Dienstag, 12. April 2011

Strafe und Resozialisieren.

Wird ein Mensch zu einer Haftstrafe verurteilt, so muss er diese in einer Justizvollzugsanstalt ableisten. Ziel einer solchen Institution soll sein, die Insassen durch die Isolation zum Nach- und Umdenken anzuregen und sie wieder auf ein Leben nach dem Strafvollzug vorzubereiten. Ob es durch die Haftstrafe tatsächlich zu einer Besserung kommt, wird jedoch zu recht angezweifelt. Die Inhaftierung hat auch ihre negativen Seiten, sei es die Entpersonalisierung oder der Verlust der Identität, die vielfältigen Haftdeprivationen, oder auch Probleme bezüglich der Resozialisierung, die oft nicht stark genug forciert wird. Aus diesen und weiteren Gründen kommen heutzutage häufig Alternativen zum Strafvollzug zur Anwendung. Im Folgenden werden fünf Alternativen aufgezeigt und ihre soziologischen Argumente dafür und dagegen aufgezeigt.


Das Electronic Monitoring zählt zu einer Art Überwachung, der Aufenthalt der Person wird mit Hilfe von elektronischen Geräten kontrolliert und der Tagesablauf ist mit einem Wochenplan fixiert. Um für die elektronische Überwachung zugelassen zu werden, müssen einige Voraussetzungen erfüllt werden, wie etwa eine feste Unterkunft oder ein Telefonanschluss. Weiters werden die überwachten Personen entsprechend betreut. Besonders positiv an dieser Alternative ist vor allem das große Resozialisierungspotential, da der Kontakt zum sozialen Umfeld aufrecht bleiben kann und die Resozialisierung innerhalb der Gesellschaft stattfindet. Gegner sprechen jedoch von einem Schritt in Richtung Überwachungsstaat.


Der Täter-Opfer-Ausgleich basiert auf einer freiwilligen Teilnahme aller Beteiligten, also des Opfers, des Täters und einer Vermittlungsperson. Diese Alternative kann als Teil der Mediation und somit als Konfliktverarbeitung angesehen werden. Hier steht besonders das Opfer im Mittelpunkt, durch die Wiedergutmachung materieller oder immaterieller Art erfährt es unmittelbare Gerechtigkeit. Eine Anwendung des Ausgleichs macht jedoch keinen Sinn, wenn Gründe für eine Ablehnung vorhanden sind.


Boot Camps sind als Gefangenlager organisiert, weisen einen militärischen Programmcharakter auf und man findet sie hauptsächlich in den USA. Sie kommen überwiegend bei jugendlichen Straftätern zur Anwendung. Typische Kennzeichen dieser Camps sind etwa militärischer Drill, Forderung von täglicher harter Arbeit und körperlichem Training. Die Teilnehmer sollen Disziplin lernen und Einsicht in ihre Tat gewinnen. Ziele sind die Behandlung und Strafe der überwiegend Jugendlichen. Bei dieser Alternative dominieren die Kritikpunkte. Problematisch ist vor allem das Verhältnis zwischen den Teilnehmern und dem Wachpersonal, welches seine Machtposition oft ausnutzt und über keine entsprechende psychologische Grundlagen verfügt. Positiv anzumerken sind jedoch die Förderung sozialer Einstellung und die Vermittlung sozialer Fertigkeiten.


Gemeinnützige Arbeit wird als ambulante Arbeitssanktion angesehen und wird insbesondere bei kurzen Freiheitsstrafen oder Geldstrafen in Erwägung gezogen. Die Beschäftigungsstellen der Straftäter übernehmen teilweise Aufgaben der Strafvollstreckung, was nicht immer einfach ist. Sie haben jedoch die Möglichkeit, das Arbeitsverhältnis jederzeit beenden zu können. Diese Alternative bietet vor allem Ersttätern und Jugendlichen den Vorteil einer zweiten Chance, den Strafvollzug zu vermeiden. Bei schwerwiegenden Delikten wird die gemeinnützige Arbeit jedoch als ungeeignet gesehen, die Akzeptanz bei leichteren Delikten ist hingegen groß. Die Sicherheit am Arbeitsplatz darf durch die Unterbringung von Straftätern aber nicht leiden.


