Dienstag, 28. August 2012


kleine Leseprobe aus Hilfe mein Kind kommt in die Pubertät Augen zu und durch.

Zwischen Wahnsinn und Gelassenheit
Bekanntlich wollen die meisten Eltern, daß ihre Kinder genauso werden, wie sie nicht geworden sind. Das aber klappt nur selten. Elternklagen sind die Folge: Warum spielt meins nicht so gut Klavier wie das Kind der Freundin? Wieso hat meine Tochter ausgerechnet Spaß an einer solch grausamen Frisur? Warum spielt meiner nicht so gut Tennis wie der Peter? Sieh doch, die Tochter von Bea ist Meßdienerin und Klassenprimus! Und meine? Dabei vergessen Mütter/Eltern häufig, wie früh sie den eigenen Klavierunterricht abgebrochen hatten, mit welchen Haaren sie herumgelaufen sind und was sie selbst von Sport gehalten hatten. Und daß sie „trotz allem“ viel Anlaß zur Dankbarkeit haben für ihre großartigen Kinder.
Doch während die meisten Eltern mit der Entwicklung ihrer Sprößlinge in der Kindheit gut klar kommen, gibt es dann doch Probleme, sobald die Pubertät beginnt. Dann kann es heiß werden, denn jetzt geht es auch um Kirche, Sexualität und Schule. In diesem Alter erkennen viele Eltern ihre eigenen Kinder kaum noch wieder. Sie seien frech, unverschämt, respektlos geworden. Sie ließen in der Schule nach, seien in einer „komischen“ Clique, gingen nicht mehr zur Kirche und und und. Ja, Eltern pubertierender Kinder haben häufig berechtigte Sorgen und müssen richtig leiden. Doch bei weitem nicht alle. Eltern sollten, ohne es an klaren Worten mangeln zu lassen, gelassen bleiben, an die eigene Jugend denken, Ärger mal runterschlucken und gerade während der Pubertät vor allem auf das Positive und Wertvolle an und in ihren Kindern blicken. Schlimm wäre es, die eigenen Kinder zu verlieren.
Mutti, kann mein Freund hier übernachten? Kann meine Freundin mit in den Urlaub? Kann ich mir die Pille verschreiben lassen? Viele Eltern nicken solche Fragen recht schnell ab. Denn erstens „ist das halt so bei jungen Leuten“. Und zweitens: „besser verantwortungsbewußt geschützt als…“ Andere Eltern schlagen die Hände über dem Kopf zusammen: „Um Gottes willen, Kind!“ Als stünde der Beelzebub im Zimmer.
Was sollen Eltern Kindern raten oder vorschreiben? Wie argumentieren, wenn sie in einem Alter sind, in dem ihre Aufgeschlossenheit gegenüber rationalen Argumenten oder gar Kirche und Glaube nicht gerade kulminiert?
Immer mehr junge Mädchen werden immer früher schwanger, sagen Statistiken. Gründe gibt es genug. Einer von ihnen: Mädchen, die ohne Vater aufwachsen, kommen früher in die Pubertät, werden früher sexuell aktiv und als Teenager häufiger schwanger als Gleichaltrige, die in intakten Familien groß werden. Das haben mehrere Studien in den USA und in Neuseeland gezeigt. Ursache könnte sein, daß vaterlose Mädchen sich noch mehr an der Mutter orientieren und selbst deren Verhalten im Umgang mit Männern nachahmen wollen. Wie gesagt, nur einer von vielen Gründen, der nachdenklich stimmen sollte.
Zunächst einmal: Die Ungeduld, mit dem Freund oder der Freundin möglichst rasch und „geschützt“ intim werden zu können, ist natürlich und verständlich. Um so mehr, wenn man das durch und durch sexualisierte Umfeld betrachtet, in dem Kinder groß werden. Dessen Einfluß ist so stark, daß auch in christlich geprägten Familien solche Themen meist dieselbe Brisanz besitzen und es auch dort zu ungewollten Schwangerschaften kommt.
Keine Patentrezepte
Nein, Patentantworten auf solche Fragen der Kinder gibt es nicht. Drei Vorüberlegungen beziehungsweise Differenzierungen aber könnten hilfreich sein:
Erstens: Entscheidend für die elterliche Argumentation ist, wie, in welchem Sinn das Kind bisher erzogen worden ist. Was waren und sind die Erziehungsziele? Wurde Wert gelegt auf eine Art ganzheitliche Erziehung, auf einen Lebensentwurf? Existiert ein Sinn- und Zielfundament? Eltern, die ihr Kind im religiösen Vakuum erzogen haben, können nicht plötzlich mit der Lehre der Kirche kommen.
Zweitens: Ganz Entscheidendes für die Frage, was Eltern „erlauben“ sollten oder nicht, hängt selbstverständlich von Persönlichkeit und Alter des Freundes oder der Freundin ab. Was für ein Typ ist sie oder er? Und natürlich sollte man differenzieren: Es ist schon ein gewaltiger Unterschied, ob die 14jährige Tochter die Pille oder der 17jährige seine Freundin mit in den Familienurlaub nehmen will.
Und drittens: Die Eltern – welche Anstrengungen sind sie bereit, auf sich zu nehmen? Bei solch fundamentalen Fragen Position zu beziehen und diese Linie auch über Jahre beizuhalten – das kostet viel Kraft. „Ja“ sagen, Verständnis demonstrieren und den meisten Diskussionen aus dem Wege gehen, ist einfacher.
Wie aber sollten Eltern argumentieren, wenn ihre jugendlichen Kinder mit Wünschen und Vorstellungen kommen? Auch hier gibt es selbstverständlich keine Patentrezepte, wohl aber einige Grundsätze und Aspekte, die helfen könnten.
Vertrauen statt Kontrolle
Ganz wichtig für Jugendliche ist es, zu spüren, daß ihre Eltern ihnen prinzipiell vertrauen und sie verstehen. Redewendungen wie „Solange du die Füße unter meinen Tisch stellst, entscheide ich…“ vergiften das Eltern-Kind-Verhältnis. Und altgediente Mottos wie „Gelegenheit schafft Diebe“ oder „Vertrauen ist gut, Kontrolle besser“ – man kann sie denken, aber sollte sie nicht als Argument vor dem Kind verwenden.
Das Kind sollte den Eindruck gewinnen, daß die Eltern nicht „kontrollieren“, sondern „helfen“ wollen und sich bemühen, ihrer elterlichen Verantwortung nachzukommen. Das ist schwer, aber möglich – mit viel Ruhe und Verständnis. Vielleicht, je nachdem, wie freundschaftlich das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern ist, kann es auch hilfreich sein, den Kindern von der eigenen Jugend, von eigenen Gefühlen und Erfahrungen zu erzählen. Die wenigsten Eltern, die heute jugendliche Kinder erziehen, sind jungfräulich in die Ehe gegangen. Dennoch sorgen auch sie sich darum, daß ihre Kinder nicht zu frühzeitig sexuelle Erfahrungen machen.
Pille und Clique
Vom 14. Lebensjahr an kann sich ein Mädchen auch ohne Einverständnis der Eltern die Pille verschreiben lassen. Fragt ein Mädchen trotzdem seine Mutter oder seinen Vater, ob „sie das darf“, so ist dies zunächst einmal ein heute nicht mehr selbstverständlicher Vertrauensbeweis, auf den sich aufbauen läßt. Eine solche Frage braucht also nicht nur vor den Kopf zu stoßen oder Eltern zu enttäuschen, sondern sie ist auch positiv. Ein dogmatisches unbegründetes Lospoltern „Ohne wenn und aber: Nein! Und damit Schluß!“ kann dieses Vertrauen abrupt zerstören, vorsichtiges Fragen kann es stützen: Warum willst du das? Willst du das wirklich? Will es dein Freund? Erwartet es deine Umgebung? Wenn Eltern solche Fragen in Ruhe mit dem Kind besprechen und begründen, warum sie hiermit nicht einverstanden sein können, so machen sie es ihren Kindern sehr viel einfacher.
Christa Meves schreibt in ihrem Bestseller „Auf Dich kommt es an“: „Natürlich spielt in Eurem Alter beim bewußten Erleben erotischer Gefühle die Lust auf das Neue eine wichtige Rolle. Doch von großer Bedeutung ist vor allem der Nachahmungstrieb, der oft unterschätzt oder aber vorsätzlich verschwiegen wird. Man kann sich rasch an das anpassen, was die Mehrheit in der Gruppe der Gleichaltrigen in Schule oder Clique für richtig hält. Was die Leute in Deiner Klasse da tönen, entspricht einer Einstellung des Mainstreams, nach der man sich in Sachen Sex spätestens ab 14 ähnlich zu bedienen hat wie bei der Haartönung oder beim Inhalt des Schminkkoffers, nach dem Motto: ‚Das ist jetzt dran, man nehme…‘ Man tut nämlich so, als sei es für junge Menschen ausreichend, diese Dinge ‚wahlfrei‘ wie in einem Selbstbedienungsladen vor Euch auszubreiten und mit freundlich auffordernder Miene dazu zu sagen: ‚Schaut, dies alles könnt ihr haben, bedient euch, zögert nicht, probiert aus, was euch schmeckt.‘“
Verhütung und Gesundheit
Es ist keineswegs „reaktionär“, seine Kinder darauf hinzuweisen, daß Enthaltsamkeit der beste „Schutz“ vor Schwangerschaften, AIDS oder Geschlechtskrankheiten ist. Daß allzu früher regelmäßiger Geschlechtsverkehr später üble gesundheitliche Folgen haben kann. Daß die frühe Einnahme der Pille zu sinkender Fruchtbarkeit führt. Aufklärung dieser Art kommt heute in den einschlägigen Broschüren so gut wie gar nicht vor. Das aber ist unfair. Auf jeder Schachtel eines Medikaments müssen heute die möglichen Nebenwirkungen stehen; jeder Operateur hat mögliche Folgen seiner Operation mitzuteilen; aber auf dem Sektor Sexualität werden die Statistiken der Fachleute heruntergespielt. Und warum? „Um Euch über die Wahrheit zu täuschen! (…) In der Praxis bei mir sieht das ganz anders aus. Fast alle werden geplagt mit Angst vor einer Schwangerschaft, und das mit Recht, wird ,safer sex‘ doch niemals wirklich zu ,safe sex‘! Ja, da kommen dann die schlaflosen Nächte, die Unfähigkeit, sich in der Schule zu konzentrieren, nicht etwa vor lauter Verliebtheit, sondern über mindestens 14 Tage mit der bohrenden Frage: ‚Wenn nun aber doch… – was dann?‘“ fährt Christa Meves fort.
Vor allem ist es empfehlenswert, mit Kindern in ruhiger Atmosphäre ausführlich zu reden, über Liebe und Sexualität, über Personsein und Miteinanderschlafen, über Unreife und Fortpflanzung, über Enthaltsamkeit und Trieb, über Versuchung, Verfehlung und Neubeginn, über elterliche Verantwortung gegenüber Gott und der Gesellschaft, über die Menschenkenntnis der Kirche und die Klugheit der christlichen Morallehre zu sprechen. Über die Vorbildfunktion, die sie für die jüngeren Geschwister besitzen, und über Grundsätze und eine „Hausordnung“, die es in jeder Familiengemeinschaft geben muß. Themen, die hier nicht detailliert behandelt werden können, die aber KOMMA immer wieder ausführlich durchleuchtet hat.
Es ist wichtig, den Kindern klarzumachen, daß sie permanent manipuliert werden: daß der Geschlechtsverkehr eben nicht das Sahnehäubchen der Freundschaft ist. Man sollte Kinder, die bislang im christlichen Glauben erzogen worden sind, neu daran erinnern, welchen Weg sie eingeschlagen und in der Firmung bestätigt haben, was die Kirche lehrt und was Geschlechtsverkehr, Empfängnisverhütung und Ehe bedeuten.

