Freitag, 22. April 2011

Sozialarbeit hinter Gefängnismauern des Jugenstrafvollzuges


Ein chancenorientierter Justizvollzug fördert Bedingungen, die es dem Gefangenen ermöglichen, selbstständig Entscheidungen zu treffen. 
Um den Inhaftierten an einen eigenverantwortlichen Umgang mit der späteren Freiheit heranzuführen, soll er lernen, entsprechende Handlungs- und Entscheidungsspielräume sinnvoll auszugestalten. Dieser Lernprozess kann nur während der Inhaftierung erfolgen, da alle richtungsweisenden Rahmenbedingungen des Strafvollzugs mit der Entlassung des Gefangenen schlagartig wegfallen und er danach sein Leben ausschließlich in alleiniger Zuständigkeit und Verantwortung führen muss. Daher sollten die Forderungen und Erwartungen an den Gefangenen nicht allein aus dem äußerlichen Ordnungs- und Sicherheitsbestreben  der Anstalt resultieren. Denn ein nur äußerlich angepasster Gefangener ist mehr rückfallgefährdet als derjenige, 
dessen Verhaltensänderung auf tatsächlicher Einsicht beruht. Grundsätzlich lässt sich immer wieder feststellen, dass Sicherheit und Behandlung im Strafvollzug nur scheinbare Gegensätze darstellen. Ganz im Gegenteil: Behandlerische Konzepte lassen sich umso besser realisieren, je geordneter sich die Bedingungen in der Anstalt darstellen. Insofern ergänzen und fördern sich behandlerische und sicherheitsrelevante Interessen des Strafvollzugs im **Idealfall** gegenseitig. 


Hier ist nun die Sozialarbeit hinter Gefängnismauern, ein wesentlicher Bestandteil zur Resozialisierung und Wiedereingliederung Straffällig gewordener Menschen.



Der Sozialdienst einer Justizvollzugsanstalt ist Ansprechpartner für eine Vielzahl von Belangen der Gefangenen. Bei der Aufnahme in die Anstalt wird jeder Gefangene einem bestimmten Sozialarbeiter bzw. einer Sozialarbeiterin zugeteilt, der bzw. die dann bis zum Entlassungstag für ihn zuständig ist. Diese Verfahrensweise hat mehrere Vorteile: Der Gefangene hat immer den gleichen Ansprechpartner. Der Sozialarbeiter bzw. die Sozialarbeiterin begleitet seine bzw. ihre Klienten durchgängig und kann somit den durch den Vollzug eingeleiteten Entwicklungs- und Reifeprozess des Gefangenen lückenlos  analysieren und dokumentieren. Dadurch ist hinsichtlich der Behandlungs- und Betreuungsaufgaben eine wichtige Kontinuität gewahrt. 


Eine wesentliche Funktion kommt dem Sozialdienst durch das Zugangsgespräch unmittelbar nach der Inhaftierung zu, in dem neben den jeweiligen biographischen Erstinformationen insbesondere die individuelle situative Befindlichkeit des Gefangenen in Augenschein genommen wird. Für viele bedeutet die Inhaftierung, besonders wenn es sich um die erste handelt, meist ein schockartiges  Erlebnis mit hohen psychischen Belastungen. Um eventuelle Aggressionen gegen andere oder auch sich selbst und die damit verbundene Suizidgefahr gerade in den ersten Inhaftierungstagen zu mindern, bedarf es zunächst einer verstärkten Beobachtung und Betreuung des Gefangenen, die neben dem AVD primär durch den Sozialdienst geleistet wird. Nach dieser Eingewöhnungsphase kann der Blick nun von den psychischemotionalen Bedürfnissen des Gefangenen auf die langfristige Gestaltung des Vollzugsplanes gerichtet werden. Dabei findet im Vorfeld eine gemeinsame Beratung mit anderen Fachdiensten der Anstalt statt, die sich zwischenzeitlich ebenfalls mit dem Gefangenen auseinandergesetzt haben. Im weiteren Verlauf der sozialpädagogischen Betreuung finden - nebenden Tätigkeiten im Rahmen der originären Zuständigkeiten des Sozialdienstes - immer wieder behandlungsorientierte oder therapeutisch ausgerichtete Einzel- oder Gruppengespräche mit den inhaftierten Jugendlichen statt. Je näher der Entlassungszeitpunkt rückt, desto stärker wird der Sozialdienst in dessen Vorbereitung eingebunden sein und den Gefangenen beispielsweise bei Behördengängen, bei der Arbeits- und Wohnungssuche und anderen wiedereingliederungsrelevanten Tätigkeiten unterstützen.
Der Sozialdienst einer Justizvollzugsanstalt, arbeit hier auch eng mit dem so genannten Psychologischen Dienst zusammen. Dieser Psychologische Dienst wird von einem oder mehreren Anstaltspsychologen repräsentiert. Dessen zentrale Aufgabe besteht insbesondere bei Gewalt- und Sexualdelinquenz darin, die Vollzugsplankonferenz bei deren Beschlussfindung zur Gewährung von Vollzugslockerungen zu beraten. Dies erfolgt in der Regel durch die Erstellung eines psychologischen Gutachtens zur Frage einer Rückfall- oder Wiederholungsgefahr. 


Daneben betreut dieser insbesondere in Krisensituationen Gefangene, die suizidgefährdet sind oder sonstige psychische Auffälligkeiten oder  aggressive Verhaltensmuster zeigen. Dies geschieht stets in enger Absprache mit anderen Fachdiensten sowie dem medizinischen Dienst. 
Neben der Krisenintervention bietet der Psychologe auch therapeutische Einzel- und Gruppengespräche für Inhaftierte an, wobei diese ebenso in Form längerfristiger Angebote an eine beständige Gruppe erfolgen können. Diese Sozial-Psychologische Arbeit wird dann noch durch den Pädagogischen Dienst der Justizvollzugsanstalt ergänz, um somit die Möglichkeit einer Intensiven Behandlung und Betreuung und zum erreichen des Vollzug,s-Ziels  "Resozialisierung" beizutragen.


Dieser Pädagogischer Dienst arbeitet durch Vermittlung von schulischer und beruflicher Qualifizierung, gemeinsam mit den bereits genannten Fachdiensten,
daran dem Strafgefangenen auf ein eigenverantwortliches und sozial gesichertes Straffreies Leben in Freiheit vorzubereiten.



Die zentrale Aufgabe des Pädagogischen Dienstes der Anstalt besteht darin, die Dauer der Inhaftierung zu nutzen, um persönliche Defizite aufzuarbeiten und bisher Versäumtes nachzuholen, so dass sich die Chancen zum Gelingen der Resozialisierung verbessern und damit die Gefahr des Rückfalls in die Kriminalität gemindert wird.


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