Freitag, 15. April 2011

Psychologie der Strafe 

Was bedeutet eine Gefängnisstrafe psychologisch ?
    Obwohl man annehmen sollte, daß die Strafjustiz etwas vom Strafen verstehen sollte, ist es geradezu erschütternd, zu erkennen, wie wenig JuristInnen von dem verstehen, was sie anderen Menschen verordnen. Man muß feststellen, daß die Strafjustiz vom Strafen und seiner vielfältigen Funktion und Problematik nicht nur keine wirkliche Ahnung hat, sondern sich dafür auch meist gar nicht interessiert - außer, daß man wohl überwiegend erkennt, daß Straf- und Resozialisierungsfunktion sich widersprechen
    Das Wort Gefängnisstrafe (Singular) suggeriert, als ob das Einsitzen in einem Gefängnis eine Strafe sei. Doch dem ist nicht so. Im Gefängnis einsitzen ist eine andere Lebensform, und zwar eine, die den den gesamten Alltag und die gesamte Einsitzzeit umfasst. Das Gefängnisleben bestimmt daher den ganzen Menschen in seiner Vielfalt, Erlebensfähigkeit und Erfahrung. Gefängnis, das ist eine eigene, umfassende Welt, der der Gefangene ausgesetzt ist: eine sehr komplexe und komplizierte Erfahrung. Während eines Gefängnisaufenthaltes geschieht sehr viel, wenn auch sozialpsychologisch meist eher wenig Vernünftiges oder Erwünschtes, so daß nicht wenige das Gefängnis nicht sozialer und tugendhafter verlassen, sondern eher gegenteilig, nur besser versteckt und verpackt und nicht selten auch ausgeprägter und tiefer kriminell. Die Möglichkeiten sind im Gefängnis sehr groß, Ungerechtigkeit, Niedertracht und Entwertungen sehr umfangreich und nachhaltig zu erleben, aber auch kriminelles Verhalten zusätzlich zu lernen oder zu festigen. Haß, Wut und destruktive Bedürfnisse können vielfältig und nachhaltig auf- und ausgebaut werden. Doch im Gefängnis werden auch positive Gefühle, Stimmungen und Befriedigungen erlebt, die mit dem Leben, Überleben und Alltag im Gefängnis notwendigerweise einhergehen. Die Erfahrungen und Erlebnisse sind also sehr vielfältig und widersprüchlich. Jemand kann sich sehr schnell anpassen oder das Gefängnis sogar als sorgenfreies "Überwintern" ansehen während andere es mit schwerer Entwertung, Demütigung, Verzweiflung oder Scham erleben. So gesehen sind Strafen, wenn sie nicht auf den individuellen Einzelfall "maßgeregelt" werden auch nicht gerecht. 
Das Strafjustizsystem ist wahrscheinlich sozialpsychologisch und gesamtgesellschaftlich betrachtet in vielerlei Hinsicht wenig sinnvoll. Weder straft noch bessert ("resozialisiert") es sozialpsychologisch hinreichend wirkungsvoll. Und es kostet die SteuerzahlerInnen eine Menge Geld, wenngleich ein sozialpsychologisch wirkungsvolles Strafsystem auch seinen Preis hätte, aber auf lange Sicht ökonomisch deutlich vorteilhafter sein könnte. Verwahrlosung und Kriminalität sind gesamtgesellschaftlich betrachtet sehr kostenintensiv. Ökonomisch gesehen sind stabile soziale Rahmenbedingungen mit den entsprechenden Bezugsperspersonen,
eine moralstiftende Erziehung und als gerecht empfundene Lebens- und Selbstverwirklichungschancen die kostengünstigsten Faktoren für das Sozialverhalten einer Gesellschaft.

