auch mit anderen Eltern) besteht. "Aber die Strategien, die uns in der Berufswelt erfolgreich machen, lassen sich nicht eins zu eins in die Erziehung übertragen", schreibt die Erziehungskolumnistin Jessica Lahey. Mitarbeiter motiviert man anders als Kinder. Bei den einen zählen Ergebnisse – bei den anderen geht es um den Weg dorthin. Und wenn ein Kind auf diesem Weg scheitert, hat es deswegen keine schlechten Eltern. Auch wenn das viele von sich denken.
Wo riskante Spiele verboten sind, passieren mehr schwere Unfälle. Die Kinder lernen nicht, wo ihre Grenzen liegen
Was die Kinder selbst als wirklich schlechte Eigenschaft ihrer Eltern sehen, das zeigen Befragungen immer wieder, ist die Überwachung. Helikopter-Eltern nennt man diejenigen, die es mit der Kontrolle übertreiben. Oder Känguru-Mütter. Oder Curling-Väter – nach jener seltsamen Wintersportart, bei der die Eisbahn geschrubbt wird, damit der Stein so schön rutscht. "Die gab es immer schon, diese Überängstlichkeit mancher Eltern", sagt der Erziehungsberater Rogge. Aber sie wird immer größer.
1970 liefen noch 91 Prozent der Erstklässler alleine zur Schule, 2000 waren es nur noch 17 Prozent. Die meisten werden direkt vor das Schultor gebracht, was Morgen für Morgen ein Verkehrschaos auslöst. Ein echtes Problem, sagt Rogge, denn es gehe ja nur oberflächlich darum, den Weg alleine zu schaffen. "Die Kinder sehen im Winter andere Dinge als im Sommer, sie erleben auf ihre eigene Art die Natur. Sie blödeln mit den anderen herum, reden darüber, was sie in der Schule erlebt haben. Sie sind in Bewegung. Sie nehmen sich wahr. Das alles ist wichtig für ihr Selbstbewusstsein."
Was passiert, wenn Kinder keine Fehler machen dürfen?
Was aus Kindern wird, die keine Chance bekommen, Fehler zumachen, die schlimmstenfalls mit Liebesentzug bestraft werden, kann man nicht vorhersagen. Es gibt aber eine Reihe von Studien, die nichts Gutes erahnen lassen. Unfallversicherer haben untersuchen lassen, unter welchen Bedingungen es zu ernsten Verletzungen beim Spielen in Kindergärten kommt. Das erstaunliche Ergebnis: Wo riskante Spiele verboten sind, passieren mehr schwere Unfälle. Die Kinder lernen nicht, wo ihre Grenzen liegen.
Gerade in der Pubertät so Christian Lukas-Altenburg, probieren Kindern und Jugendliche ihre Grenzen auszuloten.
Hierbei so der Publizist und Sozialtherapeut, sollte man diesen auch ihre Freiräume lassen und selbst Erfahrungen machen zu können, wo den die eigenen Grenzen liegen.
In der Langzeitstudie KiGGS sehen sich Forscher an, wie groß die Gefahr ist, dass Kinder in Deutschland psychisch aufällig werden. Demnach gibt es bei jedem fünften Kind zwischen drei und siebzehn Jahren Hinweise auf psychische Störungen. Ursache sei auch der ständige Erwartungsdruck, so der Kinder- und Jugendpsychiater Michael Schulte-Markwort: "Kinder können vor Erschöpfung ausbrennen wie beim Burn-out."
Beobachtet wurden auch depressive Mittzwanziger, die von einer sorgenfreien, behüteten Kindheit erzählen und sich von den ersten üblichen Stolpersteinen ihres eigenen Lebens aus der Bahn geworfen fühlen. Andere schieben dieses eigene Leben immer weiter nach hinten. 2011 lebten 23 Prozent der 18- bis 31-Jährigen noch zu Hause. In den USA liegt die Quote sogar bei 36 Prozent, was Jessica Lahey als "ungesunde Symbiose aus unglücklichen, mürrischen Eltern und unselbstständigen Kindern" beschreibt. Für sie ist klar: "Die Rückschläge, Niederlagen und Dämpfer, die wir unseren Kindern aus dem Weg räumen, sind genau die Erfahrungen, die sie zu ausdauernden und belastbaren Persönlichkeiten machen."
Wie kann man Kinder bei ihren Fehlern unterstützen?
Wer mit den Fehlern seiner Kinder entspannt umgehen will, benötigt eigentlich nur eines: Vertrauen. "Kinder sind vorsichtig, im wahrsten Sinne des Wortes", beruhigt Rogge. "Ein Klettergerüst zum Beispiel sehen sie sich vorher an wie ein Formel-1-Fahrer seine Strecke. Erst dann gehen sie Stufe für Stufe hinauf." Also nicht hinlaufen und helfen wollen, auch wenn die Technik noch so merkwürdig aussehen mag. Nicht immer "Pass auf!" rufen. Nicht immer die Lösung verraten, sondern versuchen, es auszuhalten, wenn sie es nicht gleich schaffen.
Kinder wollen ihre Forscherseele ausleben. Wie schlimm, wenn es nichts mehr zu entdecken gäbe! Sie sehnen sich nach Abenteuern und Herausforderungen. Nach Situationen, die auch für den Rest der Familie neu sind. Denn Kinder lieben ihre Eltern, wenn sie hin und wieder ein bisschen Abstand halten. Es müssen ja nicht immer genau 15 Meter sein.
Foto: Christian Lukas-Altenburg Wien Lesung 2013
Hilfe mein Kind kommt in die Pubertät 1+2
Wenn Kinder mit dem Gesetz in Konflikt geraten, spricht man von "delinquentem Verhalten". Die Rede von Kinderkriminalität ist nicht zutreffend, da Mädchen und Jungen bis zu ihrem 14. Lebensjahr nicht strafmündig sind, das heißt für ihre Taten noch nicht strafrechtlich belangt werden können. Die Delikte, mit denen sie auffällig werden, spielen sich aber überwiegend im sogenannten Bagatellbereich ab, wie zum Beispiel einfache Ladendiebstähle und Sachbeschädigungen. Gewaltdelikte sind selten.
Oft testen Kinder mit einem solchen Verhalten Grenzen aus. Es ist aber auch die Gelegenheit, die manchmal "Diebe macht": Kinder wollen "den schönen Glitzerstift einfach haben" und bedenken nicht die Folgen ihres Handelns. Manchmal ist das Stehlen oder Beschädigen auch eine "Mutprobe", die gemeinsam in der Gruppe oder allein überstanden werden müssen.