Bei der Verurteilung zu einer bedingten Strafe bzw. Bewährung ist der Täter nicht verpflichtet, die Strafe anzutreten, er muss jedoch den Weisungen und Auflagen des Gerichts nachkommen. Ziel ist es, den Straftätern eine letzte Chance zu gewähren und ihnen bei künftiger Straflosigkeit die nachteiligen Wirkungen eines Freiheitsentzuges zu ersparen, was als großer Vorteil gilt. Durch gezielte fachliche Unterstützung soll vermieden werden, dass die Verurteilten erneut Straftaten begehen. Gegner sehen jedoch in der Bewährung eine Aufmunterung zu weiterer Deliktsbegehung und somit eine Entkräftigung der Generalprävention.



Tritt ein Strafgefangener seine Haft an, bedeutet das für ihn aus dem für ihn gewohnten sozialen Umfeld herausgerissen zu werden. Der Kontakt zur Familie oder zu Freunden reißt teilweise ab oder wird sehr eingeschränkt. Der für ihn bis dahin geltende soziale Status geht verloren und er wird in die totale Institution des Strafvollzugs eingegliedert. Er übernimmt eine für ihn bisher ungewohnte, unbekannte soziale Rolle. Er erfährt kaum psychischen Halt und ist mehr oder weniger auf sich allein gestellt und muss selbst lernen mit der neuen Situation umzugehen. Ein Strafgefangener erhält auch kaum eine Basis für eine zukünftige Resozialisierung. Resozialisierung wird im Gesetz ganz anders gesehen, als sie in der Wirklichkeit geschieht.



Jeder Gefängnisaufenthalt bedeutet einen Rückschritt im persönlichen, sozialen Umfeld eines Menschen, der oft nur sehr schwer wieder aufzuholen ist. Es ist, als wäre man von der Außenwelt, der Wirklichkeit ausgeschlossen und nehme an den Veränderungen außerhalb der Mauern kaum teil und die Zeit steht für einige Monate oder Jahre still. Auch wenn der Aufenthalt im Gefängnis oft nicht von langer Dauer ist, hat er oft große persönliche Konsequenzen für die Familie und die Berufsausübung des Straftäters. Der Aufenthalt verändert oftmals die Beziehungen außerhalb der Strafanstalt zum Negativen, der Häftling verliert wichtige persönliche Kontakte und ist nach der Freilassung auf sich allein gestellt. Jede Möglichkeit, einem Menschen die soziale Integration zu belassen, sollte daher genützt werden.



Es wäre also sinnvoll, zweckmäßige Alternativen zum bisherigen Sanktionensystem zum Ersten zu schaffen und zum Zweiten diese auch zu nutzen. Jedoch ist es auch hierbei wichtig, die sozialen Vor- und Nachteile der Alternativen zu betrachten und abzuwiegen. Denn auch Sanktionen außerhalb der Justizvollzugsanstalt können sich negativ auf das Leben des Verurteilten auswirken beziehungsweise stoßen gewisse Alternativen in der Gesellschaft nicht immer auf Akzeptanz.
Die zentrale Fragestellungen müssen also lauten: Wie wirkt sich der Strafvollzug auf den Menschen aus? Welche alternativen Sanktionsmaßnahmen zum Freiheitsentzug gibt es und welche soziologischen Argumente stehen für oder gegen diese Alternativen?



