Mittwoch, 24. August 2011

Prävention der Kinder- und Jugendkriminalität


Die Frage, wie mit dem Problem „Kinderdelinquenz und Jugendkriminalität“ sinnvoll umgegangen werden kann, wird unter Fachleuten heutzutage nahezu einhellig beantwortet: mehr Prävention wird gefordert. So hat sich in den letzten eineinhalb Jahrzehnten in Deutschland eine vielfältige kriminalpräventive Praxis entwickelt und nahezu überall werden unter diesem Label Projekte und Programme mit viel Engagement initiiert und durchgeführt. Nach dieser ersten Phase in gleichsam euphorischer Gründerstimmung beginnt nun eine Phase verstärkter Reflexion.



Öffentliche Debatten über Kinderdelinquenz und Jugendkriminalität knüpfen in Deutschland, wie in anderen Ländern auch, meist an zwei Typen von Ereignissen an: zum einem an der Präsentation von Daten aus der Polizeilichen Kriminalstatistik, zum anderen an einzelnen dramatischen Vorfällen, die große
Publizität erzeugen. Erinnert sei z.B. nur an den jungen Münchener Türken „Mehmet“, der schließlich in sein „Herkunftsland“ abgeschoben wurde, an die im Gefolge von Einzelfällen geführte Debatte um Erlebnispädagogik im Ausland und schließlich an die Ereignisse am Erfurter Gutenberg-Gymnasium, an dem ein ehemaliger Schüler erst 16 Menschen und dann sich selbst tötete. Nicht immer kühlte die Debatte rasch ab und befasste sich mit den strukturell wichtigen Fragen, manchmal folgten unsinnige Vorschläge oder Aktionismus wurde betrieben. Populistische Forderungen nach Absenkung des Strafmündigkeitsalters oder geschlossener Unterbringung kamen immer wieder auf, fanden aber (fast immer)1 keine politischen Mehrheiten und erst recht keine fachliche Unterstützung.



Im anfangs wenig strukturierten Feld der Kriminalitätsprävention hat sich in den letzten Jahren schrittweise eine Institutionalisierung vollzogen: Kriminalpräventive Räte sind in vielen Kommunen und Bundesländern nicht mehr weg zu denken, und auf der nationalen Ebene ist mit dem „Deutschen Forum für Kriminalprävention“ (DFK) ein zentrales Gremium entstanden.



Die Stiftung DFK hat die Aufgabe eine nationale Service- und Informationsstelle für die deutsche, europäische und internationale Zusammenarbeit zu bilden. Es soll zur Optimierung der gesamtgesellschaftlichen Kriminalprävention beitragen.2 Gerade in Anbetracht der neuen Entwicklungen in einem zusammenwachsenden Europa ist auf nationaler Ebene eine zentrale Institution zum Transfer von Erfahrungen und Informationen in beide Richtungen notwendig: von der europäischen in die nationalen und lokalen Diskussionen und umgekehrt. Die Institutionalisierung
ist auch ein Zeichen dafür, dass sich „Prävention“ etabliert hat und prinzipiell nicht mehr in Frage gestellt wird – auch wenn es kritische Stimmen gibt und begriffliche Probleme nicht geleugnet werden sollen.



Seit mehr als einem Jahrzehnt hat sich in der Kriminalitätsprävention
eine Tendenz zur Sammlung von Daten und Projekten durchgesetzt, die häufig nebeneinander und unkoordiniert stattfindet. Ohne dass es für die Nutzer erkennbar war, sind Projekte unterschiedlicher Qualität nebeneinander gestellt worden, in den Daten selbst mangelt es an Orientierung und Übersichtlichkeit.
Die Arbeitsstelle Kinder- und Jugendkriminalitätsprävention am Deutschen Jugendinstitut hat deshalb bewusst auf weitere „Gelbe Seiten“ der Kriminalitätsprävention verzichtet, und statt Dutzender ähnlicher Projekte lieber Strategien und Ansätze recherchiert und dokumentiert.
Kriminalitätsprävention bewegt sich im Spannungsfeld von Jugendhilfe, Justiz, Polizei und weiteren Institutionen. Positive Besonderheit der Kriminalitätsprävention war, dass die in Deutschland vielfach übliche Abschottung unterschiedlicher Akteure mit ähnlichen oder gleichen Zielsetzungen relativ rasch überwunden wurde. Sicher, nicht immer geht dies reibungslos vonstatten. Aber selbst die über Jahrzehnte eher mit großem
Abstand zueinander agierenden Organisationen Jugendhilfe und Polizei haben diese Distanz überwinden können. Langsam haben sie zunächst gelernt, wofür der jeweils andere zuständig ist und wofür nicht. Schließlich hat sich aus einem tolerierten Nebeneinander ein zaghaftes Miteinander entwickelt. Als ein
beispielhaftes Projekt sei hier das Haus des Jugendrechts in Stuttgart genannt. Aber auch zahlreiche andere Projekte nutzen die Verbesserung der Kooperation der beteiligten Institutionen im Interesse der Kinder und Jugendlichen.