Kindliches Delinquenzverhalten zieht sich durch alle Gruppen unserer Gesellschaft: Der Sohn des Arztes kann genauso betroffen sein wie die Tochter der Pastorin oder der Reinigungskraft. Dabei werden viele Straftaten nicht zur Anzeige gebracht. Im Normalfall vergeht kindliches Delinquenzverhalten von selbst. "Einmal auffällig – immer auffällig" – diese Behauptung stimmt so nicht.
Nur in sehr wenigen Fällen entwickelt sich Delinquenz zu einer "kriminellen Karriere". Prognostizierbar ist dies gleichwohl nicht. Insbesondere Risikofaktoren wie zum Beispiel Gewalt und Alkoholmissbrauch in der Familie erhöhen jedoch das Risiko weiterer Auffälligkeit.
Elternfrage: Unser Kind hat uns Geld aus dem Portemonnaie entwendet. Was können wir tun?
Aus wissenschaftlichen Untersuchungen ist bekannt, dass Eltern, die über die Aktivitäten ihrer Kinder informiert sind und sich für deren Belange interessieren, auch gute Chancen haben, das Kind zum Einstellen seines Verhaltens zu bewegen. Ein klarer Erziehungsstil ist in diesen Fällen durchaus angebracht. Eltern sollten konsequent deutlich machen, was an dem Verhalten ihres Kindes falsch ist und welche Folgen es haben kann. Gleichzeitig sollten Sie sich einfühlend verhalten, freundlich bleiben und Ihrem Kind zuhören. Keinesfalls darf Ihr Kind selbst kriminalisiert werden – vielmehr ist nach den Hintergründen zu fragen: Warum ist mein Kind an mein Portemonnaie gegangen? Wollte es sich einen dringlichen Wunsch erfüllen? Hat es sich vielleicht nicht getraut, nach Geld zu fragen?
Eventuell kann es notwendig sein, die bisher erfolgte Taschengeldregelung zu überdenken oder einen kleinen "Zuverdienst" für Hilfen, wie zum Beispiel im Haushalt, in Aussicht zu stellen. Auch die Rolle der Freunde sollte hinterfragt werden. Vielleicht wollte das Kind vor seinen Freunden gut "dastehen"?
Harte Sanktionen oder gar Körperstrafen sind absolut fehl am Platz, sie können das Problemverhalten noch verstärken.
Auch Haftstrafen führen eher zu mehr Delinquenz als dieser zu begegnen so Christian Lukas-Altenburg, der Vollzugs Experte warnt vor der Schule des Verbrechens "Knast" und verweist auf zahlreiche Statistiken, welche belegen dass eine Sinnvolle Betreuung Jugendlicher Straftäter meist erfolgversprechender ist als der Jugendstrafvollzug.
Kinder und Jugendliche brauchen klare Regeln - Zuwendung und Verständnis sowie Respekt und Achtung, dies so der Strafvollzugsexperte ist der effektivere Weg zur Bekämpfung und Eindämmung der Kinder und Jugend Delinquenz.
Warum Gewalt?
Ursachen für Gewalt können viele sein. Zum Beispiel Aggressionen, Angst, Selbstschutz, Frust und Depression, Reaktion auf Stress und psychische Belastung, Einflüsse von Drogen oder Alkohol, finanzielle Gründe.
Das Elternhaus spiel oftmales auch eine große Rolle. Wenn Kinder und Jugendliche von ihren Elter Gewalt erfahren, kann es dazu führen das sie selbst gewaltätig werden. Auch Gruppenzwang ist häufig sehr stark und mitziehend so das man den Blick für das Richtige verliert. Manche Jugendliche versuchen sich druch Gewalt, Anerkennung und Respekt bei ihren Freunden oder Mitschülern zu verdienen.
Es wird für Menschen immer einen Grund für Gewalt geben.
Grundsätzlich gelten auch für Jugendliche die allgemeinen Gesetze, wie das Strafgesetzbuch und die Strafprozessordnung. Allerdings gibt es wichtige Besonderheiten.
Diese Besonderheiten sind im Jugendgerichtsgesetz (JGG) sowie den zugehörigen Verwaltungsvorschriften geregelt.
Es sind vier Altersstufen zu unterscheiden:
Eine Person unter vierzehn Jahren strafrechtlich nicht verantwortlich (§ 19 StGB), Jugendstrafrecht ist also nicht anwendbar,allenfalls das Jugendamt kann Maßnahmen ergreifen.
Im Alter zwischen vierzehn und achtzehn Jahren unterliegt der Beschuldigte dem Jugendstrafrecht. Es ist dann zu prüfen, ob und ggf. wie weit der Beschuldigte schon strafrechtlich verantwortlich ist (vgl.§ 3 JGG ). Unter Umständen kommen auch in diesem Falle nur Maßnahmen des Jugendamtes in Frage. Ist der Jugendliche strafrechtlich verantwortlich, dann ist die Anwendung von Jugendstrafrecht zwingend.
Ist der Beschuldigte zur Zeit der Tat bereits achtzehn aber unter einundzwanzig Jahren alt, bezeichnet man ihn als Heranwachsenden.
Regelungen dazu finden sich in den §§ 105ff. JGG.
Heranwachsende gelten grundsätzlich als strafrechtlich verantwortlich. Einschränkungen können sich aus den allgemeinen Regeln (etwa den §§ 20, 21 StGB) ergeben.
Die Zuständigkeiten bestimmen sich für Heranwachsende nach dem Jugendgerichtsgesetz. Ob auch für die Rechtsfolgen Jugendstrafrecht oder das allgemeine Strafrecht anzuwenden ist, ist jeweils im Einzelfall zu entscheiden.
Bei Beschuldigten, die zur Tatzeit einundzwanzig Jahre oder älter gewesen sind, ist Jugendstrafrecht grundsätzlich nicht (mehr) anwendbar. Jugenstrafrecht kann allerdings angewendet werden, wenn gleichzeitig frühere Taten abgeurteilt werden.
Die kriminologische Forschung ist vielen Hypothesen nachgegangen. Trotz zahlreicher und vielfältiger Untersuchungen bleibt die Frage nach "den" Ursachen der Jugendkriminalität und ihrer spezifischen Entwicklung offen. Man geht heute davon aus, daß Jugendkriminalität nicht eine oder wenige isolierbare Ursachen hat, sondern daß hier viele Faktoren und Bedingungen eine Rolle spielen.