ISBN 978-3-86268-972-9
Engelsdorfer Verlag
Sicher können solche Gespräche helfen, ein Klima des Vertrauens zwischen Eltern und Kindern zu schaffen, Verständnis bei den Kindern für die Position der Eltern zu wecken und die Einsicht zu fördern, daß es eben nicht um „Kontrolle“ und „Verbieten von allem, was Spaß macht“ geht, sondern um Verantwortung, Sorge und Hilfe seitens ihrer Eltern. Daß es für Eltern sehr viel einfacher wäre, alles zu erlauben, anstatt zu argumentieren, zu ringen, ja und notfalls zu verbieten. Auch wenn ihre jugendlichen Kinder trotzdem weiter opponieren, Türen schlagen und den Eindruck erwecken, partout nichts einsehen zu wollen. Viele von ihnen spüren und fühlen sehr wohl, wieviel sie ihren Eltern bedeuten, daß sie ihnen nicht gleichgültig sind – weil diese eben nicht alles abnicken.
Und andererseits? Selbstverständlich sind elterliche Autorität, Verbot und Strenge wichtige Bestandteile der Erziehung. Doch sollten Eltern nicht vergessen, daß gerade im Bereich der Sexualität Verbot und Strenge weitere Neugier schaffen und für zusätzlichen Prickel sorgen können. Wie sie im Alter ihrer Kinder hiermit selbst umgegangen sind – und was für sie elterliche Verbote bedeuteten. Daß Verbote allein die Jugendlichen „klein machen“, doch daß es Ziel sein sollte, sie im Gespräch aufzubauen, sie stark und so „groß zu machen“, daß sie den vorsichtigen Umgang mit Sexualität als eigene Entscheidung empfinden – und nicht als bloßes „Gehorchen“.
Verantwortung vor Gott und dem Gesetz
Eltern sollten ihren Kindern klarmachen, daß sie die Verantwortung für sie, für ihre Erziehung, für ihre Bildung tragen. Vor dem Gesetz – und vor allem vor Gott. Das haben sie bei der Taufe versprochen. Sie haben vor Gott geschworen, alles zu tun, um ihre Kinder zu guten und gottgläubigen Christen zu erziehen. Deshalb müssen sie einfach so manches verbieten, was ihnen für deren Entwicklung gefährlich erscheint. All das sollten Eltern ihren pubertierenden Kindern erklären. Auch, daß sie großes Vertrauen zu ihnen haben. Daß das aber nicht ausschließt, daß es Regeln gibt, daß es Grenzen geben muß. Denn Jugendliche sind nun einmal in einem Alter, in dem sie, trotz aller eigenen Prinzipien und trotz des Willens zum Gehorsam, gerade in der Clique verdammt anfällig für eigenartige Ideen sind. Und wenn Eltern bestimmte Dinge nicht erlauben, dann nicht, weil sie nicht vertrauen oder den Spaß nicht gönnen möchten, sondern weil sie ihre Kinder vor bestimmten Gefahren, die sie einfach noch nicht immer erkennen können, schützen möchten.
Dann ist da die Sache mit „Jugendzeitschriften“, Fernsehmagazinen oder Filmen gegen die Eltern was haben. Auch hier geht es um klare Worte gegenüber den Kindern: daß es auf dem Medienmarkt Dreck, echten Dreck gibt – ganz gleich, wie viele der Altersgenossen ihn konsumieren dürfen. Daß Eltern vor diesem Dreck aber nicht nur ihre Kinder, sondern auch sich selbst schützen wollen. Denn für Erwachsene gibt es ähnliches. Was würden Kinder wohl sagen, wenn Eltern zu Hause den „Playboy“ lesen würden? Wenn sie abends ins Wohnzimmer kämen, und Mama und Papa sich bei einem blutigen Horror- oder einem Sexfilm amüsierten?
Kirchgang und Gebet
Dann ist da der Kirchgang, Gebete und alles, was mit dem Glauben an Gott, mit der Liebe zur Kirche und mit dem Leben eines „normalen“ Christen zusammenhängt. Reine Gebote nutzen wenig, klare Worte viel. Daß Kinder nicht für ihre Eltern in die Kirche gehen müßten. Daß Eltern Kindern nur einen Weg weisen möchten, von dem sie überzeugt sind, daß es der richtige auch für die Kinder ist. Daß die Kinder alt genug seien, um für sich selbst zu entscheiden, was ihre Ziele sind, was ihrem Leben Sinn geben soll. Ihnen klipp und klar machen: Es gibt Menschen, für die ist Geld, Erfolg, Aussehen, Freizeit oder anderes die bestimmende Maxime im Leben. Alles schöne, erstrebenswerte und attraktive Dinge. Entscheidend aber, so banal das klingen mag, ist und bleibt: Wer ist der „Chef“ in ihrem Leben? Selbstverständlich können Jugendliche mit dem Kirchgang und jeder religiösen Praxis Schluß machen. Dann aber müssen sie, und diese Konsequenz müssen Eltern ihnen beibringen, ihm das auch offen ins Gesicht sagen. Ein „bißchen Gott“, da, wo es gerade mal paßt, das klappt nicht.
Eines aber ist ebenso klar: Eltern sind nicht immer die besten Vorbilder, selbst wenn sie sich mühen. „Seid vorsichtig im Straßenverkehr!“ Sind sie es immer? „Lest doch mehr!“ Und dabei schauen sie oft genug abends fern. „Was soll das denn mit diesen SMS-Infos, die ihr euch immer über Handy schicken müßt. Ihr seht euch doch morgen eh’.“ Und wenig später rufen sie über Handy ihren Freund Fred an, um mit ihm zu flachsen.
Auf jeden Fall sollten Eltern möglichst gelassen mit der Sturm-und-Drang-Phase ihrer Kinder umgehen, so schwer das auch im Einzelfall sein kann. Natürlich heißt Gelassenheit nicht, keine klaren Positionen zu beziehen, sondern nicht in Panik zu geraten. Es wäre sicher nicht wünschenswert, daß die 17jährige Tochter schwanger wird. Aber wäre eine heimliche Abtreibung nicht die viel größere Katastrophe? Die Geburt eines Kindes könnte gemeistert werden, selbst wenn die „Umstände“ nicht passen. Voraussetzung ist, daß das Vertrauensverhältnis zwischen den Eltern und der jungen Mutter stimmt und daß sich alle gemeinsam der schwierigen Herausforderung stellen.