Freitag, 12. August 2011

Erkenntnisse jugendkriminologischer Forschung






Neuere kriminologische Forschungen haben erwiesen, dass Kriminalität im Jugendalter meist nicht Indiz für ein erzieherisches Defizit ist, sondern überwiegend als entwicklungsbedingte Auffälligkeit mit dem Eintritt in das Erwachsenenalter abklingt und sich nicht wiederholt. Eine förmliche Verurteilung Jugendlicher ist daher in weitaus weniger Fällen geboten, als es der Gesetzgeber von 1953 noch für erforderlich erachtete.

Untersuchungen zu der Frage, inwieweit der Verzicht auf eine formelle Sanktion zugunsten einer informellen Erledigung kriminalpolitisch von Bedeutung ist, haben - jedenfalls für den Bereich der leichten und mittleren Jugenddelinquenz - zu der Erkenntnis geführt, daß informellen Erledigungen als kostengünstigeren, schnelleren und humaneren Möglichkeiten der Bewältigung von Jugenddelinquenz auch kriminalpolitisch im Hinblick auf Prävention und Rückfallvermeidung höhere Effizienz zukommt.


Es hat sich weiterhin gezeigt, daß die in der Praxis vielfältig erprobten neuen ambulanten Maßnahmen (Betreuungsweisung, sozialer Trainingskurs, Täter-Opfer-Ausgleich) die traditionellen Sanktionen (Geldbuße, Jugendarrest, Jugendstrafe) weitgehend ersetzen können, ohne daß sich damit die Rückfallgefahr erhöht.Schließlich ist seit langem bekannt, daß die stationären Sanktionen des Jugendstrafrechts (Jugendarrest und Jugendstrafe) sowie die Untersuchungshaft schädliche Nebenwirkungen für die jugendliche Entwicklung haben können."



Mit diesen eher dürren Sätzen umschrieb der Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Änderung des Jugendgerichtsgesetzes vom 27. November 1989 die Zielsetzung des Gesetzgebungsvorhabens. Hinter ihnen verbergen sich die auch heute noch unter Fachleuten weitgehend unumstrittenen Einsichten vieler praktischer Erfahrungen und wissenschaftlicher Forschung zur Jugendkriminalität, nicht nur der Kriminologie, sondern auch anderer am Jugendstrafverfahren beteiligter Disziplinen wie der Pädagogik, der Psychologie, der Soziologie, um nur einige zu nennen.


Die wichtigsten Erkenntnisse will ich noch einmal herausstellen:



.    Ubiquität von Jugendkriminalität:


Kriminologische Forschungen insbesondere zum Dunkelfeld haben die auch heute noch  unbestrittene Erkenntnis gebracht, dass Kriminalität im leichten und mittleren Schwerebereich eine im Jugendalter weitverbreitete Erscheinung ist. „Alle klauen und prügeln!“ - könnte man den kriminologischen Begriff der Ubiquität volkstümlich übersetzen. Für viele ist das nichts Neues, erinnern sie
sich doch, wenn sie aufrichtig zu sich selbst sind, an ihre eigene Jugend und an ihre damaligen Aktivitäten. Und wenn man mit den Menschen darüber spricht, geben sie schnell entsprechendes Verhalten zu. 