  • Rückert (1974, S. 28-29) hat die negativen Folgen und Wirkungen von Haftstrafen zusammengestellt:
    • Entstehung von Minderwertigkeitsgefühlen durch Verhaftung, Aburteilung und Gefängnisaufenthalt
    • Reizbarkeit und große Konfliktbereitschaft durch ständige Begegnung mit den gleichen Menschen
    • Unterdrückung von Individuationstendenzen (RS: persönlicher Lebensstil)
    • Schlechte Auswirkungen des Gefangenenkollektivs auf Arbeit, Unterricht und Therapie
    • Abbau der vorhandenen Persönlichkeitswerte
    • Abbau von Schuldgefühl und - bewußtsein, der Reue und Scham
    • Radikalisierung und Haß gegen die Rechtsordnung, Reizbarkeit. Erbitterung, Trotz, Mut- und Energielosigkeit, Zorn, Demütigung, Depression, Menschenscheu.
    • Kriminalisierung der Anstalt.
    • Herabsetzung der Lebenstüchtigkeit und sozialen Anpassungsfähigkeit.
    • Parasitismus und Immobilität.
    • Einengung des Sprachschatzes als Folge der mangelnden Berührung mit Menschen.
    • Auftreten von Kontaktschwierigkeiten.
    • Gemütsverarmung.
    • Verlust der Selbständigkeit.
    • Verhärtung und Hoffnungslosigkeit bei längerem Aufenthalt.
    • Erwerb von negativer Einstellung (durch stereotype Redewendungen bei Gesuchsablehnungen)
    • Zerstörung von sozialen Bindungen.
    • Aufzwingen pathologischer Sozialformen als Lernmodelle.
    • Ansteckung durch schwer Asoziale oder Antisoziale.
    • Unterwerfung, Scheinapassung, Heuchelei, krasser Egoismus, Opportunismus, Kapo-Gesinnung.
    • Unterdrückung normalen Auslebens von Aggression und Sexualität.
    • Verlust der Orientierungsfähigkeit.
    • Tagträumereien, Phantastereien.
    • Reizmangel.
    • Körperliche Schäden.
Eines möchte ich an dieser Stelle festhalten, eine wie auch immer bezogene oder angewendete Strafe für Antisoziales Verhalten, sprich Strafbares Verhalten muss sein.

Jedoch darf nicht alleine das Strafen im Vordergrund stehen, sondern vor allem auch eine effektive Behandlung „Resozialisierung“ ist erforderlich.
Die Strafzwecke des Staates und der Schutzgedanke gegenüber der Gesellschaft, dürfen nicht dazu führen, dass Strafe zur Rache wird, sondern dass jeglichem antisozialen Verhalten mit geeigneten Mitteln der Behandlung und Förderung entgegengetreten wird.
Die Gesellschaftliche Aufgabe darf nicht darin bestehen, Strafe als Zweck eines kaschierten Rachegedanken zu betrachten, sondern dem vermeintlichen Delinquenten, sein Gesellschaft,s atypisches Verhalten aufzuzeigen und mit ihm zusammen zu revidieren.
Resozialisierung hat nicht nur Verfassung,s-rang, sondern ist vor allem auch Gesellschaftliche Pflicht gegenüber der Würde des Menschen im ganzen.

Gerade auch deshalb ist eine Psychosoziale Förderung und Wiedereingliederung, zur Befähigung künftig ein sozial gesichertes und Straffreies Leben führen zu können erforderlich.

Der Straftäter soll die Gelegenheit erhalten sich unter Anleitung kompetenter behandlung, seinem bisherigen antissozialen Verhalten zu stellen, um daraus die Fähigkeit ableiten zu können, künftig den Gesellschaftlichen Normen und Anforderungen, ein straffreies und eigenverantwortliches sozial gesichertes Leben führen zu können, gerecht zu werden.
Dies ermöglicht so dann nicht nur, eine effektive Kriminalprävention sondern auch die Fähigkeit bereits verursachten Schaden wieder gut zu machen.
Die Gesellschaft muss sich darüber im Klaren sein, dass diese sich selbst schadet, wenn nur der Straf/Rachegedanke berücksichtigung findet und der Delinquent lediglich Verwahrt aber nicht Behandelt wird.

Die Entscheidung, ob Strafe sein muss und wenn ja, in welchem Umfang,
bzw. ob eine Person im Maßregelvollzug zu therapieren ist, treffen ausschließlich die Gerichte. Das Jugendstrafrecht, gültig für den Altersbereich von 14 bis 18 (21) Jahre, ist viel mehr als das Erwachsenenstrafrecht ein Täterstrafrecht, das dem Gedanken der Sozialisierung, Resozialisierung, Erziehung und Entwicklung Rechnung trägt. In der Konsequenz spielen außer der Legalprognose im Einzelfall die sich in der Entwicklung befindliche, d.h. noch nicht gefestigte, Persönlichkeit des jugendlichen Täters, seine Bedürfnisse, seine Defizite, seine Ressourcen, sein Veränderungspotential, aber auch die Möglichkeiten pädagogischer/therapeutischer Einflussnahme, mithin die Erziehungs und Behandlungsaspekte eine explizit größere Rolle.  



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