Zu den Faktoren, die häufig genannt werden, zählen u.a.:
zerrüttete Familienverhältnisse Anonymisierung infolge der Verstädterung Jugendarbeitslosigkeit und dadurch fehlende Perspektiven fehlende Erfolgserlebnisse in Ausbildung und Beruf Werteverfall der Gesellschaft falsche Vorbilder oder Medieneinflüsse Komsumverhalten aufgrund reißerischer Werbung breitere Gelegenheiten für kriminelle Aktivitäten (z.B. Computerkriminalität) allgemeine Gewaltorientierung in der Gesellschaft fehlendes Unrechtsbewußtsein.
Die Entstehung von Kriminalität bei Kindern und Jugendlichen ist wie die bei Erwachsenen multikausal. Eine eindeutige Zurechnung oder Gewichtung aller denkbarer ursächlicher Faktoren in Haupt- und Nebentatsachen, die zur Entstehung und Entwicklung von Gewalt und Kriminalität beitragen könnten, ist nicht möglich. Es wird im Einzelfall darauf ankommen, inwieweit Möglichkeiten einer gesellschaftlichen Integration für die direkte Umgebung des Kindes oder des Jugendlichen erreichbar sind und an die Kinder und Jugendlichen weiter vermittelt werden können.
Im Hinblick auf die Zunahme der Jugendkriminalität gibt es eine Reihe von kontrovers diskutierten Aspekten, die sich begünstigend auf kriminelles Handeln auswirken. Stichpunktartig seien genannt:
Jugendarbeitslosigkeit und eine damit verbundene Perspektivlosigkeit sowie zunehmende Verarmung
soziale Wandlungsprozesse, die das Konkurrenzverhalten stärken
Auflösung traditioneller Familienstrukturen
Mangel an Betreuungs- und Bezugspersonen, damit einhergehend Anonymisierung und Individualisierung
Mangel an sinnvollen Freizeitbeschäftigungen
Frustrationserlebnisse in Schule und Ausbildung
Konsum von Drogen.
Christian Lukas-Altenburg zählt zu den versiertesten Kennern von Jugend Delinquenz - Jugendstrafrecht und Jugendstrafvollzug.
Immer wieder kritisiert der Autor und Publizist, die sich darstellende Mangelhaften Entfaltungsmöglichkeiten Jugendlicher in Gesellschaft Politik und Sozialen Umfeld, was nicht selten zu einer sich weiter ausbreitenden Jugend Delinquenz führt.
Die Chancen von Kindern und Jugendlich sich in dieser Gesellschaft zu etablieren und zu Entfalten, sind meist sehr gering und bedürfen eines stärkeren Gesellschaftlichen Konsens so der Autor und Gesellschaftskritiker in seien Publikationen aus der Reihe Im Dschungel der Justiz Jugenddelinquenz betrachten.
quelle: Landtag von Hessen / Lukas-Altenburg Blog / SZ Online und Süddeutsche Zeitung.

Sonntag, 11. September 2016

Skandal beim BGH? Tausende Urteile unwirksam?Rechtzeitig zum Thema "Rechtsbeugung" hat die Zeitschrift Juristische Schulung (JuS), eine der Ausbildung des juristischen Nachwuchses dienende Publikation, Wind gekriegt von einem angeblichen schrecklichen Skandal – ausgerechnet beim Bundesgerichtshof.
Ein Mitglied des 1. Strafsenats hat sich in der JuS (2016, S. 706 ff.) eine Entscheidung des 2. Strafsenats zum Thema "Gefahr im Verzug" vorgenommen: Er mäkelt hie und da, worauf es hier aber jetzt nicht ankommt. Denn zutiefst schockiert hat ihn ein vom Vorsitzenden des 2. Strafsenats am Ende der Entscheidung angebrachter "Verhinderungsvermerk", der da lautet: "Richter X ist an der Unterschrift gehindert."
(Hinweis am Rande: Man kann alle mit Gründen versehene Entscheidungen des BGH in vollem Wortlaut auf der Homepage des Gerichts lesen, unter "Entscheidungen".)
Der entsetzte Kritiker stellt zu diesem Verhinderungsvermerk fest, dass "bei einzelnen Strafsenaten entgegen dem klaren Gesetzeswortlaut etwas geschieht, ohne dass ein Grund hierfür ersichtlich wäre." Kurz zur Nomenklatur: "Einzelne Senate" – das ist, wie jeder weiß, selbstverständlich allein der 2. Strafsenat, und mit "Senat" ist eigentlich dessen Vorsitzender gemeint.
Wahr ist: Nicht für alles, was "bei Strafsenaten geschieht", muss ein Grund ersichtlich sein, erst recht nicht für jeden. Und bevor man der Welt mitteilt, es gebe keinen Grund, könnte man natürlich einfach einmal fragen. Es sind ja nur 30 Meter Luftlinie und eine halbe Treppe. Aber wenn etwas "entgegen dem klaren Gesetzeswortlaut" geschieht, herrscht natürlich Alarmstufe Rot. Massenhafte Rechtsverstöße durch den Vorsitzenden des 2. Strafsenats, weil er falsche Verhindervermerke angibt? Bevor die Weltpresse davon Wind kriegt und fragt, wer den goldenen Kugelschreiber bezahlt hat, mit dem gegen das Gesetz verstoßen wird, muss das Unternehmen einer Ersichtlichmachung rasch von statten gehen.
Paragraf 275 Abs. 2 StPO lautet:
"Das Urteil ist von den Richtern, die bei der Entscheidung mitgewirkt haben, zu unterschreiben. Ist ein Richter verhindert, seine Unterschrift beizufügen, so wird dies unter Angabe des Verhinderungsgrundes von dem Vorsitzenden (…) vermerkt."
Klarer Fall, so scheint es. Mit ihrer Unterschrift bestätigen die mitwirkenden Richter, dass die schriftlichen Urteils- oder Beschlussgründe die mehrheitlich beschlossenen sind (also nicht, dass die Gründe ihre – geheime – Abstimmungsmeinung wiedergeben). Ist einer der Richter aus "tatsächlichen" (Urlaub, Krankheit) oder aus "rechtlichen" (Pensionierung, Versetzung) Gründen an der Unterschrift gehindert, muss der Vorsitzende den "Verhinderungsvermerk" anbringen. Das ist keine "Vertretung", sondern eine Art Bescheinigung. Allgemein üblich ist es zu schreiben: "wegen Krankheit", "wegen Urlaubs", "wegen Dienstreise". War der Richter in Wahrheit gar nicht "verhindert", schlägt beim Tatgericht (§ 275 StPO) der absolute Revisionsgrund des Paragrafen 338 Nr. 7 Strafprozessordnung zu. Die entsprechende Rüge lautet dann aber nicht: "Der Verhinderungsvermerk enthält keinen Grund". Sondern: "Das Urteil ist nicht mit den vorgeschriebenen Unterschriften rechtzeitig zur Geschäftsstelle gelangt. Der als verhindert bezeichnete Richter X war gar nicht verhindert". Dieser revisionsrechtlich wichtige Unterschied hätte den kritischen Kollegen aus dem 1. Strafsenat auf die Spur eines Grundes führen können.
