Mittwoch, 13. April 2011

Resozialisierung- Klärung des Begriffs, seines Inhalts und seiner Verwendung

Defininitionsversuche des Begriffe
Eine allgemein gültige Definition des Begriffes Resozialisation zu finden bereitet Probleme, da es zwar eine große Anzahl von Deftinitionsversuchen gibt, diese jedoch nicht zu einem “Praktisch verwertbaren Inhaltsgefüge des Vollzugs" (Schüler-Springorum) kommen, Trotzdem seien im folgenden einige Definitionsversuche aufgeführt:

- Resozialisierung;(Nach verbüßen einer längeren Haftstrafe) schrittweise
Wiedereingliederung in die Gesellschaft mit Mitteln der Pädagogik, Medizin und Psychotherapie ( Siehe Duden. Das Fremdwörterbuch)
- Resoziatisation - Wiedereinführung des gefangenen in das soziale Leben oder seine Wiedereingliederung in die Menschliche Gemeinschaft 
  ( Deimling 1968 s. 257) ,, Resozialisierung wird verstanden als ein Teil des lehenslangen Sozialisationsprozesses wobei die Vorsilbe -re- ausdrücken soll, daß ein Teil der SoziaUsation außerhalb der gesellschaftlich vorgegebenen Normen und Wertmaßstabe stattgefunden bat, so daß eine Wieder-Eingliederung notwendig wird" (Maelicke 1993, S 783 ) ,Der Gefangene soll lernen sich straffrei zu verhalten" (Vergl. Schuler-Springorum 1969, S, 158)
- “Normengeltung als überzeugte Normenbefolgung kann nur mittels Sozialisierung zu Rechtsbewußtsein entwickelt werden, Resozialisierung ist die Spezifische Form dieser Sozialisation ,für die (zur Freihtsstrafe) verurteilten Straftäter(...)"tl(Fabricius 1991, S. 197)
Schon in diesen fünf Definitionsversuchen wird klar, wie verschiedenartig der Begriff Resozialisation mit Inhalt gefüllt wird Der Begriff Resozialisierung als Ziel des Strafvollzugs kann also eher als ein Synonym für ein gesamtes Programm und nicht als ein Fachbegriff mit klar definierter Bedeutung gesehen werden.
Geschichte des Begriffs
Die Grundlage des Resozialisierungskonzepts bildete die Strafrechtsschule Franz von Liszts. Liszt verwendet zwar nicht den Begriff Resozialisierung selbst, er spricht statt dessen von Besserung und Erziehung,
Nach Liszts Ansichten beschränkte sich das Ziel der Besserung auf Jugendliche und Heranwachsende: “Wir verlangen in erster Linie die erziehende Behandlung der Besserungsfähigen, und da die erziehende Umgestaltung des Charakters durch körperliche und geistige Ausbildung wie durch Gewöhnung an regelmäßige Arbeit, nur bis zu einem gewissen Lebensalter überhaupt möglich ist, können wir wohl sagen, die erziehende Behandlung von Jugendlichen" (Liszt 1905, S, 397}
Der Begriff Resozialisierung wurde erstmals von Karl Liebknecht in seinem Entwurf <Gegen die Freiheitsstrafe 1918 und m der spezifischen Fachliteratur von Hans Ellger 1922 gebraucht.
Liebknecht benutze den Begriff zwar nur einmalig, entwickelte jedoch viele Gedankengänge die erst in den sechziger Jahren breiter Diskutiert wurden, Ellger spricht von der sozialen Aufgabe des Strafvollzugs und von dem Ziel, den Gefangenen “ zu einem sozialen Glied der Gesellschaft (zu) machen" (Vergl. Ellger 1922 S. 17 und 39f) Während des Faschismus wurde dagegen die Spezialprävention als Erziehungsgedanke gesehen, alle Gewohnheitsverbrecher sollten durch die Todesstrafe ausgemerzt werden ( Vergl. Eberhard 1942, S. 65 ) In den 50er Jahren gab es erste Ansätze von Resozialisierung in der Kriminalpolitischen Debatte, so hieß es schon in der Kontrollratsdirektive Nummer 19 vom 12. November 1945 “Das kein Menschliches Geschöpf hoffnungslos verwahrlost oder verdorben sei" Nicht nur das Faschistische Menschenbild wurde damit umgekehrt, auch Liszts Gedanken der Unverbesserlichkeit wurden verabschiedet.