Literaturagent oder Agentur Gesucht.



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Zur Koordinierung und Planung von Terminen , Lesungen und Pressearbeit und der Interaktionen zu TV Sendern, Radiostationen aber auch zu den Verlagen, wird eine Kompetente Agentur oder ein geeigneter Agent gesucht. Interessenten wenden sich bitte via E-Mail mit entsprechenden Referenzen an.
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Montag, 27. August 2012

kleine Leseprobe aus Hilfe mein Kind kommt in die Pubertät Augen zu und durch.



Ein lieber Freund und Kollege gab mir einen seiner Vorträge zu diesem Thema, in dem er bewusst auch auf Elterliche Verhaltensweisen eingeht. Vielen dank lieber Christoph Baumgart..
Zwischen Wahnsinn und Gelassenheit
Bekanntlich wollen die meisten Eltern, daß ihre Kinder genauso werden, wie sie nicht geworden sind. Das aber klappt nur selten. Elternklagen sind die Folge: Warum spielt meins nicht so gut Klavier wie das Kind der Freundin? Wieso hat meine Tochter ausgerechnet Spaß an einer solch grausamen Frisur? Warum spielt meiner nicht so gut Tennis wie der Peter? Sieh doch, die Tochter von Bea ist Meßdienerin und Klassenprimus! Und meine? Dabei vergessen Mütter/Eltern häufig, wie früh sie den eigenen Klavierunterricht abgebrochen hatten, mit welchen Haaren sie herumgelaufen sind und was sie selbst von Sport gehalten hatten. Und daß sie „trotz allem“ viel Anlaß zur Dankbarkeit haben für ihre großartigen Kinder.
Doch während die meisten Eltern mit der Entwicklung ihrer Sprößlinge in der Kindheit gut klar kommen, gibt es dann doch Probleme, sobald die Pubertät beginnt. Dann kann es heiß werden, denn jetzt geht es auch um Kirche, Sexualität und Schule. In diesem Alter erkennen viele Eltern ihre eigenen Kinder kaum noch wieder. Sie seien frech, unverschämt, respektlos geworden. Sie ließen in der Schule nach, seien in einer „komischen“ Clique, gingen nicht mehr zur Kirche und und und. Ja, Eltern pubertierender Kinder haben häufig berechtigte Sorgen und müssen richtig leiden. Doch bei weitem nicht alle. Eltern sollten, ohne es an klaren Worten mangeln zu lassen, gelassen bleiben, an die eigene Jugend denken, Ärger mal runterschlucken und gerade während der Pubertät vor allem auf das Positive und Wertvolle an und in ihren Kindern blicken. Schlimm wäre es, die eigenen Kinder zu verlieren.
Mutti, kann mein Freund hier übernachten? Kann meine Freundin mit in den Urlaub? Kann ich mir die Pille verschreiben lassen? Viele Eltern nicken solche Fragen recht schnell ab. Denn erstens „ist das halt so bei jungen Leuten“. Und zweitens: „besser verantwortungsbewußt geschützt als…“ Andere Eltern schlagen die Hände über dem Kopf zusammen: „Um Gottes willen, Kind!“ Als stünde der Beelzebub im Zimmer.
Was sollen Eltern Kindern raten oder vorschreiben? Wie argumentieren, wenn sie in einem Alter sind, in dem ihre Aufgeschlossenheit gegenüber rationalen Argumenten oder gar Kirche und Glaube nicht gerade kulminiert?
Immer mehr junge Mädchen werden immer früher schwanger, sagen Statistiken. Gründe gibt es genug. Einer von ihnen: Mädchen, die ohne Vater aufwachsen, kommen früher in die Pubertät, werden früher sexuell aktiv und als Teenager häufiger schwanger als Gleichaltrige, die in intakten Familien groß werden. Das haben mehrere Studien in den USA und in Neuseeland gezeigt. Ursache könnte sein, daß vaterlose Mädchen sich noch mehr an der Mutter orientieren und selbst deren Verhalten im Umgang mit Männern nachahmen wollen. Wie gesagt, nur einer von vielen Gründen, der nachdenklich stimmen sollte.
Zunächst einmal: Die Ungeduld, mit dem Freund oder der Freundin möglichst rasch und „geschützt“ intim werden zu können, ist natürlich und verständlich. Um so mehr, wenn man das durch und durch sexualisierte Umfeld betrachtet, in dem Kinder groß werden. Dessen Einfluß ist so stark, daß auch in christlich geprägten Familien solche Themen meist dieselbe Brisanz besitzen und es auch dort zu ungewollten Schwangerschaften kommt.
Keine Patentrezepte
Nein, Patentantworten auf solche Fragen der Kinder gibt es nicht. Drei Vorüberlegungen beziehungsweise Differenzierungen aber könnten hilfreich sein:
Erstens: Entscheidend für die elterliche Argumentation ist, wie, in welchem Sinn das Kind bisher erzogen worden ist. Was waren und sind die Erziehungsziele? Wurde Wert gelegt auf eine Art ganzheitliche Erziehung, auf einen Lebensentwurf? Existiert ein Sinn- und Zielfundament? Eltern, die ihr Kind im religiösen Vakuum erzogen haben, können nicht plötzlich mit der Lehre der Kirche kommen.
Zweitens: Ganz Entscheidendes für die Frage, was Eltern „erlauben“ sollten oder nicht, hängt selbstverständlich von Persönlichkeit und Alter des Freundes oder der Freundin ab. Was für ein Typ ist sie oder er? Und natürlich sollte man differenzieren: Es ist schon ein gewaltiger Unterschied, ob die 14jährige Tochter die Pille oder der 17jährige seine Freundin mit in den Familienurlaub nehmen will.
Und drittens: Die Eltern – welche Anstrengungen sind sie bereit, auf sich zu nehmen? Bei solch fundamentalen Fragen Position zu beziehen und diese Linie auch über Jahre beizuhalten – das kostet viel Kraft. „Ja“ sagen, Verständnis demonstrieren und den meisten Diskussionen aus dem Wege gehen, ist einfacher.
Wie aber sollten Eltern argumentieren, wenn ihre jugendlichen Kinder mit Wünschen und Vorstellungen kommen? Auch hier gibt es selbstverständlich keine Patentrezepte, wohl aber einige Grundsätze und Aspekte, die helfen könnten.