Trifft die genannte Rügebehauptung zu, wird das Urteil aufgehoben. Ob sie zutrifft, ist aufzuklären: Dann werden Dienstliche Erklärungen, Ärztliche Atteste, Reisebescheinigungen, Versetzungsverfügungen beigezogen. Es geht für die Revisionsrüge nämlich allein darum, ob der Verhinderungsvermerk inhaltlich richtig ist, der Richter also tatsächlich verhindert war; es geht nicht darum, ob die Begründung korrekt angegeben war. Die Revisionsrüge ist unbegründet, wenn zwar der Vermerk "wegen Krankheit" unzutreffend ist, der Richter aber tatsächlich verhindert war, beispielsweise wegen Versetzung.
Der Vorsitzende des 2. Strafsenats vermerkt den Verhinderungsgrund oft nicht. Was könnte der Grund dafür sein?
Erstens: Beim Bundesgerichtshof unterschreiben alle Entscheidungen immer alle mitwirkenden Richter. Sie müssten dies freilich nicht tun. Die Geschäftsordnung des BGH vom 3. März 1952 ordnet nämlich an:
"Beschlüsse, die aufgrund einer mündlichen Verhandlung ergehen, sollen die Namen der Richter, die daran mitgewirkt haben, enthalten und sind von ihnen zu unterzeichnen. Bei anderen Beschlüssen genügt die Unterzeichnung durch den Berichterstatter und den Vorsitzenden".
Der Grund für diese von Paragraf 275 StPO abweichende Regelung ist, dass diese Vorschrift für den BGH gar nicht oder allenfalls eingeschränkt gilt. Der BGH hat nämlich bei der Absetzung von Urteils- oder Beschlussgründen keine Fristen einzuhalten. In 65 Jahren BGH-Historie hat daher noch niemand gerügt, ein Verhinderungsvermerk des BGH sei falsch. Wo sollte man das auch rügen? Mit der Frage des Gesetzlichen Richters (und daher mit dem Verfassungsrecht) hat es nichts zu tun. Woher also rührt die Sorge des Kritikers?
Und was heißt hier: "klarer Gesetzeswortlaut", anders gefragt: Was heißt "Angabe des Verhinderungsgrunds"?
Ich nenne Ihnen, liebe Leser, ein paar lebensnahe Beispiele: "Richterin H hat seit gestern Bauchschmerzen"; "Richter I hat sich krank gemeldet"; "Richterin J ist mit ihrem neuen Freund zu einem dreiwöchigen Urlaub auf den Malediven"; "Richter K kann sich wegen einer depressiven Erkrankung derzeit nicht konzentrieren"; "Richter L hat sich von seiner Frau getrennt und muss heute seinen Umzug organisieren"; "Richter M wohnt in Leipzig und weilt nur jede dritte Woche am Gerichtsort". Das wären ein paar saftige "Verhinderungsgründe", unter denen sich die Verfahrensbeteiligten und das Publikum etwas vorstellen könnten! Derartige Begründungen ihrer Verhinderung veröffentlicht zu sehen, müssten sich die Richter aber sicher nicht gefallen lassen. Ein bisschen informationelles Selbstbestimmungsrecht des Richterbürgers gestattet nämlich auch der Wortlaut des Paragrafen 275 StPO in der Fassung von 1877.
Die verschiedenen Instanzen
Dem Kolumnisten ist unklar, wie man sich mit dem Vermerk "wegen Krankheit verhindert" zufrieden geben kann, wenn man "ist verhindert" für unzureichend hält. Was heißt denn "Krankheit"? Wann, seit wann, wo, welche, wie lange, wie schwer?
Der verschämte Vermerk "wegen Krankheit" ist nichtssagend, rechtlich unerheblich, und trotzdem noch geheimnisverletzend.
Was lernen wir? 1. welch bedeutende Aufgaben ein Senatsvorsitzender beim BGH hat. 2. dass Abweichungen vom sinnfrei Gewohnten mitunter Gründe haben, selbst wenn sie sich dem Einzelnen verdunkeln. 3. dass der Vorsitzende eines Strafsenats die ihn betreffenden Ordnungsvorschriften handhaben darf, wie es ihm das Pflichtgefühl gebietet, ohne Dritte um Erlaubnis ersuchen zu müssen. 4. dass es keine Berechtigung gibt, sich über den Einwand von Kollegen hinwegzusetzen, es gehe die Öffentlichkeit nichts an, wann sie krank waren. 5. also: kein Skandal, weit und breit. Vielleicht beim nächsten Mal.
Zweitens: Bundesjustizminister Heiko Maas wurde von Wolfgang Schäuble unter anderem wegen Äußerungen betreffend den Fall Gina-Lisa Lohfink zum Rücktritt aufgefordert, was natürlich einer schallenden Ohrfeige gleichkam. Eine Sprecherin von Herrn Maas hat dem alsbald eine krachende Absage er- und ihrerseits mitgeteilt, die demnächst in-Kraft-zu-treten-habende Neuregelung des Sexualstrafrechts weise nach Ansicht des Ministers eklatante Regelungslücken auf, da am letzten Donnerstag in Heilbronn schon wieder etwas vorgefallen sein soll.
Katja Keul, Rechtsanwältin und Grünen-Abgeordnete, hatte am 17. März im Bundestag erklärt, Paragraf 179 Strafgesetzbuch (sexueller Missbrauch von Willensunfähigen) müsse sofort aufgehoben werden. Es "kann ja wohl nicht sein", so die Rechtsexpertin, "dass die Vergewaltigung einer Schwerstbehinderten weniger bestraft wird als die Vergewaltigung eines Gesunden". Nun soll sie nachgelegt und unter dem Jubel ihrer Fraktion erklärt haben, auch Paragraf 176 StGB (sexueller Missbrauch von Kindern) müsse sofort aufgehoben werden, denn es könne ja wohl nicht sein, dass die Vergewaltigung von Kindern weniger bestraft werde als die Vergewaltigung von Rentnern. Claudia Roth soll vor Freunde geweint haben. Das Hohe Haus erhob sich zu einer Polonaise.