Totale Institution – Gefängnis
In Deutschland bezeichnet man das Gefängnis korrekterweise als Justizvollzugsanstalt und dient dazu, Freiheitsstrafen durchzuführen. Der Begriff „totale Institution“ wurde von Erving Goffman geprägt.
„Eine totale Institution lässt sich als Wohn- und Arbeitsstätte einer Vielzahl ähnlich gestellter Individuen definieren, die für längere Zeit von der übrigen Gesellschaft abgeschnitten sind und miteinander ein abgeschlossenes, formal reglementiertes Leben führen.“ (Goffman 1973, S.11)
„Ihr allumfassender oder totaler Charakter wird symbolisiert durch Beschränkungen des sozialen Verkehrs mit der Außenwelt sowie der Freizügigkeit, die häufig direkt in die dringliche Anlage eingebaut sind, wie verschlossene Tore, hohe Mauern, Stacheldraht, Felsen, Wasser, Wälder oder Moore“. (Goffman 1973, S.16) Zu dieser Art von Institution gehören nicht nur Gefängnisse, sondern auch Altersheime, Kasernen, Internate oder Klöster. Das Gefängnis weist jedoch den stärksten totalitären Charakter aller Institutionen auf. Ziel ist es, das Individuum zu einem rechtschaffenden Menschen zu machen (vgl. Arthofer 2003, S.41-43).
Zweck der Gefängnisse in modernen Staaten ist aber auch die Opfer und die restliche Gesellschaft vor abnormen Rechtsbrechern zu schützen und die Begehung weiterer Delikte zu verhindern. Da aber die meisten der Gefangenen früher oder später entlassen werden, zählt zum Prinzip dieser Institutionen die Individuen zu bessern und sie für ein geregeltes, kriminalitätsfreies Leben außerhalb der Institution vorzubereiten. Die Gefängnisse sollen weiters durch den Freiheitsentzug und die Isolation zur Abschreckung dienen. Der Gedanke an lange Freiheitsstrafen und massive Einschränkungen der Individualität soll das Verüben von Straftaten verhindern (vgl. Giddens 2001, S.235-237).



Ob Gefängnisse tatsächlich eine bessernde Wirkung auf die Insassen haben, wird zu recht angezweifelt. Es gibt einige Indizien dafür, von denen ausgegangen wird, dass Justizanstalten nicht unbedingt einen positiven Einfluss auf ihr Klientel haben. Die Gefangenen werden im Prozess der Inhaftierung entpersonalisiert, also ihrer Persönlichkeit entraubt, sie können ihre Persönlichkeit nicht mehr entfalten sondern müssen sich den Regeln der Institution anpassen und dürfen nicht mehr nach eigenen Gewohnheiten handeln. Sie können ihre Familien und Kinder nur mehr eingeschränkt sehen, ihre Freunde werden vernachlässigt, ihre persönlichen Gegenstände und Kleider werden ihnen abgenommen. Die Häftlinge müssen sich an strenge Verhaltensregeln halten und leben mit anderen Strafgefangenen auf engstem Raum zusammen. Unter diesen Bedingungen kommt es eher dazu, dass ein Graben zwischen der Gesellschaft außerhalb des Gefängnisses und den Inhaftierten aufgerissen wird, als dass sich die Inhaftierten der Gesellschaft wieder annähern. Ziel sollte jedoch sein, den Inhaftierten ihr Fehlverhalten aufzuzeigen, ihnen Zeit zu geben, darüber nachzudenken, die Möglichkeit zu geben, Reue zu zeigen und sie dann wieder auf ein Leben außerhalb der Mauern vorzubereiten und dies sollte in Interaktion mit der restlichen Gesellschaft passieren (vgl. Giddens 1999, S.205).



Bereits die Inhaftierung ist ein prägendes Ereignis für den Straftäter. Der Häftling wird registriert und muss seine alte Identität gegen eine neue eintauschen. Sind die Daten der Person erfasst, wird der Häftling durchsucht und muss sich dafür entkleiden. Die persönlichen Gegenstände und Kleider werden abgenommen und bis zur Entlassung verwahrt. Dies bedeutet einen gravierenden Einschnitt in die Privatsphäre des Individuums (vgl. Arthofer 2003, S.52-53). Neben dem Freiheitsentzug ist der Entzug der persönlichen und sozialen Identität am bedeutendsten. Die Rollen, die der Häftling vor der Inhaftierung hatte, wie zum Beispiel Vater, Ehemann, Arbeiter, Freund etc., wird auf eine einzige Rolle reduziert – die des Gefangenen. Er hat keine tragenden Aufgaben mehr, wie Verantwortung für seine Kinder zu übernehmen, sich um seine Freunde zu kümmern oder die Aufgaben seines Arbeitsplatzes zu erfüllen die sinnvollen Aufgaben seines Lebens werden ihm entzogen (vgl. Arthofer 2003, S.69).