Vertrauen statt Kontrolle
Ganz wichtig für Jugendliche ist es, zu spüren, daß ihre Eltern ihnen prinzipiell vertrauen und sie verstehen. Redewendungen wie „Solange du die Füße unter meinen Tisch stellst, entscheide ich…“ vergiften das Eltern-Kind-Verhältnis. Und altgediente Mottos wie „Gelegenheit schafft Diebe“ oder „Vertrauen ist gut, Kontrolle besser“ – man kann sie denken, aber sollte sie nicht als Argument vor dem Kind verwenden.
Das Kind sollte den Eindruck gewinnen, daß die Eltern nicht „kontrollieren“, sondern „helfen“ wollen und sich bemühen, ihrer elterlichen Verantwortung nachzukommen. Das ist schwer, aber möglich – mit viel Ruhe und Verständnis. Vielleicht, je nachdem, wie freundschaftlich das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern ist, kann es auch hilfreich sein, den Kindern von der eigenen Jugend, von eigenen Gefühlen und Erfahrungen zu erzählen. Die wenigsten Eltern, die heute jugendliche Kinder erziehen, sind jungfräulich in die Ehe gegangen. Dennoch sorgen auch sie sich darum, daß ihre Kinder nicht zu frühzeitig sexuelle Erfahrungen machen.
Pille und Clique
Vom 14. Lebensjahr an kann sich ein Mädchen auch ohne Einverständnis der Eltern die Pille verschreiben lassen. Fragt ein Mädchen trotzdem seine Mutter oder seinen Vater, ob „sie das darf“, so ist dies zunächst einmal ein heute nicht mehr selbstverständlicher Vertrauensbeweis, auf den sich aufbauen läßt. Eine solche Frage braucht also nicht nur vor den Kopf zu stoßen oder Eltern zu enttäuschen, sondern sie ist auch positiv. Ein dogmatisches unbegründetes Lospoltern „Ohne wenn und aber: Nein! Und damit Schluß!“ kann dieses Vertrauen abrupt zerstören, vorsichtiges Fragen kann es stützen: Warum willst du das? Willst du das wirklich? Will es dein Freund? Erwartet es deine Umgebung? Wenn Eltern solche Fragen in Ruhe mit dem Kind besprechen und begründen, warum sie hiermit nicht einverstanden sein können, so machen sie es ihren Kindern sehr viel einfacher.
Christa Meves schreibt in ihrem Bestseller „Auf Dich kommt es an“: „Natürlich spielt in Eurem Alter beim bewußten Erleben erotischer Gefühle die Lust auf das Neue eine wichtige Rolle. Doch von großer Bedeutung ist vor allem der Nachahmungstrieb, der oft unterschätzt oder aber vorsätzlich verschwiegen wird. Man kann sich rasch an das anpassen, was die Mehrheit in der Gruppe der Gleichaltrigen in Schule oder Clique für richtig hält. Was die Leute in Deiner Klasse da tönen, entspricht einer Einstellung des Mainstreams, nach der man sich in Sachen Sex spätestens ab 14 ähnlich zu bedienen hat wie bei der Haartönung oder beim Inhalt des Schminkkoffers, nach dem Motto: ‚Das ist jetzt dran, man nehme…‘ Man tut nämlich so, als sei es für junge Menschen ausreichend, diese Dinge ‚wahlfrei‘ wie in einem Selbstbedienungsladen vor Euch auszubreiten und mit freundlich auffordernder Miene dazu zu sagen: ‚Schaut, dies alles könnt ihr haben, bedient euch, zögert nicht, probiert aus, was euch schmeckt.‘“
Verhütung und Gesundheit
Es ist keineswegs „reaktionär“, seine Kinder darauf hinzuweisen, daß Enthaltsamkeit der beste „Schutz“ vor Schwangerschaften, AIDS oder Geschlechtskrankheiten ist. Daß allzu früher regelmäßiger Geschlechtsverkehr später üble gesundheitliche Folgen haben kann. Daß die frühe Einnahme der Pille zu sinkender Fruchtbarkeit führt. Aufklärung dieser Art kommt heute in den einschlägigen Broschüren so gut wie gar nicht vor. Das aber ist unfair. Auf jeder Schachtel eines Medikaments müssen heute die möglichen Nebenwirkungen stehen; jeder Operateur hat mögliche Folgen seiner Operation mitzuteilen; aber auf dem Sektor Sexualität werden die Statistiken der Fachleute heruntergespielt. Und warum? „Um Euch über die Wahrheit zu täuschen! (…) In der Praxis bei mir sieht das ganz anders aus. Fast alle werden geplagt mit Angst vor einer Schwangerschaft, und das mit Recht, wird ,safer sex‘ doch niemals wirklich zu ,safe sex‘! Ja, da kommen dann die schlaflosen Nächte, die Unfähigkeit, sich in der Schule zu konzentrieren, nicht etwa vor lauter Verliebtheit, sondern über mindestens 14 Tage mit der bohrenden Frage: ‚Wenn nun aber doch… – was dann?‘“ fährt Christa Meves fort.
Vor allem ist es empfehlenswert, mit Kindern in ruhiger Atmosphäre ausführlich zu reden, über Liebe und Sexualität, über Personsein und Miteinanderschlafen, über Unreife und Fortpflanzung, über Enthaltsamkeit und Trieb, über Versuchung, Verfehlung und Neubeginn, über elterliche Verantwortung gegenüber Gott und der Gesellschaft, über die Menschenkenntnis der Kirche und die Klugheit der christlichen Morallehre zu sprechen. Über die Vorbildfunktion, die sie für die jüngeren Geschwister besitzen, und über Grundsätze und eine „Hausordnung“, die es in jeder Familiengemeinschaft geben muß. Themen, die hier nicht detailliert behandelt werden können, die aber KOMMA immer wieder ausführlich durchleuchtet hat.
Es ist wichtig, den Kindern klarzumachen, daß sie permanent manipuliert werden: daß der Geschlechtsverkehr eben nicht das Sahnehäubchen der Freundschaft ist. Man sollte Kinder, die bislang im christlichen Glauben erzogen worden sind, neu daran erinnern, welchen Weg sie eingeschlagen und in der Firmung bestätigt haben, was die Kirche lehrt und was Geschlechtsverkehr, Empfängnisverhütung und Ehe bedeuten.