Wenn Sie, liebe Leser, diesen kleinen Scherz jetzt nicht verstehen, liegt das bloß daran, dass Sie mangels Jurastudiums nichts wissen über die Konkurrenz von Straftatbeständen, das heißt ihr Verhältnis zueinander. Ein Jurastudent, der behauptete, der Straftatbestand des Hausfriedensbruchs müsse gestrichen werden, weil die Zerstörung von Wohnungen durch Explosionen höher bestraft werde, bekäme Schwierigkeiten.
Im Bundestag bringt einen so was nach vorne.
quelle Lukas-Altenburg Blog u. Zeit 2016
Personalnotstand in den Vollzugsanstalten geht auf Kosten der Resozialisierung und Wiedereingliederung.
Die Justiz spart am falschen ende und auf Kosten der Menschenwürde. Bedienstete werden in einen unglaublichen ausmaß belastet und leisten zum teil ungeheure Mehrarbeit um den Betrieb, damit auch die Betreuung der Insassen sowie die Sicherheit aufrecht zu erhalten, Leidtragende sind auch Insassen der Vollzugsanstalten, die durch diese Sparpolitik der Länder in der Würde des Menschen geschädigt werden, der Gedanke der Resozialisierung ist hier nur noch eine Worthülse.
Seit dem der Strafvollzug und die Gesetzgebung über den Strafvollzug in die Hände der Länder gegeben wurde, ist tatsächlich ein Wettlauf der Schäbigkeit vorhanden, auch wenn dies immer wieder bestritten wird, ist es Tatsache, dass Einsparungen auf kosten der Bediensteten und Insassen der Vollzugsanstalten gehen und konträr zum Resozialsierungsauftrag stehen.
Es bedarf dringend einer Revision des Strafvollzuges, dessen Glieder und Konzepte.
Aktuelle Nachrichten aus den Bereichen News, Leute, Sport, Auto und mehr
BILD.DE
Am 21. September 1954 bei der 9. Vollversammlung der Vereinten Nationen wird der Vorschlag für einen Weltkindertag gemacht. Die Mitgliedsstaaten richten einen weltweiten Kindertag ein. Drei Ziele werden damit verfolgt:
Einsatz für die Rechte der Kinder
Förderung der Freundschaft unter den Kindern und Jugendlichen
Einmal im Jahr sollen sich die Regierungen öffentlich verpflichten, die Arbeit des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen UNICEF zu unterstützen.
Die Idee zum „Universal Children’s Day“ ist damit geboren und bereits ein Jahr später beteiligen sich 40 Länder daran. Heute wird der Weltkindertag in mehr als 145 Staaten begangen. In Deutschland findet der Weltkindertag immer am 20.September statt
Ein einziger Tag des Nachdenken über die Situation von Kindern in diesem Land? Ein einziger Tag der Gesellschaftliches Versagen offen legt und immer wieder die Sophistisch Politischen Phrasen von Kinder sind unsere Zukunft ?
Kinderarmut in Deutschland einem der Reichsten Nationen dieser Erde und immerwährende Frage nach dem weshalb?
Unsere Gesellschaft befindet sich am Rande eines Abgrundes und tut nichts diese Abgrund zu entgehen, schlicht nur weiter so ohne Sinn und Verstand, zum Wohle einer immer kälter werdenden Industrialisierung in dem die Gewinnmaximierung vor dem Wohl unserer Kinder steht.
Anfang der 60er Jahre sind die Jahre des rasant wachsenden Wirtschaftswunders vorbei. In Deutschland herrscht Hochkonjunktur und weil alles wächst, es aber nicht genügend Arbeitskräfte gibt, holt man sich „Gastarbeiter“ ins Land. Es kommen – zunächst – Männer ohne ihre Familien.
In Deutschland breitet sich weiter Wohlstand aus. Allerdings profitieren bereits zu diesem Zeitpunkt nicht alle davon: 1,8% der Kinder in Deutschland leben in Armut, dass heißt der Familie stehen weniger als 50 Prozent des Durchschnittseinkommen zur Verfügung. Im Jahr 1963 sind das – laut Statistik - 369.157 Kinder in Armutsverhältnissen
Die Armut von Kindern spielt sich auf sehr unterschiedlichen Niveaus ab. In der so genannten Dritten Welt sind Kinder am Verhungern. In den westlichen Industrieländern schlägt sich Kinderarmut anders nieder: als finanzielle, soziale und emotionale sowie kulturelle Armut. Die Armut wirkt sich vor allem in eklatanter Weise auf die Biografien solcher Kinder aus.
Mutter Theresa
In Indien erhält MUTTER TERESA (bürgerlich Agnes Gonxha Bojaxhiu) den Friedensnobelpreis: für ihren Einsatz für Waisen, Kranke und Sterbende. Ihr spezielles Engagement liegt bei der Betreuung von Leprakranken. In Deutschland ist Kinderarmut kein öffentliches Thema
1963 lebten 1,8% der deutschen Kinder in Armut. Knapp 25 Jahre später sind es bereits 5,6% - dies betrifft jetzt 862.285 Kinder
In wenigen Jahren (seit 1986) hat sich die Lebenssituation von vielen Kindern erneut dramatisch verändert. Jetzt lebt bereits jedes elfte Kind unter sieben Jahren in einem Sozialhilfehaushalt. 1965 war es nur etwa jedes 75. Kind. In Zahlen: 9,1 % der Kinder in Deutschland leben in Armut: rund 1,4 Millionen Kinder unter 18 Jahren
Ein leichter Rückgang der Kinderarmut: es betrifft nur noch 8,5 % bzw. 1.335.629 Kinder
Die Kinderarmut nimmt wieder zu: 10,1 % der Kinder in Deutschland leben in Armut, dies entspricht 1.599.882, also rund 1,6 Millionen Kindern
Das Hamburger Abendblatt beschäftigt sich mit dem Thema: „Immer mehr Schulkinder hungern“. Mehr als 50 Prozent der Hamburger Schüler sind in einem so schlechten Ernährungszustand, dass sie gesundheitliche Probleme bzw. körperliche Entwicklungsrückstände aufweisen
9,5 %der Kinder in Deutschland leben in Armut, dies entspricht knapp 1,5 Millionen. In Berlin leben 16,2 Prozent aller Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren von Sozialhilfe
„Hunger und Einsamkeit - Kinderarmut in Deutschland“: Rund zwei Millionen Kinder in Deutschland hungern. Sie haben Anspruch auf Sozialleistungen, diese reichen aber nicht aus, konstatiert die Autorin Gabriele PROBST
Die Hans-Böckler-Stiftung stellt eine Untersuchung auf regionaler Ebene vor, inwiefern die relative Einkommensarmut von Kindern zu schlechten Lebensbedingungen führt. Ergebnis 1: Deutschlandweit gibt es erhebliche Unterschiede. Hier geht es zur Studie
Und hier gibt es das Bild einer Karte, die direkt mit der interaktiven Deutschlandkarte zur Kinderarmut dieser Studie verlinkt ist (siehe rechts). Ergebnis 2:
Es sind die neuesten Daten und Informationen, die alle bisherigen Untersuchungen bestätigen, z.B. jene des Kinderhilfswerks: Deutschland ist kein besonders kinderfreundliches Land.