Isolation, Entpersonifizierung, Identitätsverlust
Isolation bedeutet Absonderung, Abschirmung, Getrennthaltung beziehungsweise Trennung (vgl. Universal Lexikon 1988, S.312). Dieser Begriff trifft also sehr gut auf die Situation der Gefangenen zu. Die Häftlinge werden schließlich abgesondert von der Gesellschaft in Gefängnissen ihrer Freiheit entzogen und leben innerhalb der Mauern abgeschottet von der Außenwelt. Dies soll zum Schutz der restlichen Gesellschaft dienen, hat aber negative Auswirkungen auf den Strafgefangenen, da er den Kontakt zu seinem sozialen Umfeld verliert bzw. der Kontakt vernachlässigt wird und er sozusagen „gesellschaftsfremd“ wird.
Hintergrundgedanke ist, dass die Insassen durch ihre Einsamkeit zum endlosen Nachdenken angeregt werden und sie so zum Umdenken gebracht werden sollen. Isolation hat jedoch sehr belastende Folgen. Es kann unter anderem zu emotionalen, kognitiven sowie Sprach- und Wahrnehmungsstörungen kommen. Außerdem kann Isolation zu einer Vielzahl von Verlusten führen, wie zum Beispiel Verlust der Selbstbestimmung und des Selbstwertgefühls, Verlust der sozialen Orientierung oder Kompetenz sowie Verlust der bisherigen sozialen Rolle. Der Häftling fühlt sich bei weitem nicht mehr so selbstbewusst, wie etwa noch vor oder während seiner Straftat und fühlt sich hoffnungslos (vgl. Arthofer 2003, S.70-71).
Durch die aufgezwungene Lebensart in den Gefängnissen kann es bei den Inhaftierten zu einem Identitätsverlust kommen. Dies bedeutet, dass das Individuum allmählich die Beziehung zu sich selbst und seiner Umwelt verliert. Durch diese Art der Entfremdung kann es zu Machtlosigkeit und Sinnlosigkeit beim Insassen kommen. Hat der Häftling innerhalb der Strafanstalt keine bestimmte Aufgabe oder immer nur einen eintönigen Tagesablauf, entwickelt er im Laufe der Zeit die Einstellung, sein Dasein habe keinen Sinn mehr und er besitze nicht die Macht dazu, dies noch einmal zu ändern. Besonders durch Vergabe von Nummern an die Häftlinge, mit denen sie anstatt ihrer Namen angesprochen werden, verliert man die Persönlichkeit. Man fühlt sich nicht mehr als eigenständige Person, sondern als einer von vielen, denen nicht viel Respekt gegenüber gezeigt wird (vgl. Arthofer 2003, S.72-73).