Diese Erkenntnis ist übrigens sehr alt. Historische und aktuelle Belege finden sie in der Literatur zuhauf, von den großen Philosophen des alten Griechenlands, etwa von Sokrates, bis hin zu aktuellen Fundstellen moderner Literatur, etwa in Nick Hornbys, neuerdings verfilmten,  Roman „About a boy“ . 



Den nach meiner Meinung schönsten Beleg, wie könnte es anders
sein, natürlich von William Shakespeare, der einen alten Schäfer
klagen läßt, will ich Ihnen nicht vorenthalten:


„I would, there were no age between ten and three-andtwenty, or that youth would sleep out the rest: for there is nothing in
the between but getting wenches with child, wronging the ancientry,
stealing, fighting.“ 


zu deutsch:
Ich wollte es gäbe gar kein Alter zwischen zehn und dreiundzwanzig oder die jungen Leute verschliefen die ganze Zeit: Denn dazwischen ist nichts als den Mädchen Kinder machen, die Alten ärgern, stehen und balgen!
Allerdings sind erst nach der wissenschaftlichen Bestätigung neuester Zeit die für das Jugendstrafrecht geradezu systemsprengenden Schlussfolgerungen aus dieser alten Weisheit gezogen worden: Jugendkriminalität ist nicht Symptom von Erziehungsdefiziten, sondern verbreitetes, entwicklungsbedingtes
Phänomen bei jungen Menschen, die beim Hineinwachsen in die rechtlichen und sozialen Rahmenbedingungen unserer Gesellschaft erst lernen müssen, wie sie sich zu verhalten haben, die die Grenzen ihres Verhalten erst austesten müssen, um sie zu begreifen, und deren Reifungsprozess solches „Soziales Training“ erfordert. Sozialisation eines jungen Menschen in einer Gesllschaft,



erst recht in unserer komplexen modernen Gesellschaft ist ohne jugendliche Delinquenz, ohne Straftaten nicht denkbar. Der Verstoß gegen gesellschaftliche Normen, also auch gegen Strafgesetze,  ist statistisch gesehen ein normales Phänomen und  die – so merkwürdig es klingt – diejenigen, die  ohne jede Straftat aufwachen, sind in diesem Sinne nicht normal!
Noch 1953 bei der Erneuerung des Jugendgerichtsgesetzes nach den Deformierungen durch den NS-Staat war der bundesrepublikanische Gesetzgeber der Meinung – nachzulesen in den Begründungen des Gesetzes – dass jugendliche „Verfehlungen“, wie es ja bis heute heißt, Auswirkungen
erzieherischer Defizite seien, denen man durch erzieherische und strafende Maßnahmen begegnen müsse; dazu gehöre auch  die Freiheitsentziehung; diese sei zwar ein notwendiges Übel, wirke sich aber als erzieherische Wohltat aus.  Noch heutzutage gehen alltagstheoretische Überzeugungen in der
Bevölkerung und selbst bei Kriminalpolitikern oder solchen, die sich dafür halten,  immer noch davon aus, dass Jugenddelinquenz Ausdruck eines Entwicklungsdefizits  und als solches zu ahndensei! 
Ein schwerer kriminalpolitischer Fehler, wie wir inzwischen zuverlässig wissen – und zwar in zweifacher Hinsicht: einmal in unserem Kontext vom ubiquitären Charakter der Jugendkriminalität, der in den überwiegenden Fällen gerade keine Maßnahme im strafrechtlichen Sinne erfordert, sondern allenfalls

Normverdeutlichung, durch wen auch immer, und Verantwortungsübernahme durch den Delinquenten gegenüber dem Geschädigten oder dem Opfer. 
Und zum zweiten hinsichtlich der kriminologischen Erkenntnis, dass Ahndung bei leichter und mittelschwerer Kriminalität eher zur Rückfälligkeit führt als das Absehen von der Verfolgung oder die Einstellung des Verfahrens (doch davon später unter dem Stichwort „Diversion“).














Montag, 1. August 2011

Jugend Gewalt hat seine Ursachen..