Die sog. Armutsrisikoquote liegt bei knapp 19% (Daten für 2012).
Deutschland: ein Wohlstandsland mit Zukunft?
Kay BIESEL erforscht die Arbeit von Jugendämtern und beschäftigt sich mit der Frage, welche Fehlerkultur es geben müsste, um solche Desaster in Zukunft zu verhindern. Die Aufgabenbereiche in den Jugendämtern seien nicht klar definiert – desweiteren gäbe es zu viele Fälle bei zu wenig Zeit und zu geringem Budget.
Für die Forschung arbeitet er mit den Jugendämtern Schwerin, welches als Negativbeispiel gilt und Dormagen, welches die Arbeit im Kinderschutz mit Hilfe eines neuen Modells positiv umsetzt, zusammen. Beim „Dormagener Modell“ wird vorbeugende und multiprofessionelle Netzwerkarbeit geleistet. Die betroffenen Familien werden nicht stigmatisiert, sondern steht das Wohl der Kinder, Eltern und Gesellschaft im Vordergrund. Außerdem will die Stadt allen Familien Zugang zu Hilfen und Informationen verschaffen.
Laut BIESEL befinden sich sämtliche soziale Institutionen derzeit im Umbruch, aber geändert hat sich hinsichtlich der sich darstellenden Kinderarmut in Deutschland seit langen nichts und es bleibt nochmals die Frage, wie kann es sein dass es in einem der Reichsten Industrienationen dieser Erde überhaupt Kinderarmut geben kann ?
Der Autor und Publizist Christian Lukas-Altenburg brachte es auf den Punkt, als er sagte unsere Gesellschaft ist längst in den Abgrund von Ignoranz und Gleichgültigkeit gestürzt und wundert sich auch noch über zunehmende Kinder und Jugendkriminalität.
quelle: BR - HR - Süddeutsche Zeitung - Lukas-Altenburg Blog
 in der Schule:
Vor allem in den Jahren der Pubertät stapeln sich die Sorgen schnell.
Und dennoch werden diese Belastungen meist nur belächelt.
Dabei begehen in keinem anderen Lebensabschnitt so viele Menschen Suizidversuche wie vor dem 20. Lebensjahr.
Nach Verkehrsunfällen sind Suizide die zweit häufigste Todesursache unter den 14- bis 20-Jährigen. Jeden zweiten Tag stirbt in Deutschland ein Jugendlicher durch seine eigene Hand.
"Dennoch wird die Not der jungen Menschen oft übersehen, weil viele nicht wissen, dass auch in jungen Jahren der Wunsch nach dem eigenen Tod aufkommen kann"
Meine Co-Autorin wie auch ich, haben dieses Problem bereits 2012 in unserer gemeinsamen Publikation "Hilfe mein Kind kommt in die Pubertät" angeschnitten.
Viele Fragen nach dem Warum, warum warfen Wir dieses Thema auf, warum griffen Wir ein solches Tabu überhaupt auf?? Ganz einfach, es könnten unsere Kinder, oder ihre Kinder sein. Bitte denken Sie einmal darüber nach..
Über das Thema Selbstmord wird in unserer Gesellschaft zu selten offen gesprochen – und das, obwohl 80 Prozent aller Deutschen schon einmal mit…
FRAUENZIMMER.DE

Fehlurteile kommen vor und sie vernichten Menschen. Dafür gibt es unzählige Ursachen, viele ließen sich verhindern. Eine Bestandsaufnahme.
Wo Menschen arbeiten, geschehen Fehler. Das ist auch nicht anders, wenn diese Menschen in der Justiz arbeiten und Richter heißen. Nicht jeder dieser Fehler führt zwingend zu einem falschen rechtskräftigen Urteil, da mancher Fehler durch ein Rechtsmittel wieder korrigiert werden kann. Mancher, aber leider nicht jeder. Das Ergebnis der anderen Fehler sind Fehlurteile.
Im Zivilrecht kann das schon einmal bedeuten, dass jemand finanziell ruiniert wird, was schlimm genug ist. Im Strafrecht ist ein Fehlurteil zu Gunsten des Angeklagten schlecht, weil eine Straftat ungesühnt bleibt, zu Lasten des Angeklagten ist es eine Katastrophe. Es nimmt einem Unschuldigen nicht nur die Freiheit, es nimmt ihm oft genug sein ganzes bürgerliches Leben,
es vernichtet seine Existenz und die Person, die er vorher war.
Über die Zahl der Fehlurteile wird immer mal wieder gestritten und spekuliert. Wie der „Spiegel“ berichtet, schätzt BGH-Richter Ralf Eschelbach die Zahl der Fehlurteile auf 25 Prozent. Das scheint mir aus meiner persönlichen Erfahrung etwas hoch gegriffen, aber selbst wenn es nur jedes zehnte Urteil betreffen würde, wären es schon viel zu viele.
Die Ursachen solcher Fehlurteile sind vielfältig.
Bereits im Ermittlungsverfahren werden häufig zu einem frühen Zeitpunkt Vorentscheidungen für ein Fehlurteil getroffen,indem die Ermittler sich relativ schnell auf einen bestimmten Hergang und einen bestimmten Verdächtigen festlegen.
Das mag ja auch ganz oft richtig sein, es hat aber fatale Folgen, wenn es falsch war. Dann werden wichtige Spuren nicht gesehen oder falsch interpretiert, Zeugen zu spät oder gar nicht vernommen, Gutachten nicht eingeholt oder übersehen, dass diese unvollständig sind.
Die Liste lässt sich noch erheblich erweitern.