Entlassung, Resozialisierung, Rückfall
Resozialisierung bedeutet, dass Menschen wieder in die Gesellschaft eingegliedert werden, insbesondere Inhaftierte. Zu den Zielen der Resozialisierung zählen unter anderem, dass weiteren kriminellen Straftaten vorgebeugt werden soll, sowie die Anpassung an gesellschaftliche Normen und Verhaltensmuster. Diese Ziele sind jedoch oft schwer zu erreichen, da während des Gefängnisaufenthaltes wenig bis zu wenig Aufmerksamkeit auf die Resozialisierung gelegt wird (vgl. Arthofer 2003, S.116).
Die Gefühle bezüglich Entlassung können bei den Inhaftierten sehr unterschiedlich sein. Während die einen von einer schönen Zukunft nach der Inhaftierung träumen und die negativen Erfahrungen und Folgen ihrer Vergangenheit außer acht lassen, sind andere wiederum verunsichert und wissen nicht, wie sie außerhalb des Gefängnisses wieder zurechtkommen sollen. Oft hängt dies mit dem sozialen Netzwerk zusammen, das außerhalb des Gefängnisses für den Häftling vorhanden ist. Stehen die Freunde und die Familie hinter ihm, wird er der Entlassung eher positiv entgegensehen. Ist jedoch während des Aufenthaltes oder sogar schon vorher der Kontakt zu vielen Freunden oder Familienmitgliedern abgebrochen, so wird er der Freilassung eher skeptisch und ängstlich gegenüberstehen (vgl. Arthofer 2003, S.125).
Um dem Häftling die Eingliederung in die Gesellschaft zu erleichtern, sollte mit der Resozialisierung bereits früh genug begonnen werden. Dazu benötigt man genügend Personal verschiedener Berufsgruppen, wie etwa Strafvollzugsbeamte, Psychologen, Psychiater, Ärzte oder Mitarbeiter des sozialen Dienstes. Dies ist jedoch aufgrund der Kosten schwer zu ermöglichen, da es immer wieder zu Kürzungen des Gefängnisbudgets kommt. Es wäre jedoch sehr von Vorteil, würde man den Gefangenen diese Möglichkeiten zur Verfügung stellen, da sie sich so besser auf das Leben nach der Freilassung vorbereiten können und es möglicherweise auch zu weniger Rückfällen kommen würde (vgl. Arthofer 2003, S.118).
Aus Sicht eines Gefangenen klingt der Aufenhalt so: „Ich denke, die meisten Leute im Gefängnis wollen die Zeit drinnen so gut wie möglich hinter sich bringen, dann herauskommen und draußen bleiben. Allerdings bekommen die meisten, während sie im GefängnisEntlassung, Resozialisierung, Rückfall
Resozialisierung bedeutet, dass Menschen wieder in die Gesellschaft eingegliedert werden, insbesondere Inhaftierte.


Zu den Zielen der Resozialisierung zählen unter anderem, dass weiteren kriminellen Straftaten vorgebeugt werden soll, sowie die Anpassung an gesellschaftliche Normen und Verhaltensmuster. Diese Ziele sind jedoch oft schwer zu erreichen, da während des Gefängnisaufenthaltes wenig bis zu wenig Aufmerksamkeit auf die Resozialisierung gelegt wird (vgl. Arthofer 2003, S.116).
Die Gefühle bezüglich Entlassung können bei den Inhaftierten sehr unterschiedlich sein. Während die einen von einer schönen Zukunft nach der Inhaftierung träumen und die negativen Erfahrungen und Folgen ihrer Vergangenheit außer acht lassen, sind andere wiederum verunsichert und wissen nicht, wie sie außerhalb des Gefängnisses wieder zurechtkommen sollen. Oft hängt dies mit dem sozialen Netzwerk zusammen, das außerhalb des Gefängnisses für den Häftling vorhanden ist. Stehen die Freunde und die Familie hinter ihm, wird er der Entlassung eher positiv entgegensehen. Ist jedoch während des Aufenthaltes oder sogar schon vorher der Kontakt zu vielen Freunden oder Familienmitgliedern abgebrochen, so wird er der Freilassung eher skeptisch und ängstlich gegenüberstehen (vgl. Arthofer 2003, S.125). Um dem Häftling die Eingliederung in die Gesellschaft zu erleichtern, sollte mit der Resozialisierung bereits früh genug begonnen werden. Dazu benötigt man genügend Personal verschiedener Berufsgruppen, wie etwa Strafvollzugsbeamte, Psychologen, Psychiater, Ärzte oder Mitarbeiter des sozialen Dienstes. Dies ist jedoch aufgrund der Kosten schwer zu ermöglichen, da es immer wieder zu Kürzungen des Gefängnisbudgets kommt. Es wäre jedoch sehr von Vorteil, würde man den Gefangenen diese Möglichkeiten zur Verfügung stellen, da sie sich so besser auf das Leben nach der Freilassung vorbereiten können und es möglicherweise auch zu weniger Rückfällen kommen würde (vgl. Arthofer 2003, S.118). Aus Sicht eines Gefangenen klingt der Aufenhalt so: „Ich denke, die meisten Leute im Gefängnis wollen die Zeit drinnen so gut wie möglich hinter sich bringen, dann herauskommen und draußen bleiben. Allerdings bekommen die meisten, während sie im Gefängnis sind, nicht die Hilfe, die sie brauchen, um nach ihrer Entlassung draußen ein produktives Leben zu führen. Egal wie sehr du nicht mehr ins Gefängnis willst, wenn du dich nicht mit dem Problem auseinander gesetzt hast, wirst du normalerweise nach der Entlassung die gleichen Fehler wiederholen.“ (http://utopia.ission.nl. in Arthofer 2003, S.118).