Derzeit wird intensiv diskutiert, wie man mit jungen Gewalttätern umgehen sollte. Soll man sie härter bestrafen, in Erziehungscamps stecken, mit einem Warn-Arrest schrecken oder ausweisen, wenn sie aus einer Migrantenfamilie kommen? Oder bringt das alles womöglich wenig, weil – wenn sie erst einmal zu "Intensivtätern" geworden sind – ohnehin alles zu spät ist? Aus dem Blick gerät dabei, dass Gewalt immer Ursachen hat. Und auf viele von ihnen haben wir sehr wohl Einfluss, zumindest weitaus mehr als auf Zwanzigjährige mit langer krimineller Biografie.



Ist Gewalt ein Teil der jugendlichen Entwicklung?
Ja, sehr häufig, vor allem bei jungen Männern. Dabei geht es meist darum, bewusst Normen der Erwachsenen zu brechen, sich abzugrenzen, zu emanzipieren; aber auch darum, erwachsenes Verhalten zu antizipieren, wie Psychologen sagen. Jugendliche wollen erwachsen wirken, wozu auch gehören kann, ein Auto zu fahren, wenn man erst 16 ist und es einem nicht gehört. Umfragen zeigen, dass 90 Prozent aller männlichen Jugendlichen mindestens eine Straftat begangen haben. Die Phase beginnt im Alter von zehn bis vierzehn Jahren, erreicht den Höhepunkt bei 17- bis 18-Jährigen und nimmt ab 20 wieder ab. Allerdings kann sie länger dauern, zum Beispiel wenn die Betroffenen kein festes soziales Umfeld und keine Perspektive haben wie einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz, und/oder wenn sie viel trinken.
War das schon immer so?
Ja, aber früher war einerseits die Brutalität geringer, andererseits wurde ein größerer Teil dieses Verhaltens als jugendtypisch akzeptiert als heute. Sogenannte Dunkelfeldstudien belegen, dass die Toleranz solchen Verhaltens von Eltern, Erziehern und Beobachtern geringer geworden ist und diese entsprechende Taten schneller anzeigen als früher. Ohne diesen Effekt würden die Zahlen bei der Jugendkriminalität wahrscheinlich noch stärker sinken als sie es sowieso schon tun.
Gibt es noch andere Formen jugendlicher Gewalt?
Neben diesen „klassischen“ jugendlichen, vorübergehenden Gewalttätern gibt es auch noch einen zweiten Typus, man könnte ihn Frühstarter nennen. Die Betroffenen fallen schon im Kindergarten und in der Grundschule auf, weil sie aggressiver als ihre Altersgenossen sind, schlagen, beißen oder schubsen. Eine Ursache dafür sind Defizite, beispielsweise in der Sprachentwicklung oder auch in der Reifung des Gehirns. Diese können dazu führen, dass sich die Kinder als Außenseiter erleben und viele Situationen als bedrohlich empfinden und aggressiv darauf reagieren. Hilflose Eltern, die selbst mit Aggressionen auf das Verhalten ihrer Kinder antworten, verschlimmern das Problem.
Werden Kinder, die von ihren Eltern geschlagen werden, selbst zu Schlägern?
Die Gefahr ist groß. Dabei zählt nicht nur, ob die Kinder selbst Prügel bekommen, sondern auch, ob sie sehen, dass die Eltern ihre Konflikte auf diese Art austragen. Sie sind einerseits Opfer, die sich als ohnmächtig erleben. Andererseits lernen sie modellhaft, Probleme ebenso gewaltsam zu lösen. Sie entwickeln dadurch grundsätzlich eine höhere Akzeptanz für Gewalt. Viele Studien belegen, dass Kinder, die Gewalt erfahren, selbst aggressiver sind. Außerdem machen sie früh die Erfahrung, dass sich mit Gewalt Forderungen durchsetzen lassen, dass sie also erfolgreich ist. Und sie verschafft ihnen Anerkennung – wenn auch in Form von Angst bei ihren Opfern. Der Wunsch, zu erniedrigen, ist bei jugendlichen Intensivtätern oft zu beobachten.
Gibt es Erziehungsstile, die Gewalt fördern?