 Sozialisation
  Aufgrund des gemeinsamen Wortstammes wird der Begriff Sozialisation häufig mit dem Resozialisierungsbegriff gebraucht, in wie weit die beiden Begriffe übereinstimmen hängt jedoch unter anderem von der jeweiligen Definition des Begriffs Resozialisierung ab. Um den Inhalt des Begriffs Resozialisierung genauer festzulegen, kann auf den Begriff Sozialisierung jedoch zurückgegriffen werden Mit Sozialisierung wird jener Prozeß beschrieben, in dessen Verlauf der Mensch lernt, mit anderen Menschen in soziale Beziehung zu treten" ( Deimling 1968.S. 251 f) In der Familie, in Spielgruppen und in der Nachbarschaft lernt der Mensch im laufe seiner
   Persönlichkeitsentwicklung, sich den dort geltenden Ordnungen gemäß zu verhalten.Als sozialisiert muß also jeder Mensch angesehen werden, der sich dem entsprechend verhält, auch wenn die dort geltenden Normen nicht den Gesetzlich festgelegten Verhaltensvorschriften entsprechen-
   Da das Wort <Sozial> in der Umgangssprache für “sittlich gut" steht, in der Soziologie mit <Sozialem Handeln> jedoch jede Zwischenmenschliche Handlung gemeint ist, meint Resozialisierung in dem Sinne nicht “Sozialmachung". Der Begriff Resozialisierung wird in der Fachsprache nicht als spezifische Weiterrührung des Sozialisationsprozesses benutztBehandlung Der Begriff Behandlung wird im Gegensatz zum Begriff der Resozialisierung im Strafgesetz häufig benutzt, er wird gesetzlich jedoch nicht definiert und stellt deshalb so etwas wie “eine Begriffshülse dar, in die jeglicher Inhalt paßt". Versteht man den Begriff Behandlung im Strafvollzug nicht im engeren psychiatrischen Sinne (er hätte dann einen Bezug zum Krankheitsbegriff) so bleibt er weitgehend schwammig.
  Zur Behandlung gehören, nach Kaiser/Kemer/ Schöch, therapeutische Methoden durch die Persönlichkeit des zu behandelnden beeinflußt werden soll. Schon hier wird klar, daß die Behandlung auch durch Zwangsmaßnahmen vonstatten gehen könnte, der zu Behandelnde würde zum bloßen Objekt der Behandlung gemacht werden, wenn dadurch das Ziel der Persönlichkeitsänderung im sinne der Gesellschaft erreicht werden könnte.
   Der Begriff Resozialisierung lässt sich nicht näher durch den Begriff der Behandlung definieren.
   Rehabilitation
    Mrozynski meint, daß wenn im Strafgesetzbuch von Resozialisierung die Rede ist,Rehabilitation angebrachter wäre. Rehabilitation und Resozialisierung seien zwei sich überschneidende Kreise. Die Ähnlichkeit der beiden Begriffe ist tatsächlich so weitgehend, daß eindeutige
    Unterschiede kaum zu finden sind. Verfahren und Ziel der Rehabilitation sind eindeutig bestimmt (§5 Abs.3 BSHG). Auch in der Resozialisierung werden im Strafvollzug Vollzugspläne erstellt (§7 Strafvollzugsgesetz)
    Das Bundessozialhilfegesetz regelt in Abschnitt 7 die “Eingliederungshilfen für Behinderte" ,§72 regelt die Eingliederung von Straffälligen. Es ist fraglich ob es Resozialisierungsmaßnahmen gibt, die nicht gleichzeitig der Rehabilitation zuzuordnen sind,.
    Fast alle Resozialisierungsprogramme gehen von einer Einschränkung der Verhaltensaltenativen des Täters aus, solche Programme lassen sich unter den Begriff der Rehabilitation fassen.

Inhalte der Resozialisierungskonzeptionen
    Obwohl der Begriff Resozialisierung klar abgrenzbar zu verwandten Begriffen ist, bleibt eine eindeutige Definition noch unmöglich.
    Resozialisierung umfaßt ein ganzes Programm und könnte je nach Problem, Defizit, Fähigkeiten und Bedarf folgendes meinen:
 - Beratung über persönliche Probleme, Chancen und Möglichkeiten so wie gesellschaftliche Voraussetzungen zur Integration nach Straffälligkeit und den damit verbundenen Prozessen der Stigmatisierung und Ausmerzung.
 - Motivation zu Bemühungen zur eigenen Lebenslagenverbesserungen
 - Materielle Hilfen von der Absicherung der Lebenshaltungskosten bis zur Unterstützung bei der Wohnraumsuche
 - Unterstützung bei der Suche und Wahrnehmung von Bildungs- und Ausbildungsangeboten
  • Persönliche Hilfen, Unterstützung und Begleitung in Krisensituationen, Unterstützung bei der Herstellung sozialer Kontakte auch im Freizeitbereich
  • Unterstützung bei dem Erwerb von mehr Selbstsicherheit, Solidarität, Konflikt- und Bindungsfähigkeit

Gesellschaftliche Bemühungen um Toleranz gegenüber abweichendem Verhalten und Randgruppen-Integration sowie Entstigmatisierung




  Die Vorschriften zur Regelung der Resozialisierung sind oft lückenhaft und zudem kaum überblickbar, eine Aktualisierung oder eine Gesamtneuregelung des Rechts der Resozialisierung wäre deshalb dringend erforderlich.






   



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Schon 2015 sagte ich dass die Causa Hoeneß eine Amigo Causa ist, es ist daher auch nicht Verwunderlich das Hoeneß bereits nach 21 Monate...