ISBN 978-3-86268-972-9
Engelsdorfer Verlag
Sicher können solche Gespräche helfen, ein Klima des Vertrauens zwischen Eltern und Kindern zu schaffen, Verständnis bei den Kindern für die Position der Eltern zu wecken und die Einsicht zu fördern, daß es eben nicht um „Kontrolle“ und „Verbieten von allem, was Spaß macht“ geht, sondern um Verantwortung, Sorge und Hilfe seitens ihrer Eltern. Daß es für Eltern sehr viel einfacher wäre, alles zu erlauben, anstatt zu argumentieren, zu ringen, ja und notfalls zu verbieten. Auch wenn ihre jugendlichen Kinder trotzdem weiter opponieren, Türen schlagen und den Eindruck erwecken, partout nichts einsehen zu wollen. Viele von ihnen spüren und fühlen sehr wohl, wieviel sie ihren Eltern bedeuten, daß sie ihnen nicht gleichgültig sind – weil diese eben nicht alles abnicken.
Und andererseits? Selbstverständlich sind elterliche Autorität, Verbot und Strenge wichtige Bestandteile der Erziehung. Doch sollten Eltern nicht vergessen, daß gerade im Bereich der Sexualität Verbot und Strenge weitere Neugier schaffen und für zusätzlichen Prickel sorgen können. Wie sie im Alter ihrer Kinder hiermit selbst umgegangen sind – und was für sie elterliche Verbote bedeuteten. Daß Verbote allein die Jugendlichen „klein machen“, doch daß es Ziel sein sollte, sie im Gespräch aufzubauen, sie stark und so „groß zu machen“, daß sie den vorsichtigen Umgang mit Sexualität als eigene Entscheidung empfinden – und nicht als bloßes „Gehorchen“.
Verantwortung vor Gott und dem Gesetz
Eltern sollten ihren Kindern klarmachen, daß sie die Verantwortung für sie, für ihre Erziehung, für ihre Bildung tragen. Vor dem Gesetz – und vor allem vor Gott. Das haben sie bei der Taufe versprochen. Sie haben vor Gott geschworen, alles zu tun, um ihre Kinder zu guten und gottgläubigen Christen zu erziehen. Deshalb müssen sie einfach so manches verbieten, was ihnen für deren Entwicklung gefährlich erscheint. All das sollten Eltern ihren pubertierenden Kindern erklären. Auch, daß sie großes Vertrauen zu ihnen haben. Daß das aber nicht ausschließt, daß es Regeln gibt, daß es Grenzen geben muß. Denn Jugendliche sind nun einmal in einem Alter, in dem sie, trotz aller eigenen Prinzipien und trotz des Willens zum Gehorsam, gerade in der Clique verdammt anfällig für eigenartige Ideen sind. Und wenn Eltern bestimmte Dinge nicht erlauben, dann nicht, weil sie nicht vertrauen oder den Spaß nicht gönnen möchten, sondern weil sie ihre Kinder vor bestimmten Gefahren, die sie einfach noch nicht immer erkennen können, schützen möchten.
Dann ist da die Sache mit „Jugendzeitschriften“, Fernsehmagazinen oder Filmen gegen die Eltern was haben. Auch hier geht es um klare Worte gegenüber den Kindern: daß es auf dem Medienmarkt Dreck, echten Dreck gibt – ganz gleich, wie viele der Altersgenossen ihn konsumieren dürfen. Daß Eltern vor diesem Dreck aber nicht nur ihre Kinder, sondern auch sich selbst schützen wollen. Denn für Erwachsene gibt es ähnliches. Was würden Kinder wohl sagen, wenn Eltern zu Hause den „Playboy“ lesen würden? Wenn sie abends ins Wohnzimmer kämen, und Mama und Papa sich bei einem blutigen Horror- oder einem Sexfilm amüsierten?
Kirchgang und Gebet
Dann ist da der Kirchgang, Gebete und alles, was mit dem Glauben an Gott, mit der Liebe zur Kirche und mit dem Leben eines „normalen“ Christen zusammenhängt. Reine Gebote nutzen wenig, klare Worte viel. Daß Kinder nicht für ihre Eltern in die Kirche gehen müßten. Daß Eltern Kindern nur einen Weg weisen möchten, von dem sie überzeugt sind, daß es der richtige auch für die Kinder ist. Daß die Kinder alt genug seien, um für sich selbst zu entscheiden, was ihre Ziele sind, was ihrem Leben Sinn geben soll. Ihnen klipp und klar machen: Es gibt Menschen, für die ist Geld, Erfolg, Aussehen, Freizeit oder anderes die bestimmende Maxime im Leben. Alles schöne, erstrebenswerte und attraktive Dinge. Entscheidend aber, so banal das klingen mag, ist und bleibt: Wer ist der „Chef“ in ihrem Leben? Selbstverständlich können Jugendliche mit dem Kirchgang und jeder religiösen Praxis Schluß machen. Dann aber müssen sie, und diese Konsequenz müssen Eltern ihnen beibringen, ihm das auch offen ins Gesicht sagen. Ein „bißchen Gott“, da, wo es gerade mal paßt, das klappt nicht.
Eines aber ist ebenso klar: Eltern sind nicht immer die besten Vorbilder, selbst wenn sie sich mühen. „Seid vorsichtig im Straßenverkehr!“ Sind sie es immer? „Lest doch mehr!“ Und dabei schauen sie oft genug abends fern. „Was soll das denn mit diesen SMS-Infos, die ihr euch immer über Handy schicken müßt. Ihr seht euch doch morgen eh’.“ Und wenig später rufen sie über Handy ihren Freund Fred an, um mit ihm zu flachsen.
Auf jeden Fall sollten Eltern möglichst gelassen mit der Sturm-und-Drang-Phase ihrer Kinder umgehen, so schwer das auch im Einzelfall sein kann. Natürlich heißt Gelassenheit nicht, keine klaren Positionen zu beziehen, sondern nicht in Panik zu geraten. Es wäre sicher nicht wünschenswert, daß die 17jährige Tochter schwanger wird. Aber wäre eine heimliche Abtreibung nicht die viel größere Katastrophe? Die Geburt eines Kindes könnte gemeistert werden, selbst wenn die „Umstände“ nicht passen. Voraussetzung ist, daß das Vertrauensverhältnis zwischen den Eltern und der jungen Mutter stimmt und daß sich alle gemeinsam der schwierigen Herausforderung stellen.