Leider. In der Wissenschaft heißt diese Erziehung „inkonsistent“, das meint: ohne klare Normen. Heute darf das Kind fernsehen, morgen nicht, übermorgen bekommt es sogar Prügel, wenn es fernsehen will. Für Kinder ist nicht erkennbar, was richtig und was falsch ist, da die Eltern jedes Mal anders reagieren. Studien zeigen, dass dies einer der wichtigsten Faktoren für spätere Gewalttätigkeit ist. Wer keine Normen verinnerlicht, kann sie bei anderen Menschen nicht erkennen und das Verhalten anderer nicht vorausahnen und „sozial korrekt“ reagieren. Solche Kinder werden deswegen auch von Gleichaltrigen ausgegrenzt oder gar geschlagen. Außerdem können sie nicht das Gefühl entwickeln, Kontrolle über ihr Leben zu haben.
Fördern gesellschaftliche Entwicklungen die Gewalt?
Soziologen glauben das zumindest. Die zunehmende Individualisierung und Vereinzelung wird dafür verantwortlich gemacht. Je größer Menschen die Bedeutung des Einzelnen einschätzen und je geringer die der Gemeinschaft, desto schwächer werden die Bindungen und Beziehungen untereinander. Die aber sind es, die uns „halten“. Dabei ist es besonders wichtig, dass wir als Säuglinge und Kleinkinder sichere Bindungen erleben und Bezugspersonen haben. Als denkbar ungünstig gilt daher ein sehr strenger Erziehungsstil, der gleichzeitig aber von schwachen Bindungen zwischen Eltern und Kindern geprägt ist.
Spielt es eine Rolle, aus welchem Kulturkreis die Täter kommen?
Ja, aber in sehr viel geringerem Ausmaß, als Roland Koch und andere Unions-Politiker glauben machen wollen. Es gibt Unterschiede, die auf den ersten Blick auffällig erscheinen, beispielsweise zwischen türkischen und deutschen Familien. Allerdings ist ein anderer Faktor sehr viel wichtiger, nämlich die Bildung und die soziale Stellung. Werden die berücksichtigt, bleiben von den Unterschieden nur zwei Punkte übrig: türkische Eltern fordern sehr viel mehr sichtbare Disziplin und Respekt von ihren Kindern als deutsche, und sie erziehen inkonsistenter. Ersteres entspringt ihrem kulturellen Hintergrund, das zweite ihren Erfahrungen als Migranten. Wer selbst Mühe hat, sein Leben zwischen den Normen des Herkunftslandes und denen der neuen Heimat zu finden, kann diese auch nur mühsam an seine Kinder weitergeben.
Welche Rolle spielt die Bildung?
Eine enorme. In bildungsfernen Schichten ist Gewalt sehr viel verbreiteter, egal aus welchem Kulturkreis die Menschen kommen. Vor allem der Bildungsgrad der Mutter hat einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Kinder. Das Problem: Viele Einwanderer der ersten und zweiten Einwanderergeneration kamen aus sehr armen und wenig gebildeten Verhältnissen – türkische Akademiker gingen selten nach Deutschland. Und vielen Frauen in muslimischen Ländern wurde und wird weniger Bildung zugestanden als Männern. Dies erklärt die Häufung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in der Kriminalitätsstatistik. Vor einem Jahrzehnt galt in der Türkei nur eine fünfjährige Schulpflicht, viele der ersten Einwanderer hatten selbst nur die Grundschule besucht. Das Problem setzt sich fort, denn die Masse der ausländischen Jugendlichen erreicht auch hier keine hohe Bildung. Das deutsche Bildungssystem begünstigt vor allem die, die schon gebildet sind und die Geld haben. Die Hälfte der türkischen Jugendlichen erreicht nur einen Hauptschulabschluss.



Es gibt noch sehr viel mehr Faktoren, die Einfluss darauf haben, ob jemand schon früh zum Gewalttäter und Kriminellen wird. Beispielsweise die Freunde, mit denen er seine Zeit verbringt. Aber auch die Struktur des Stadtteils, in dem jemand lebt, beeinflusst ihn in seinem Verhalten. All diese Fakten sprechen dafür, dass es mehr braucht als neue Gefängnisse und Boxcamps, um mit dem Problem Jugendkriminalität umzugehen. Ausgrenzung und Abschiebung lösen es nicht, sie kaschieren es nur.

erlange Verfahrensdauer oder Hauptverhandlungen sind Normalität gleiches gilt für Ermittlungsverfahren die nicht selten 2 Jahre übersteige...