Gerade bei Kapitalverbrechen lastet auf den Ermittlern ein großer Druck, der Öffentlichkeit schnell einen „Täter“ zu präsentieren.
Da will niemand als Versager dastehen. Ursache für üble Ermittlungsfehler ist fast immer die frühe Gewissheit der Ermittler, ihre Hypothese zu Tat und Täter sei richtig. Bekanntestes Beispiel dürfte das sogenannte NSU-Verfahren sein. Aber jeder Verteidiger wird Ähnliches erzählen können.
Wer mit einem bestimmten Vorurteil an die Ermittlungen geht, kommt mit einem bestimmten Ergebnis aus diesen heraus. Das Vorurteil verhindert eine objektive Ermittlung, weil es für alles blind macht, was diesem widerspricht. Das ist dann nicht einmal ein bewusst falsches Ermitteln. Nein, die Ermittler kommen gar nicht dazu, die anderen Hinweise zu sehen, weil ihre Wahrnehmung einer bestimmten inneren Erwartungshaltung folgt. Wir nehmen nur wahr, was wir wahrnehmen wollen. In diesem frühen Stadium eines Strafverfahrens ist eine frühe inhaltliche Beteiligung der Staatsanwaltschaft vonnöten, die aber häufig ihren erprobten Ermittlern von der Polizei allzu großes Vertrauen entgegenbringt. Aber auch der erfahrenste Ermittler kann mal daneben liegen.
Wo Rauch ist, ist Feuer?
Eine Möglichkeit, diesen Ermittlungspannen entgegenzuwirken, wäre eine Supervision der Ermittler. Wer glaubt, er könne als juristischer Laie auf eine Verteidigung verzichten, weil er ja unschuldig ist, produziert selbst eine Fehlerquelle. Das ist ein verdammt riskantes Vertrauen in die Funktionstüchtigkeit der Justiz. So viel Naivität wird oft bestraft und hinterher ist das Gejammer groß. Eine qualifizierte Verteidigung ist immer noch das beste Mittel gegen ein Fehlurteil, wenn auch nicht zwingend erfolgreich.
Landet die Akte dann irgendwann bei der Staatsanwaltschaft, die ja der eigentliche Herr des Ermittlungsverfahrens ist, kann diese natürlich nur mit den Puzzleteilen hantieren, die die Polizei ihr in den Karton gelegt hat. Glücklicherweise gibt es Heerscharen von guten Staatsanwälten und Staatsanwältinnen, die die Ermittlungsfähigkeiten ihrer Hilfsbeamten, also der Kripo, durchaus kritisch beurteilen und die Akte mit weiteren Ermittlungsgesuchen erst mal wieder zurückschicken. Das klappt eben auch nur, wenn der „Denkfehler“ der Ermittler irgendwie greifbar aus der Akte hervorgeht. Manche Staatsanwälte vertrauen aber auch mehr oder weniger sehbehindert bis blind der Erfahrung der Ermittler oder haben einfach zu wenig Zeit, um jede Akte mit der erforderlichen Gründlichkeit zu studieren.
Personelle Unterbesetzung bei der Justiz – eine weitere Fehlerquelle. Kommt es zur Anklage, wird es für den Angeklagten schon einmal ungemütlich. Zwar gilt er aufgrund der Unschuldsvermutung bis zu seiner rechtskräftigen Verurteilung selbstverständlich als unschuldig, das hilft ihm aber wenig. Für bestimmte Presseorgane ist die Unschuldsvermutung eine lächerliche Erfindung von Gutmenschen, die sie nur daran hindern soll, ihre fantasievollen Spitznamen für den Angeklagten angemessen unter das Volk zu bringen.
Das dumme Gequatsche, wo Rauch ist, sei auch ein Feuer, scheinen viele zu glauben. Für manchen ist schon die Anklage und insbesondere deren öffentliche Verbreitung das Ende der bürgerlichen Existenz. Kachelmann ist da nur ein prominentes Beispiel. Da nützt am Ende der schönste Freispruch nicht mehr viel
Angeklagte und Verteidiger verzweifeln sagt einer der es Wissen muss, Christian Lukas-Altenburg ist Autor und Publizist und ist darüberhinaus einer der wohl bekanntestes Rechtsexperten im Deutschen Sprachraum,
Bevor es zu einer Hauptverhandlung kommt, muss das Gericht die Anklage erst einmal zulassen. Dass das einmal nicht geschieht, ist eher selten, kommt aber vor. Vor einigen Monaten lehnte das Landgericht Aachen in einem Mordverfahren die Eröffnung ab. Der Beschuldigte war fünf Jahre lang als Mordverdächtiger den Ermittlungen und dem Mordverdacht ausgesetzt, die Verteidigung bekam erst nach drei Jahren Akteneinsicht, als er für eine Woche in U-Haft genommen wurde. Eine seltene Ausnahme. Normalerweise wird eröffnet.
Und dann kommt die Hauptverhandlung. Die Beweisaufnahme. Das Urteil. Bedauerlicherweise ist diese Urteilsfindung nun aber kein wissenschaftliches Verfahren mit sicheren Ergebnissen, sondern das Ergebnis einer menschlichen Überzeugungsbildung.
Merkwürdigerweise scheinen viele Richter der Meinung zu sein, sie seien tatsächlich in der Lage, die Wahrheit besser von der Unwahrheit unterscheiden zu können als andere Menschen. Vermutlich hilft so eine Selbstein- und -überschätzung sogar bei der Urteilsfindung. Weil die gerade aber nicht nur in Indizienprozessen eine äußerst schwierige Angelegenheit ist, gilt – auch ohne dass es ausdrücklich in der Strafprozessordnung stünde – der alte Rechtssatz „in dubio pro reo“, also „im Zweifel für den Angeklagten“. Es soll eben ohne vernünftige Zweifel feststehen, dass der Angeklagte schuldig ist. Damit der Zweifelssatz zum Zug kommen kann, muss der Richter sich überhaupt einmal zum Zweifeln durchringen. Manche scheinen nie zu zweifeln. Für Angeklagte und Verteidiger zum Verzweifeln.
Lukas-Altenburg Deutschlands schärfster Justiz Kritiker sagt:
Es geschieht nicht selten, dass Strafverfahren so ablaufen, dass man die Voreingenommenheit eines Richters geradezu körperlich spüren kann, auch wenn er formal leider keinen Anlass für einen Befangenheitsantrag liefert. Manche Richter sind so von sich selbst und ihrer vermeintlichen Unfehlbarkeit überzeugt, dass es schon einer guten Verteidigung bedarf, um überhaupt den Hauch von Zweifel in ihnen zu wecken. Die Art und Weise, wie Zeugen vernommen werden, wie insbesondere mit dem Angeklagten – für den ja immer noch die Unschuldsvermutung streitet – umgegangen wird, lässt meist schon nach kurzer Zeit erkennen, wohin die Reise geht.