Perioden der Strafrechtsreform und was davon geblieben ist


Überblickt man die Perioden der Strafrechtsreform und der Diskussionen um ein “modernes Strafrecht”, zeigt sich, dass entsprechende Bestrebungen in der Zeit der NS-Diktatur gleichsam verschüttet wurden. Erst in den frühen Nachkriegsjahren zeigten sich Ansätze, frühere Modelle wieder aufzugreifen.
Rechtliche Entfaltungsprozesse konnten sich in dieser Zeit am Grundgesetz von 1949 orientieren, das gewissermaßen ein wertbezogenes Gerüst im Lichte von Menschenwürde und sozialem Rechtsstaat für Reformen auch im Strafrecht bot. Als Zeichen eines neuen Menschenbildes wurde 1949 die Todesstrafe unmittelbar durch das Grundgesetz aufgehoben.
Im sozial gestaltenden Sinne war es wieder das 1953 reformierte Jugendstrafecht, das mit Weisungen und sogenannten Zuchtmitteln Sanktionsinstrumente zur Verfügung stellte, die Alternativen zur Jugendstrafe systematisch in den Vordergrund rückten. Zeitgleich wurde im Bereich des Erwachsenenstrafrechts erstmals eine gesetzliche Regelung für die Strafaussetzung zur Bewährung getroffen. Wenn damit auch nur Freiheitsstrafen bis zu neun Monaten zur Bewährung ausgesetzt werden konnten, betraf das im Jahr 1954 immerhin bereits gut 30 Prozent aller Freiheitsstrafen.
Einen Höhepunkt erlebte die “soziale Strafrechtspflege” in einer recht kurzen Periode ab den späten 1960er Jahren. Dies war nicht nur die Phase der sogenannten Großen Strafrechtsreform (von 1969 bis 1975), sondern auch der Zeitrahmen für die erste Verrechtlichung des Strafvollzuges; das diesen regelnde Gesetz trat 1977 in Kraft.
Im Zuge der Großen Strafrechtsreform erhielt das Strafgesetzbuch im Wesentlichen seine auch heute noch gültige Struktur. Es sieht seitdem unter anderem die Möglichkeit vor, eine Freiheitsstrafe bis zu einer zweijährigen Dauer schon mit dem Urteil auszusetzen. Das Strafvollzugsgesetz (StVollzG) war Resultat eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts, demzufolge erhebliche staatliche Grundrechtseingriffe einer gesetzlichen Legitimation bedürfen.
Eine der wesentlichen vollzugsrelevanten Neuerungen war die Einführung der einheitlichen Freiheitsstrafe, die also nicht mehr je nach Art der Vollzugsstätte in Zuchthaus, Gefängnis, Einschließung oder Haft unterschieden wurde. Der Gesetzgeber richtete den Strafvollzug am Ziel der Resozialisierung aus, in dessen Rahmen der “Gefangene fähig werden (soll), künftig in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen” (§ 2 Abs. 1 S. 1 StVollzG).
Resozialisierung in diesem Sinne meint freilich mehr als ein Behandlungsziel. Vielmehr hat sich die gesamte Vollzugsorganisation und -tätigkeit am Resozialisierungsgedanken auszurichten. Die Freiheitsstrafe wurde dabei gewissermaßen als “soziale Sonderbelastung” für den Gefangenen verstanden, der bestimmte Gestaltungsstandards entgegenwirken sollten (zum Beispiel der Angleichungsgrundsatz in § 3 Abs. 1 StVollzG, der das Gefälle zwischen Strafvollzug und Alltag in Freiheit reduzieren soll).
Regelungen zum offenen Vollzug und zu Vollzugslockerungen (vgl. §§ 10,11,141 StVollzG) sind ebenfalls bedeutsam für die Vorbereitung auf ein Leben in Freiheit. Die Entwicklungen standen in einem Zeitgeist der “sozialstaatlichen Blüte” nicht nur im Strafrecht, sondern bei sozialen Gestaltungsprozessen insgesamt.
Das heutige Strafrecht enthält vieles von den zuvor entwickelten Ansätzen und Ideen. Es ist im Wesentlichen ein Strafrecht im Streit zwischen rechtsstaatlicher Grenzziehung, sozialstaatlicher Resozialisierung und gesellschaftlicher Selbstverteidigung. Dieses Strafrecht ist kaum ohne innere Brüche zu interpretieren bzw. es offenbart sich recht schnell als Kompromiss mit inneren Spannungen.
Das geltende Strafrecht hat seit den 1990er Jahren beispielsweise den Täter-Opfer-Ausgleich als Sanktion zur nachhaltigen Konfliktschlichtung hervorgebracht. Beschleunigt wurde diese Alternatividee durch das 1990 reformierte Jugendstrafrecht, das seinerseits neue – sogenannte ambulante – Sanktionen (wie etwa den sozialen Trainingskurs) regelte.
Eingebettet sind diese Haftvermeidungsmodelle in eine Strömung der sogenannten Diversion. Mit diesem Begriff wird ein “Umlenken” der Strafverfolgung in weniger förmliche Abläufe bezeichnet. In der Praxis geht es um die Verfahrenseinstellung von weniger erheblichen Verstößen gegen Auflagen und Weisungen mit dem Ziel, Justiz und Beschuldigte gleichermaßen zu entlasten. Im Jugendstrafrecht werden heute etwa 70 Prozent aller Strafverfahren auf diesem Wege eingestellt, ohne dass es einer vorherigen Gerichtsverhandlung bedurft hätte. Im Erwachsenenstrafrecht gilt das etwa für die Hälfte aller Verfahren.
Neben diesen Strömungen, die eher auf eine Verringerung von Strafschärfe abzielen, gab es seit den 1990er Jahren zahlreiche Reformen, die in vielen Bereichen zu einer Verschärfung der Sanktionen geführt haben. Dies betrifft insbesondere verschiedene Änderungen des Rechts der Sicherungsverwahrung, die seit 1998 zu verzeichnen sind.
Seit 2008 gab es diese Sanktion in ihrer Variante als nachträgliche Sicherungsverwahrung gemäß § 7 Abs. 2 JGG unter bestimmten Voraussetzungen sogar für Jugendliche. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat in seiner Entscheidung vom 9. März 2010 die Regelungen zur nachträglichen Sicherungsverwahrung allerdings für unvereinbar mit europäischem Recht erklärt. Diese Entscheidung hat den deutschen Gesetzgeber vor erhebliche Probleme gestellt, die nunmehr eine umfassende Reform des Rechts der nachträglichen Sicherungsverwahrung erforderlich machen.
Mit den bereits erfolgten Reformen ist auch die Entwicklung von Sanktionsinstrumenten einhergegangen, die nicht zuletzt technischen Innovationen geschuldet sind, wie etwa die elektronische Überwachung von gefährlichen Straftätern.
Dem in den erwähnten Reformen verkörperten Sicherungsgedanken wiederum gegenläufig gibt es seit 2008 in allen Bundesländern eigene Jugendstrafvollzugsgesetze, die den Gedanken der Resozialisierung junger Häftlinge wieder stärker in den Vordergrund stellen. Entlassungsvorbereitungen, die bereits in die anfängliche Vollzugsplanung eingebunden sind, Formen des Wohngruppenvollzugs innerhalb der Anstalt oder darüber hinausgehende Möglichkeiten eines Vollzugs in freien Formen – zumeist in Einrichtungen der Jugendhilfe – sind nur einzelne Beispiele für Gestaltungsmöglichkeiten, die den Reifungsprozess von Jugendlichen respektieren.
Freilich musste auch hier wieder das Bundesverfassungsgericht mit seiner Entscheidung vom 31. Mai 2006, in der es ein eigenständiges Jugendstrafvollzugsgesetz anmahnte, den Geburtshelfer für eine gleichermaßen rechts- wie sozialstaatliche Notwendigkeit spielen. Seine Forderung versah das Gericht überdies mit einer Art Zukunftsklausel, indem es den Gesetzgeber aufforderte, die Wirkungen seiner Maßnahmen empirisch zu überprüfen und weiterzuentwickeln. Seit einigen Jahren liegen daher bundesweit Rückfallstatistiken vor, die danach fragen, ob die Verurteilten in einem bestimmten Beobachtungsraum nach einer strafrechtlichen Sanktion wieder rückfällig geworden sind.
Rückfallstatistik
Innerhalb eines Zeitraums von drei Jahren begehen erneut eine Straftat, Verurteilte, die zuvor folgende Sanktion erhalten haben:
Jugendstrafe ohne Bewährung ca. 69 %;
Jugendarrest ca. 64 %;
Jugendstrafe mit Bewährung ca. 62 %;
Freiheitsstrafe (für Erwachsene) ohne Bewährung ca. 48 %;
Freiheitsstrafe mit Bewährung ca. 38 %;
Geldstrafe ca. 28 %
Auszug aus der bundesweiten Rückfallstatistik “Legalbewährung nach strafrechtlichen Sanktionen von Jehle/Albrecht/Hohmann-Fricke/Tetal (Bundesministerium der Justiz, Hrsg.), Berlin 2010; Daten dort entnommen den Übersichten 4.1., S. 54 und 4.4., S. 61 (zum Jugendarrest.)

