Sonntag, 24. April 2011

zwischen Haft und Verzweiflung.

Die Zellen in TN 4 der JVA-Freiburg, sind länger geöffnet, der Haftraum und die Fenster ein wenig größer. Die Männer genießen Hafterleichterungen, hoffen auf Freiheit, wissen aber auch, dass die Gesellschaft «nicht auf sie wartet«. So drückt es der Sozialarbeiter Günther Lefering aus. Praktiker wie er sprechen deshalb auch von der Angst des Sicherungsverwahrten vor der Freiheit. Man braucht eigentlich viel Zeit, einen solchen Menschen auf ein Leben außerhalb der Mauern vorzubereiten. Wer bei der zweijährlichen stattfindenden Überprüfung durch Gutachter, Anstalt und Gericht als ungefährlich eingeschätzt wird und sich einer Sexual- oder Gewalttherapie unterzogen hat, steht vor der Entlassung, sofern er denn ohne Entlassvorbereitungen das von ihm geforderte überhaupt schafft.


Ja es ist für die Betroffenen mit unter ein sehr schwieriger Weg, da diese meist keinen mehr haben der Sie aufnimmt oder in die Familie zurückholt. Normalerweise wird diese Überprüfungsphase von einer Art Eingewöhnungsprozess über ein bis zwei Jahre begleitet. Der kann mit einer sogenannten «Ausführung« ins Kaufhaus beginnen, wobei der Betroffene mit Alltagssituationen konfrontiert wird. Daran schließen sich längere Ausgänge an. Am Ende steht oft das Probewohnen in der Einrichtung, die den Entlassenen auf Dauer aufnehmen würde. In Freiburg versuchen die Sozialarbeiter nun in der Zeit, die bleibt, die Kandidaten möglichst schnell auf ein Leben nach dem Knast vorzubereiten. Durch die jetzt stattfindenden Blitz-Entlassungen, ist es aber kaum mögliche einen Eingewöhnungsprozess überhaupt zu ermöglichen, so dass die Betroffenen förmlich vom Regen in die Traufe geraten und keine wirkliche Unterstützung haben.


Wie das schieflaufen kann, zeigt der Fall eines in Freiburg entlassenen Sicherungsverwahrten, dessen Aussetzung unter den Augen einer nervösen Öffentlichkeit ablief. Der Mann war zuerst in einer Einrichtung in Bad Pyrmont untergekommen. Anwohner protestierten. Er wurde wieder entlassen und ging nach Hamburg, wo man ihm auflauerte. Mitte Juli, am Wochenende vor seinem Abschied, hatte der Betroffene gebeten, länger im Gefängnis bleiben zu dürfen. Es ging nicht. Drei Tage hatten Sozialarbeiter Zeit, eine Unterkunft für ihn zu finden. Die Eile, die Anfeindungen. «Das macht alle Arbeit der vergangenen Jahre zunichte«, sagt Thomas Rösch. Der Jurist leitet die JVA Freiburg seit 21 Jahren. Die Verfolgung des Mannes sei einer «Menschenjagd« gleichgekommen. Allerdings muss man auch der Justizbehörde (JVA) selbst Vorwürfe machen, denn es war klar dass der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Nachträgliche Sicherungsverwahrung in Deutschland «Verurteilen« wird, doch niemand wollte dies so richtig akzeptieren und verursachte dann auch mit diese Entlassung,s Situation der davon Betroffenen, in dem man einen Eingewöhnungsprozess gar nicht oder viel zu spät einleitete.


In den Jahren 2003 bis 2009 wurde von dergestalt 15 Entlassenen in Freiburg, nur einer rückfällig, doch die Mediale Welt, mit ihrer Hetzjagd und den propagierten Populismus der Medien, wollte dies nicht wahrhaben und verkaufte stattdessen Horrorgeschichten vom Gemeingefährlichen Verbrecher, der so bald in Freiheit angelangt sofort wieder zuschlagen wird. Allen voran die Bild Zeitung, mit deren altbekannten Populistischen Titelseiten und Hetztiraden.


Der Artikel eins des Grundgesetzes, «Die Würde des Menschen ist unantastbar«, gilt auch für Straftäter. Deshalb ist die Todesstrafe in Deutschland abgeschafft, deshalb hat das Bundesverfassungsgericht oft betont, dass für Jedermann, ob Strafhäftling oder Sicherheitsverwahrtem, eine reelle Chance« verbleiben muss, wieder aus dem Gefängnis zu kommen. Und deshalb steht im Strafvollzugsgesetz, dass der Sicherungsverwahrte Unterstützung bekommen muss mit der Perspektive, sich in das Leben in Freiheit einzugliedern.

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