Das Schwierige ist, dass der Freiheitsentzug seine abschreckende Wirkung nicht verlieren darf, aber gleichzeitig resozialisierend wirken soll. Um dies zu erreichen, müsste man die Insassen festhalten, bis sie zur Einsicht kommen oder sie ihre Persönlichkeit geändert haben. Dafür wäre aber psychologisches oder psychiatrisches Personal eine große Hilfe, denn viele Sträflinge sind mit ihrem Problem überfordert und bräuchten Unterstützung dabei, ihr Problem aufzuarbeiten und über ihre Straftat nachzudenken, sich des Fehlverhaltens erst so richtig bewusst zu werden (vgl. Arthofer 2003, S.118).
Die Rückfallsquote Strafegefangener ist nach wie vor sehr hoch - mehr als 60 Prozent aller Männer, die eine Freiheitsstrafe verbüßen, werden innerhalb von vier Jahren nach ihrer Entlassung wieder verhaftet. Es gibt zahlreiche Gründe dafür, wie etwa die Isolation im Gefängnis und die Beeinträchtigung der Persönlichkeit des Gefangenen, dadurch ist er gegenüber neuerlichen Straftaten labil und anfällig. Außerdem werden im Gefängnis Kontakte mit anderen Straftätern geknüpft, die man nach der Entlassung aufrechterhält und man kommt so oftmals in die Versuchung erneut kriminelle Handlungen zu begehen. Hauptaugenmerk sollte also die Zukunft des Häftlings sein und nicht seine Vergangenheit, denn die Vergangenheit kann nicht mehr beeinflusst werden, die Zukunft hingegen sehr wohl (vgl. Giddens 1999, S.205-206).



Menschenbild
In der Kriminalitätspolitik hat das Menschenbild einen wichtige Rolle. Unter einem Menschenbild versteht man die Vorstellung, das Bild, das jemand von einem Menschen hat. Es gibt viele Versuche das Entstehen von Kriminalität zu erklären. Eine Erklärung wären die biologischen Faktoren, die den Straftäter beeinflussen. Von einer extremen Ansicht der Vererbbarkeit von menschlichen Eigenschaften ist man heutzutage jedoch abgewichen. Denn auch die Umwelt kann menschliche Eigenschaften hervorbringen und verändern. Es gibt die

Auffassung des freien Willens, wobei der Mensch sich Eigenschaften aneignen kann, die weder vererbt, noch durch die Umwelt bestimmt sind. Im Gegensatz dazu steht der Determinismus, welcher besagt, der Mensch sei vollkommen determiniert. Menschen mit der Vorstellung, dass Verbrecher zu Verbrechern „gemacht“ werden, neigen zu starker Akzeptanz von Resozialisierungsmaßnahmen und lehnen das „Einsperren“ der Täter ab. Umgekehrt tendieren Menschen mit der Vorstellung, dass man „zum Verbrecher geboren“ wird, dazu, Verbrecher einzusperren. Nach ihrer Vorstellung sind Resozialisierungsbemühungen vergebens. Weit verbreitet ist auch die Vorstellung, dass beides - erbliche Veranlagung und Umwelteinflüsse zusammenkommen, wenn ein Mensch zum Verbrecher wird. Hier mischen sich die Absichten zum Einsperren mit denen zur Resozialisierung (vgl. Giddens 2001, S.205-215), gefördert durch die Mediale Beeinflussung durch die Massenmedien auf die Gesellschaft, wird aber das wegsperren favorisiert und die Resozialisierung immer weiter zurückgedrängt.

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Schon 2015 sagte ich dass die Causa Hoeneß eine Amigo Causa ist, es ist daher auch nicht Verwunderlich das Hoeneß bereits nach 21 Monate...