Gewalt im Vollzug, Tag täglich und ohne Schutz


Ein spezifisches Problem in den Vollzugseinrichtungen stellt der sexuelle aber auch der Psychische Gewalttätige Missbrauch von Mitgefangenen dar. Insoweit gehen nordamerikanische aber zwischenzeitlich auch Deutsche empirische Untersuchungen von einem Anteil von bis zu 25 % der Inhaftierten aus, die während der Haft mindestens einmal Opfer von sexueller Nötigung oder Vergewaltigung wie auch anderer schwerer Gewalt durch andere Gefangene wurden. Menschenrechtsorganisationen weisen darauf hin, dass insbesondere sexuelle bzw. sexualisierte Gewalt in Haftanstalten häufig aus Scham oder Angst vor Rache verschwiegen wird und deshalb eine hohe Dunkelziffer existiert.
Sexuelle Gewalt ist dabei in Strafvollzugseinrichtungen für Männer offenbar stärker verbreitet als in Frauenhäusern. Dennoch kommt es auch unter weiblichen Gefangenen zu sexuellen Übergriffen.
Damit weis eigentlich jeder Richter und jeder Staatsanwalt, dass ein Verurteilter mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 1:5 während der Haft Opfer von sexueller oder anderer schwerer Gewalt wird…

Erschreckendes Ergebnis einer Studie Jeder vierte Häftling in Deutschland wird innerhalb eines Monats Opfer von Gewalt. Das kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen hat für eine Studie zum Thema “Gewalt hinter Gittern” 6384 Häftlinge in mehreren Bundesländern anonym befragt. Die “Zeit” zitiert in ihrer aktuellen Ausgabe aus der Studie. Demnach gaben 25,7 % der Männer und 25,6 % der Frauen an, in den vier Wochen vor der Befragung Opfer von Gewalt im Gefängnis geworden zu sein. Bei Jugendlichen liegt der Anteil bei 49 %.
Die Gefangenen sprachen von körperlichen und sexuellen Übergriffen bis hin zu Vergewaltigungen in der Gemeinschaftsdusche. Besonders in Gemeinschaftszellen und auf unübersichtlichen Fluren und dunklen Ecken auf Höfen kommt es zu Übergriffen.
Die Hälfte der Opfer gab an, keine Anzeige erstattet zu haben. Jeder zweite Gefangene wurde schikaniert, erpresst oder von gemeinsamen Aktivitäten ausgeschlossen, mit Müll oder Exkrementen beworfen oder durch Lügen und Gerüchte verächtlich gemacht worden zu sein.

Sonntag, 26. August 2012

Es kommt noch was ^^


Vier Neuerscheinungen in 2012 das müsste doch genug sein??
Nein es kommt noch etwas, “versprochen” ^^
Zum Jahresende Erscheint “Im Dschungel der Justiz Band 4 Untergang oder Chance” Außerdem soll ja auch noch ein weiterer Band aus der Reihe Hilfe mein “Kind kommt in die Pubertät” folgen.
Es gibt also 2012 noch etwas Interessantes zu Entdecken und zu Erleben, “versprochen”
Infos gibt es hier –> die Facebook Seite
oder auch hier–> die Webseite

Christian Lukas-Altenburg Aktuelle Publikationen


Christian Lukas-Altenburg Aktuelle Publikationen

Christian Lukas-Altenburg (Autor)
Hilfe mein Kind kommt in die Pubertät Augen zu und durch

Christian Lukas-Altenburg, Martina Reuss: „Hilfe mein Kind kommt in die Pubertät: Augen zu und durch! Vom täglichen Überlebenskampf Eltern pubertierender Teenager“
ISBN 978-3-86268-972-9
Engelsdorfer Verlag
Taschenbuch,
**Vernachlässigung, häusliche Gewalt sexueller Missbrauch – es gibt viele Gründe, weshalb Kinder auf die schiefe Bahn geraten oder in ihrer Entwicklung schwerst beeinträchtigt werden. Christian Lukas-Altenburg legt in seinem Buch schonungslos die Ursachen hierfür offen und zeigt wie man Gescheiterten Existenzen helfen kann.
” eine Einschätzung des Eingangslektorat Literareon””**
Nun ist es soweit die angekündigte Trilogie ist da
Eine Gescheiterte Existenz. Band 1 das Verbogene Kind
Band 2 die Leiden der Kinder, Band 3 die Zukunft ist Ungewiss.

Im Dschungel der Justiz III [Taschenbuch]überall erhältlich, die Thematik Sicherungsverwahrung und Strafvollzug ist dabei eine offene Thematik, welche in der Öffentlichkeit zu gerne unter den Teppich gekehrt wird, um unangenehmen Fragen aus dem Weg zu gehen. Auch die Diskussion über Jugendgewalt und Jugendstrafe findet darin einen nicht unerheblichen Platz.
Fragen zum Inhalt der Bücher und zur Thematik selbst werden gerne auch in einer persönlichen Interaktion offen diskutiert. Haben Sie Interesse an einer Autorenlesung oder der Teilnahme des Autors an einer Themenorientierten Veranstaltung bei Ihnen? Sie können sich über das Büro des Autors gerne über mögliche Termine informieren und dort Kontakt zum Autor aufnehmen.
Kontakt:
Werner Reger
Tel:  0761-7695795
Fax: 0761-8962224
management@lukas-altenburg.de

