Mittwoch, 27. April 2011

Warnschuss gegenüber Jugendlichen Tätern ?

Die Kinder - und Jugendkriminalität ist seit Beginn der  neunziger  Jahre  in den Blickpunkt des öffentlichen und veröffentlichen Interesses gerückt .  
Auslöser waren zumeist spektakuläre Geschehnisse,  bei  denen brutale 
Gewalttaten von Kindern und Jugendlichen bundesweit für Schlagzeilen sorgten. 


Sie erinnern sich sicherlich an die tödliche Attacke eines Schülers auf  eine Lehrerin in Meißen, den Amoklauf  von Erfurt oder den kaum  fassbaren Mord an der kleinen Vanessa und die ganz Aktuellen Fälle der U-Bahn Übergriffe Jugendlicher mit meist schweren Körperverletzungen der Opfer.
Hinzu kommen Medienberichte über junge Intensiv-Täter , wie Mehmet oder  Nidal  R. Letzterer war das Sorgenkind Nr.1 der Berliner Justiz und Polizei .  
Eine bekannte über regionale Boulevardzeitung stellte ihn de Öffentlichkeit  mit folgenden plakativen Sätzen vor : 

„20 Jahre, 80 Straftaten, 100 Prozent  brutal . “


Alarmberichte in der Regenbogenpresse über „Monsterkids“, „Schule brutal “  und  „kriminelle Kinder “häufen sich zunehmend. Wenn ich solche 
Medienberichte lese, denke ich oft an die Inschrift einer etwa 3000 Jahre alten babylonischen Tontafel. Dort heißt es: 

„Die heut ige Jugend  ist  von Grund auf verdorben, sie ist böse, gottlos und faul. Sie wird niemals so sein wie die Jugend vorher , und es wird ihr niemals gelingen, unsere Kultur  zu erhalten. “  
Ist es tatsächlich so schlimm um unsere Jugend bestellt?


Ich denke nein, denn die so viel zitierte Verwahrlosung und Verrohung Jugendlicher, ist eine Subjektive einseitige Sicht, der wir auch durch die vielfältigen Medialen Suggestionen erliegen.
Über eines müssen wir uns alle im Klaren sein, Kinder und Jugendliche kopieren meist das Verhalten von Erwachsenen, es ist ein suchen nach Vorbildern und Idolen, welche diese in ihrer entscheidenden Entwicklung prägen.
Also sind es wir selbst die Verwahrlost und Verroht sind ? Die solche Jugendkriminalität, solche Gewalt fördern? Wenn ich es auf die Spitze treiben wollte, und ehrlich darauf antworten möchte, "dann muss ich sagen, " Ja es sind zum teil unsere Spiegelbilder die hier in Erscheinung treten.


Brauchen wir nun den von vielen Konservativen Politikern geforderten Warnschuss gegenüber Jugendlichen Tätern ?


Ich bin der Überzeugung nein, den brauchen wir nicht denn dass Jugend Gerichts Gesetz bietet schon genügend Möglichkeiten.
Was wir brauchen sind wieder Werte die wir unseren Kindern und Jugendlichen vermitteln können, wir brauchen Inhalte für eine erfolgversprechende Jugendpolitik, mit Angeboten und Hilfen, für solche die schon aus der Sozialisation ihres Elternhauses nicht die nötige soziale Kompetenz erfahren.
Wir brauchen dringend eine Reform unseres Bildungssystem, in dem wieder mehr auf den Einzelnen und dessen Probleme eingegangen.


“Die derzeitigen Diskussion um Strafverschärfung und Warnschuss Arrest, gaukelt den Menschen Zusammenhänge vor, die es nicht gibt. Die Formel 'Härtere Strafen gleich höhere Abschreckung gleich weniger Straftaten' ist schlicht falsch.“ Die Politik erliegt abermals der Versuchung, Fragen des Strafrechts für plakative Botschaften zu missbrauchen.
Jugendkriminalität ist ein ernstzunehmendes Thema. 
Wie die Law-and- Order-Politiker es angehen - mit dem verengte Blick auf straffällig gewordene jugendliche und dem reflexhaften Ruf nach höheren Strafen - das belegt nur, dass sie das Thema nicht ernst nehmen, sondern nur für taktische Zwecke ausschlachten. Würden sie es ernst nehmen, müssten sie sich als erstes mit den Ursachen befassen und kämen womöglich zu Ergebnissen, die die eigene Politik der letzten 30 Jahre radikal in Frage stellen würde.


Es gibt in Deutschland in der Gruppe der unter 18-Jährigen einen erheblichen Teil von Menschen, die sich selbst als Verlierer sehen, mit einem großen Anteil von Migranten - frühzeitig aussortiert und deshalb ohne brauchbare Ausbildung, ohne Selbstwertgefühl, ohne Vorbilder, ohne Teilhabe-Chancen und angewiesen auf staatliche Transferzahlungen. Ob Unterschicht, Proletariat, Subproletariat, Prekariat - der Streit um die angemessene Bezeichnung ist müßig. Sie sind abgehängt und haben nicht zu Unrecht das Gefühl, dass sie in einer Gesellschaft keine Rolle spielen, in der sich die Politik vor allem um die Belange und Interessen der alten und neuen Mitte kümmert.

Nicht dass damit irgendetwas gerechtfertigt werden soll: Aber das einzige Mittel, sich in der eigenen Gruppe, aber vor allem gegenüber der bürgerlichen Mitte Respekt und zu verschaffen, ist aus ihrer Sicht die Brechung von Regeln und Normen und vor allem die Verletzung des letzten halbwegs wirksamen Tabus: handgreifliche physische Gewalt. Vor nichts haben die besser situierten Mittelschichten mehr Angst, und deshalb funktioniert die mediale Mobilisierung der Bürgerängste ja bei solchen abscheulichen Vorfällen wie in München oder gerade jetzt in Berlin besonders gut.



Die Politik reagiert seit Jahren mit der Forderung nach neuen Gesetzen und härterer Repression. Nun, neue Gesetze gibt es umsonst, ihre Umsetzung ist es, die Geld kostet. Da spätestens scheiden sich die Geister. Und die Politik fordert vor allem von Jugendlichen, sie sollen sich gefälligst benehmen. Abgesehen davon, dass eine Desozialisation auch wesentliche Teile der älteren Bevölkerung an den Rand gedrückt hat, stellt sich die Frage des Sozialisation-Willens zunächst an die Mittelschichten. Denn jedem Prozess der Desozialisation geht die Ausgrenzung voraus.


Jugendkriminalität ist ein Problem und jedes Gewaltopfer ist eines zuviel. Was aber jetzt gerade für ein Medienhype herrscht wegen der angeblich so verdorbenen, Jugendlichen ist einfach unvernünftig und geht an der eigentlichen Problematik weit vorbei.


Ich versuche mir gerade vorzustellen, wie das für ein Kind sein muss, wenn es nach der Grundschule auf die Hauptschule richtiggehend aussortiert wird. Der Junge oder das Mädchen ist 10 oder 11 Jahre alt und weiß schon jetzt, dass der Zug eigentlich schon abgefahren ist - vor allem in den Großstädten. Verwundert es da irgendwie, dass dieses System frustrierte Jugendliche hervorbringt? Das soll keine Rechtfertigung für die brutalen Taten sein, aber man kann auch nicht völlig die Augen verschließen vor dem Zusammenhang zwischen Gewalt und schlechten Zukunftsaussichten.





   

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