Freitag, 15. April 2011

Kinderarmut das Versagen der Gesellschaft

„Kinderarmut in Deutschland“. Meiner Meinung nach ist diese Problematik der Allgemeinheit bislang zu wenig bekannt bzw. es herrschen falsche Vorstellungen davon.


Viele Menschen denken, dass sich dieses Problem ausschließlich auf Länder der so genannten „Dritten-Welt“ beschränkt. So sind Bilder von Kindern am Rande des Existenzminimums meist die erste Assoziation, die sie bei dem Thema „Kinderarmut“ haben.
Doch in einem Land wie Deutschland, in dem der Lebensstandard weit höher liegt als für das tägliche Brot gesorgt zu haben, sieht Kinderarmut anders aus. Sie ist weitaus vielschichtiger und umfasst neben dem materiellen Mangel auch gesundheitliche Folgen, soziale Ausgrenzung und kulturelle Benachteiligung.


Deutschland kann es sich nicht leisten, dass das in den betroffenen Kindern vorhandene Potential verloren geht. Dieser Beitrag soll über die Vielschichtigkeit der Auswirkungen von Kinderarmut in Deutschland aufklären und so beim Betrachter ein Überdenken der eigenen Einstellung und des eigenen Verhaltens herbeiführen.


Letztlich sollen Sie das Zielpublikum, über das Nachdenken dazu angeregt werden, im Austausch mit anderen eigene Möglichkeiten der Intervention und Prävention im privaten Alltag zu entwickeln. 


Stuttgart: 14,6 Prozent. Mainz: 17,7 Prozent. Magdeburg: 34,5 Prozent. Die Hauptstädte der Bundesländer, in denen vor kurzem gewählt wurde, sind vielleicht nicht die schlechtesten Beispiele, um die Dimension zu veranschaulichen, welche die Kinderarmut in Deutschland bereits erreicht hat. Sie zeigen aber auch, dass die Mandatsträger noch weit davon entfernt sind, diese Entwicklung in ihre strategischen Überlegungen einzubeziehen. Weder im Wahlprogramm der baden-württembergischen CDU noch im Pendant der Sozialdemokraten tauchte auch nur der Begriff "Kinderarmut" auf.



Die Definition von Armut stellt eine  soziale Konstruktion dar und ist mit 
gesellschaftlichen Werte- und Normvorstellungen verbunden. Unter welchen Bedingungen eine Person oder eine Personengruppe als arm gilt, unterliegt einem fortwährend aushandelbaren gesellschaftlichen Definitionsprozess. Wenn in einer modernen Industrienation wie Deutschland von 
Armut die Rede ist, wird meist entweder auf das Konzept der relativen Armut zurückgegriffen oder Armut wird mit dem Bezug von sozialstaatlichen 
Grundsicherungsleistungen gleichgesetzt. In Deutschland umfassen diese 
Leistungen in erster Linie Arbeitslosengeld II und Sozialgeld sowie die bedarfsorientierte Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsunfähigkeit.  


Mit einer neuen internationalen Vergleichsstudie zur Situation der Kinder in Industrieländern zeigt UNICEF für Deutschland Verbesserungen, aber auch erhebliche Probleme auf. Deutschland liegt jetzt auf Platz acht und damit im oberen Mittelfeld von 21 Industrienationen, wenn es darum geht, eine gute Lebensumwelt für Kinder und Jugendliche zu schaffen. Den ersten Platz belegen erneut die Niederlande. Dringenden Handlungsbedarf sieht UNICEF in Deutschland hinsichtlich der Situation allein erziehender Mütter und ihrer Kinder. Sie sind seit Jahren unverändert besonders stark von materieller Armut betroffen. Als Besorgnis erregend wertet UNICEF, dass Jugendliche hierzulande ihre beruflichen Perspektiven düsterer sehen als ihre Altersgenossen in allen anderen Industrienationen. Sie berichten häufiger als junge Menschen in anderen Ländern davon, sich allein gelassen und als Außenseiter zu fühlen.


„Es gibt keinen Anlass, es sich auf einem Mittelplatz bequem zu machen. Denn dahinter verbergen sich deutliche Defizite“, sagte Regine Stachelhaus, Geschäftsführerin von UNICEF Deutschland, bei der Vorstellung der Studie in Berlin. „Der Armutsdruck ist gerade für Alleinerziehende dramatisch. Sie werden von der Politik bisher nicht erreicht.“ 

„Erwachsene müssen Kindern den Glauben an sich selbst vermitteln, um sie auch für eine unsichere Zukunft zu stärken. ’Du kannst es schaffen!’ – das ist die Botschaft, die bei amerikanischen Jugendlichen trotz ungünstigerer Bedingungen ankommt. In Deutschland vermitteln wir vor allem mögliche Gefahren. Nach dem Motto: ‚Pass auf, dass Du nicht scheiterst!’“, so der Autor der Studie, Prof. Hans Bertram von der Humboldt-Universität Berlin.





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