Zeugen lügen
Natürlich gibt es auch jede Menge positive Beispiele, aber die führen eher nicht zu Fehlurteilen. Vor vielen Jahren verurteilte einmal ein Amtsrichter einen meiner Mandanten – nachdem auch die Staatsanwaltschaft Freispruch beantragt hatte – mit den Worten: „Ich möchte aus meinem Herzen keine Mördergrube machen, ich weiß, dass das Landgericht mich aufheben wird, weil die Beweise nicht ausreichen, aber ich halte sie trotzdem für schuldig und deshalb verurteile ich sie jetzt.“ Dazu fällt einem natürlich nicht mehr viel ein. Richterliche Hybris ist ebenfalls eine Fehlerquelle.
Hinzu kommen natürlich Zeugen, die lügen oder deren Erinnerungen manipuliert sind („false memory effect“), die aus Angst oder Scham etwas verschweigen. Wohl die größte Fehlerquelle. Da Richter bei Erwachsenen selten Glaubwürdigkeitsgutachten einholen, weil sie meinen, auch ohne psychologische Ausbildung am besten zur Beurteilung der Glaubwürdigkeit von Zeugen berufen zu sein, gibt es hier die meisten Fehler.
Christian Lukas-Altenburg einer der bekanntesten deutschen Rechtsexperten im bereich Strafvollstreckung sagt.
Vermeintlichen Opfern und Polizeibeamten wird irgendwie mehr geglaubt als Angeklagten. Die richterliche Frage, warum sollte der Zeuge lügen, kann ich schon nicht mehr hören. Warum sollte er es nicht tun? Die Strafen für nachweisliche Falschaussagen sollten drastisch erhöht werden.
Kommt es dann zu einem Urteil, das der Angeklagte für falsch hält, kann er ebenso wie die Staatsanwaltschaft ein Rechtsmittel einlegen. Alleine dies zeigt schon, dass der Gesetzgeber sich der Fehlbarkeit von Gerichten durchaus bewusst war. Falls die Möglichkeit einer Berufung besteht, also bei Verfahren, die beim Amtsgericht begonnen haben, wird das ganze Verfahren einschließlich der Beweisaufnahme noch einmal wiederholt. Da die Berufungskammer immer wieder mit den Urteilen der gleichen Vorinstanz konfrontiert wird, ergeben sich hier auch schon gewisse Vorbelastungen der Überzeugungsbildung in positiver wie negativer Hinsicht.
Mal eben zwei Jahre U-Haft
Ich erinnere mich noch gut an den Anruf eines Vorsitzenden einer Berufungskammer, der mich fragte, was ich denn an dem Urteil des Amtsgerichts auszusetzen hätte, außer dass es von einer bestimmten Richterin sei. Immerhin bekommt man durch die neue Beweisaufnahme in der Berufung eine realistische Chance, ein Fehlurteil noch einmal zu korrigieren. Es ist immer wieder interessant, zu sehen, wie sich Zeugenaussagen von Mal zu Mal verändern. Ähnlich wie der gefangene Fisch bei jeder Erzählung durch den Angler zu wachsen scheint. Die Erinnerung führt ein von der Realität unabhängiges Eigenleben. Sie kennen das doch auch, früher war alles besser.
Allerdings kann es dann auch sein, dass der Angeklagte bis zu seinem Freispruch mal eben zwei Jahre in U-Haft gesessen hat. Alles schon passiert.
Klappt’s in der Berufung nicht oder gab es die Möglichkeit gar nicht, weil es gleich bei der großen Strafkammer des Landgerichts losging, gibt es noch die Revisionsinstanz. Nicht einfach, da noch etwas zu reißen, da das Urteil nur noch auf Rechtsfehler geprüft wird und die Tatsachenfeststellungen der ersten Instanz wie in Stein gemeißelt sind. Das ist ein großes Problem, weil es einem kaum gelingen kann, einen Fehler in den Tatsachenfeststellungen nachzuweisen.
Da findet sich zum Beispiel ein entlastendes Indiz gar nicht im Urteil wieder oder eine Zeugenaussage wird nur teilweise wiedergegeben und ein für die Verteidigung wichtiger Teil fehlt plötzlich. Ganz übel. Das Revisionsgericht guckt sich nur das Urteil und die Sitzungsprotokolle sowie die Urkunden an, die im Protokoll auftauchen. Was nicht im Protokoll oder im Urteil auftaucht, gibt es in der Regel nicht. Wohl dem, der irgendeinen formalen absoluten Revisionsgrund findet.
Man wird ja bescheiden
Die Beweiswürdigung der ersten Instanz bekommt man selten geknackt, außer sie ist völlig abstrus. Die ist ja die ureigenste Aufgabe des Richters und wird vom Revisionsgericht nur auf ganz grobe Schnitzer wie Zirkelschlüsse, falsche Erfahrungssätze und Ähnliches hin überprüft. Warum zum Beispiel bei erstinstanzlichen Verfahren vor dem Landgericht keine wörtliche Protokollierung – oder noch besser eine Videoaufzeichnung – der Zeugenaussagen erfolgt, ist mir schleierhaft.
Dann könnten die Revisionsrichter mal genau nachvollziehen, was der Zeuge gesagt hat und müssten nicht darauf vertrauen, dass das Gericht schon alles richtig verstanden hat. Kostengründe dürften da keine Rolle spielen und für Überwachungskameras soll ja auch gerade wieder Geld locker gemacht werden. Natürlich sollten diese Videos ausschließlich für die Verfahrenszwecke und nicht zur Volksbelustigung eingesetzt werden. Ich wäre notfalls auch schon mit Tonaufzeichnungen zufrieden. Man wird ja bescheiden.
Es gäbe einige Möglichkeiten, um eine ganze Menge an Fehlurteilen – wenn auch mit Sicherheit nicht alle – zu vermeiden. Im Ermittlungsverfahren, in der Hauptverhandlung und in der Rechtsmittelinstanz. Man müsste es nur ernsthaft wollen.
quelle: Lukas-Altenburg Blog - The European

erlange Verfahrensdauer oder Hauptverhandlungen sind Normalität gleiches gilt für Ermittlungsverfahren die nicht selten 2 Jahre übersteige...