Im Dschungel der Justiz Perioden der Strafrechtsreform


Überblickt man die Perioden der Strafrechtsreform und der Diskussionen um ein “modernes Strafrecht”, zeigt sich, dass entsprechende Bestrebungen in der Zeit der NS-Diktatur gleichsam verschüttet wurden. Erst in den frühen Nachkriegsjahren zeigten sich Ansätze, frühere Modelle wieder aufzugreifen.
Rechtliche Entfaltungsprozesse konnten sich in dieser Zeit am Grundgesetz von 1949 orientieren, das gewissermaßen ein wertbezogenes Gerüst im Lichte von Menschenwürde und sozialem Rechtsstaat für Reformen auch im Strafrecht bot. Als Zeichen eines neuen Menschenbildes wurde 1949 die Todesstrafe unmittelbar durch das Grundgesetz aufgehoben.
Im sozial gestaltenden Sinne war es wieder das 1953 reformierte Jugendstrafecht, das mit Weisungen und sogenannten Zuchtmitteln Sanktionsinstrumente zur Verfügung stellte, die Alternativen zur Jugendstrafe systematisch in den Vordergrund rückten. Zeitgleich wurde im Bereich des Erwachsenenstrafrechts erstmals eine gesetzliche Regelung für die Strafaussetzung zur Bewährung getroffen. Wenn damit auch nur Freiheitsstrafen bis zu neun Monaten zur Bewährung ausgesetzt werden konnten, betraf das im Jahr 1954 immerhin bereits gut 30 Prozent aller Freiheitsstrafen.
Einen Höhepunkt erlebte die “soziale Strafrechtspflege” in einer recht kurzen Periode ab den späten 1960er Jahren. Dies war nicht nur die Phase der sogenannten Großen Strafrechtsreform (von 1969 bis 1975), sondern auch der Zeitrahmen für die erste Verrechtlichung des Strafvollzuges; das diesen regelnde Gesetz trat 1977 in Kraft.
Im Zuge der Großen Strafrechtsreform erhielt das Strafgesetzbuch im Wesentlichen seine auch heute noch gültige Struktur. Es sieht seitdem unter anderem die Möglichkeit vor, eine Freiheitsstrafe bis zu einer zweijährigen Dauer schon mit dem Urteil auszusetzen. Das Strafvollzugsgesetz (StVollzG) war Resultat eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts, demzufolge erhebliche staatliche Grundrechtseingriffe einer gesetzlichen Legitimation bedürfen.
Eine der wesentlichen vollzugsrelevanten Neuerungen war die Einführung der einheitlichen Freiheitsstrafe, die also nicht mehr je nach Art der Vollzugsstätte in Zuchthaus, Gefängnis, Einschließung oder Haft unterschieden wurde. Der Gesetzgeber richtete den Strafvollzug am Ziel der Resozialisierung aus, in dessen Rahmen der “Gefangene fähig werden (soll), künftig in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen” (§ 2 Abs. 1 S. 1 StVollzG).
Resozialisierung in diesem Sinne meint freilich mehr als ein Behandlungsziel. Vielmehr hat sich die gesamte Vollzugsorganisation und -tätigkeit am Resozialisierungsgedanken auszurichten. Die Freiheitsstrafe wurde dabei gewissermaßen als “soziale Sonderbelastung” für den Gefangenen verstanden, der bestimmte Gestaltungsstandards entgegenwirken sollten (zum Beispiel der Angleichungsgrundsatz in § 3 Abs. 1 StVollzG, der das Gefälle zwischen Strafvollzug und Alltag in Freiheit reduzieren soll).
Regelungen zum offenen Vollzug und zu Vollzugslockerungen (vgl. §§ 10,11,141 StVollzG) sind ebenfalls bedeutsam für die Vorbereitung auf ein Leben in Freiheit. Die Entwicklungen standen in einem Zeitgeist der “sozialstaatlichen Blüte” nicht nur im Strafrecht, sondern bei sozialen Gestaltungsprozessen insgesamt.
Das heutige Strafrecht enthält vieles von den zuvor entwickelten Ansätzen und Ideen. Es ist im Wesentlichen ein Strafrecht im Streit zwischen rechtsstaatlicher Grenzziehung, sozialstaatlicher Resozialisierung und gesellschaftlicher Selbstverteidigung. Dieses Strafrecht ist kaum ohne innere Brüche zu interpretieren bzw. es offenbart sich recht schnell als Kompromiss mit inneren Spannungen.
Das geltende Strafrecht hat seit den 1990er Jahren beispielsweise den Täter-Opfer-Ausgleich als Sanktion zur nachhaltigen Konfliktschlichtung hervorgebracht. Beschleunigt wurde diese Alternatividee durch das 1990 reformierte Jugendstrafrecht, das seinerseits neue – sogenannte ambulante – Sanktionen (wie etwa den sozialen Trainingskurs) regelte.
Eingebettet sind diese Haftvermeidungsmodelle in eine Strömung der sogenannten Diversion. Mit diesem Begriff wird ein “Umlenken” der Strafverfolgung in weniger förmliche Abläufe bezeichnet. In der Praxis geht es um die Verfahrenseinstellung von weniger erheblichen Verstößen gegen Auflagen und Weisungen mit dem Ziel, Justiz und Beschuldigte gleichermaßen zu entlasten. Im Jugendstrafrecht werden heute etwa 70 Prozent aller Strafverfahren auf diesem Wege eingestellt, ohne dass es einer vorherigen Gerichtsverhandlung bedurft hätte. Im Erwachsenenstrafrecht gilt das etwa für die Hälfte aller Verfahren.
Neben diesen Strömungen, die eher auf eine Verringerung von Strafschärfe abzielen, gab es seit den 1990er Jahren zahlreiche Reformen, die in vielen Bereichen zu einer Verschärfung der Sanktionen geführt haben. Dies betrifft insbesondere verschiedene Änderungen des Rechts der Sicherungsverwahrung, die seit 1998 zu verzeichnen sind.
Seit 2008 gab es diese Sanktion in ihrer Variante als nachträgliche Sicherungsverwahrung gemäß § 7 Abs. 2 JGG unter bestimmten Voraussetzungen sogar für Jugendliche. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat in seiner Entscheidung vom 9. März 2010 die Regelungen zur nachträglichen Sicherungsverwahrung allerdings für unvereinbar mit europäischem Recht erklärt. Diese Entscheidung hat den deutschen Gesetzgeber vor erhebliche Probleme gestellt, die nunmehr eine umfassende Reform des Rechts der nachträglichen Sicherungsverwahrung erforderlich machen.
Mit den bereits erfolgten Reformen ist auch die Entwicklung von Sanktionsinstrumenten einhergegangen, die nicht zuletzt technischen Innovationen geschuldet sind, wie etwa die elektronische Überwachung von gefährlichen Straftätern.
Dem in den erwähnten Reformen verkörperten Sicherungsgedanken wiederum gegenläufig gibt es seit 2008 in allen Bundesländern eigene Jugendstrafvollzugsgesetze, die den Gedanken der Resozialisierung junger Häftlinge wieder stärker in den Vordergrund stellen. Entlassungsvorbereitungen, die bereits in die anfängliche Vollzugsplanung eingebunden sind, Formen des Wohngruppenvollzugs innerhalb der Anstalt oder darüber hinausgehende Möglichkeiten eines Vollzugs in freien Formen – zumeist in Einrichtungen der Jugendhilfe – sind nur einzelne Beispiele für Gestaltungsmöglichkeiten, die den Reifungsprozess von Jugendlichen respektieren.
Freilich musste auch hier wieder das Bundesverfassungsgericht mit seiner Entscheidung vom 31. Mai 2006, in der es ein eigenständiges Jugendstrafvollzugsgesetz anmahnte, den Geburtshelfer für eine gleichermaßen rechts- wie sozialstaatliche Notwendigkeit spielen. Seine Forderung versah das Gericht überdies mit einer Art Zukunftsklausel, indem es den Gesetzgeber aufforderte, die Wirkungen seiner Maßnahmen empirisch zu überprüfen und weiterzuentwickeln. Seit einigen Jahren liegen daher bundesweit Rückfallstatistiken vor, die danach fragen, ob die Verurteilten in einem bestimmten Beobachtungsraum nach einer strafrechtlichen Sanktion wieder rückfällig geworden sind.
Rückfallstatistik
Innerhalb eines Zeitraums von drei Jahren begehen erneut eine Straftat, Verurteilte, die zuvor folgende Sanktion erhalten haben:
Jugendstrafe ohne Bewährung ca. 69 %;
Jugendarrest ca. 64 %;
Jugendstrafe mit Bewährung ca. 62 %;
Freiheitsstrafe (für Erwachsene) ohne Bewährung ca. 48 %;
Freiheitsstrafe mit Bewährung ca. 38 %;
Geldstrafe ca. 28 %
Auszug aus der bundesweiten Rückfallstatistik “Legalbewährung nach strafrechtlichen Sanktionen von Jehle/Albrecht/Hohmann-Fricke/Tetal (Bundesministerium der Justiz, Hrsg.), Berlin 2010; Daten dort entnommen den Übersichten 4.1., S. 54 und 4.4., S. 61 (zum Jugendarrest.)

Samstag, 25. August 2012



**Vernachlässigung, häusliche Gewalt sexueller Missbrauch – es gibt viele Gründe, weshalb Kinder auf die schiefe Bahn geraten oder in ihrer Entwicklung schwerst beeinträchtigt werden. Christian Lukas-Altenburg legt in seinem Buch schonungslos die Ursachen hierfür offen und zeigt wie man Gescheiterten Existenzen helfen kann.
Eine Gescheiterte Existenz das Verbogene Kind
ISBN: 978-84-9015-688-9 Taschenbuch
Eine Gescheiterte Existenz das Leiden der Kinder
ISBN: 978-84-9015-689-6 Taschenbuch
Eine Gescheiterte Existenz die Zukunft ist Ungewiss
ISBN: 978-84-9015-690-2 Taschenbuch
untited p.c. Verlag Neckenmarkt Österreich

Christian Lukas-Altenburg, Martina Reuss: „Hilfe mein Kind kommt in die Pubertät: Augen zu und durch! Vom täglichen Überlebenskampf Eltern pubertierender Teenager“
ISBN 978-3-86268-972-9
Engelsdorfer Verlag
Taschenbuch,

die Thematik Sicherungsverwahrung und Strafvollzug ist dabei eine offene Thematik, welche in der Öffentlichkeit zu gerne unter den Teppich gekehrt wird, um unangenehmen Fragen aus dem Weg zu gehen. Auch die Diskussion über Jugendgewalt und Jugendstrafe findet darin einen nicht unerheblichen
ISBN: 9783862159642 Taschenbuch
Deutsche Literaturgesellschaft Berlin
Vier Neuerscheinungen in 2012 das müsste doch genug sein??
Nein es kommt noch etwas, “versprochen” ^^
Zum Jahresende Erscheint “Im Dschungel der Justiz Band 4 Untergang oder Chance” Außerdem soll ja auch noch ein weiterer Band aus der Reihe Hilfe mein “Kind kommt in die Pubertät” folgen.
Es gibt also 2012 noch etwas Interessantes zu Entdecken und zu Erleben, “versprochen”
Infos gibt es hier –> die Facebook Seite
oder auch hier–>die Webseite

Respekt ? was ist das überhaupt ?  Respektlos erscheint so manches mal Handeln und das daraus resultierende Unterlassen, nicht nur Kinder s...