Freitag, 10. Juni 2011

Definition Resozialisation

Die Interpretation des Resozialisierungsziels als „Wiedereingliederung in die Gesellschaft“ verweist auf den Gefangenen in seiner Rolle als Mitglied der Gesellschaft (als Synonym einer Normgemeinschaft). Bei Zuwiderhandlungen gegen die Strafrechtsnorm wird die Zugehörigkeit zur Gesellschaft in Frage gestellt (Kaiser 1993). Resozialisierung ist, Cornel und Maelicke (2003) folgend, nur als ein „Prozess“ zu verstehen, der sich nicht nur auf den Strafvollzug selbst, sondern auch auf Angebote außerhalb des Vollzugs bezieht. Resozialisierung meint auch, die vom Strafvollzug und anderen Kontrollorganisationen angestrebte Befähigung des Insassen zu einem Leben ohne (Rechts-)Konflikt nach der Entlassung. Deimling und Schüler-Springorum (1969) verwenden einen engen strafvollzugsbezogenen Begriff. Fabricius (1991) beschränkt seine Definition auf die „Wiedererlangung eines Rechtsbewusstseins“. Mit Baratta kann der Begriff auch auf die Aufnahmebereitschaft der Gesellschaft bezogen werden - als „Dienstleistung“ der Gesellschaft am inhaftierten Individuum (Baratta 2001, S. 6). Resozialisierung verweist zudem darauf, dass im Laufe der (primären und sekundären) Sozialisation wichtige Instanzen nicht hinreichend "sozialisiert" haben sollen. So wird auch auf die ökonomisch-soziale Ausgrenzung bestimmter Bevölkerungsgruppen hingewiesen. Die Schreibweise Re-sozialisierung wird verwendet, um anzudeuten, dass es nicht nur darum geht wieder in die Gesellschaft zu integrieren, sondern erstmalig (Müller-Dietz 1995).Re-sozialisierung legt die Vorstellung nahe, es gäbe auch ein Leben außerhalb der Gesellschaft. Doch jeder Inhaftierte ist Teil der Gesellschaft, insbesondere einer „künstlichen Binnengesellschaft“ (Leyendecker 2002, S. 268), der „Gefängnisgesellschaft“ (Schellhoss 1993, S. 429) und in jedem Augenblick ein Teil der Rechtsgemeinschaft.


Eine allgemein gültige Definition des Begriffes Resozialisation zu finden bereitet Probleme, da es zwar eine große Anzahl von Deftinitionsversuchen gibt, diese jedoch nicht zu einem “Praktisch verwertbaren Inhaltsgefüge des Vollzugs" (Schüler-Springorum) kommen, Trotzdem seien im folgenden einige Definitionsversuche aufgeführt:

- Resozialisierung;(Nach verbüßen einer längeren Haftstrafe) schrittweise
Wiedereingliederung in die Gesellschaft mit Mitteln der Pädagogik, Medizin und Psychotherapie ( Siehe Duden. Das Fremdwörterbuch)

- Resoziatisation - Wiedereinführung des gefangenen in das soziale Leben oder seine Wiedereingliederung in die Menschliche Gemeinschaft ( Deimling 1968 s. 257)

- ,, Resozialisierung wird verstanden als ein Teil des lehenslangen Sozialisationsprozesses wobei die Vorsilbe -re- ausdrücken soll, daß ein Teil der SoziaUsation außerhalb der gesellschaftlich vorgegebenen Normen und Wertmaßstabe stattgefunden bat, so daß eine -Wieder-Eingliederung notwendig wird" (Maelicke 1993, S 783 ) ,Der Gefangene soll lernen sich straffrei zu verhalten" (Vergl. Schuler-Springorum 1969, S, 158)

- “Normengeltung als überzeugte Normenbefolgung kann nur mittels Sozialisierung zu Rechtsbewußtsein entwickelt werden, Resozialisierung ist die Spezifische Form dieser Sozialisation ,für die (zur Freihtsstrafe) verurteilten Straftäter(...)"tl(Fabricius 1991, S. 197)
Schon in diesen fünf Definitionsversuchen wird klar, wie verschiedenartig der Begriff Resozialisation mit Inhalt gefüllt wird.
Der Begriff Resozialisierung als Ziel des Strafvollzugs kann also eher als ein Synonym für ein gesamtes Programm und nicht als ein Fachbegriff mit klar definierter Bedeutung gesehen werden.

Aufgrund des gemeinsamen Wortstammes wird der Begriff Sozialisation häufig mit dem Resozialisierungsbegriff gebraucht, in wie weit die beiden Begriffe übereinstimmen hängt jedoch unter anderem von der jeweiligen Definition des Begriffs Resozialisierung ab. Um den Inhalt des Begriffs Resozialisierung genauer festzulegen, kann auf den Begriff Sozialisierung jedoch zurückgegriffen werden:

Der Begriff Behandlung wird im Gegensatz zum Begriff der Resozialisierung im Strafgesetz häufig benutzt, er wird gesetzlich jedoch nicht definiert und stellt deshalb so etwas wie “eine Begriffshülse dar, in die jeglicher Inhalt paßt".



Die gesetzlichen Regelungen der Resozialisierung sind verstreut über verschiedene Bundes -und Landesgesetze, eine stärkere Koordinierung und Vernetzung wäre erforderlich um den Erfordernissen der Praxis gerecht zu werden.

Grundlegende Regelungen für das Gesetz der Resozialisierung finden sich im Grundgesetz, in der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten, sowie im allgemeinen Teil des Sozialhilfegesetzbuches.

Die verschiedenen Aufgabenbereiche der Strafiälligenhilfe werden detailliert geregelt im Jugendgerichtsgesetz, im Kinder- und jugendhilfegesetz, in der Strafprozessordnung, im Strafgesetzbuch, im Strafvollzugsgesetz und im Bundessozialhilfegesetz.

Weitere Sonder- und Detailregelungen gibt es in der Jugendarrestvollzugsordnung, in der Strafvollstreckungsverordnung, in der Strafvollzugsvergütungsverordnung, in der Verordnung zur Durchführung des §72 BSHG sowie im Gesetz über den Verkehr mit Betäubungsmitteln, im Bundes Zentralregistergesetz und im Opferentschädigungsgesetz. ( Siehe «Recht der Resozialisierung » 1994)

Die Vorschriften zur Regelung der Resozialisierung sind oft lückenhaft und zudem kaum überblickbar, eine Aktualisierung oder eine Gesamtneuregelung des Rechts der Resozialisierung wäre deshalb dringend erforderlich.

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