Sonntag, 24. April 2011

Eigene Gedanken zum Strafvollzug..

Die Wurzeln der Kriminalität sind überall in der gesellschaftlichen Struktur zu finden. Aber kaum jemand ist an diesem Thema interessiert, die einen weil es sie nicht selbst betrifft, die anderen weil das Thema Verbrechen für sie tabu ist. Auch die Politiker zeigen kaum Interesse, weil mit dem Engagement für die Probleme des Strafvollzugs-politisch gesehen kaum ein Blumentopf zu gewinnen ist. Und so meidet auch jeder die direkte Konfrontation mit dieser Problematik. Was gefragt ist, sind Leute mit Mut, welche die dringend nötigen Reformen im Strafvollzug durchsetzen und realisieren. Die momentanen Verantwortlichen des Strafvollzugs sträuben sich gegen jede fortschrittliche Neuerung und halten krampfhaft an der alten repressiven Strafvollzugsform fest, obwohl sie genau wissen, dass diese sich in den letzten zehn Jahren kaum bewährt hat. Sie müssen endlich einsehen, dass ein repressiver Strafvollzug eher hart gesottene Kriminelle erzeugt, als dass dies das Gegenteil bewirkt. Kriminalität ist aus unserer Gesellschaftsform nicht mehr wegzudenken. Wir müssen lernen, mit ihr zu leben, sie zu verstehen, denn nur so können wir sie eindämmen und kontrollieren! Ich vermeide bewusst, die Kriminalität zu analysieren und zu definieren, weil es zu viele Arten von Verbrechen gibt. Außerdem müßte ich die Menschen, welche damit zu tun haben, nicht in Kategorien einteilen, uni keine Vorurteile aufkommen zu lassen.


Es gibt kein System, nach dem man Menschen einteilen und katalogisieren kann, die Wurzeln der Kriminalität liegen bei jedem anderwärtig, denn ein jeder hat seine Individualität. Selbstverständlich gibt es auch soziale, gesellschaftlich-strukturelle Ursachen. Es gibt allerdings keine Schablone, daher auch kein Patentrezept. Und die Kriminalität auf vernünftige Maße zu reduzieren, muß man das Hauptgewicht auf Fröherkennung und Vorbeugung legen, denn die Kriminalität ist nur im Anfangsstadium erfolgreich zu bekämpfen. Kommt ein Mensch das erste Mal mit dem Gesetz in Konflikt, sei der Verstoß auch noch so gering, muss er in irgendeinem Maße als gefährdet angesehen werden, es muss nach Ursachen und Problemen gesucht werden, um so eine Lösung aufzudecken. Menschen, die vor einem für sie unlösbaren Problem stehen, gleich welcher Art es auch immer sein mag, kann durch geschultes, qualifiziertes Eingreifen geholfen werden.


Alle sprechen vom modernen Strafvollzug und Resozialisierungsvorhaben, aber bis heute ist man immer noch meilenweit davon entfernt. Man stellt in der Öffentlichkeit verschiedene Ideen und Möglichkeiten dar, als seien diese schon Realität, aber dabei sind sie bis heute immer noch eine reine Utopie. Auf
diesem Gebiet muß endlich mit aller Entschlossenheit vorgegangen werden, denn mit einer kleinkarierten, hausbackenen Lösung ist nicht geholfen. Da hilft nur ein Abrücken von den dogmatischen "Strafvollzug,s-vorhaben", man sollte endlich divergieren, z.B. bei der Berufsausbildung, Lohnpolitik, verstärkter
Behandlungsvollzug anstelle vom "Verwahrvollzug". Sicherlich, man kann durch diese Maßnahmen die Kriminalität nicht beseitigen, aber man kann die Rückfallquoten auf jeden Fall eindämmen. Als gutes Beispiel für meine Behauptungen, müsste eigentlich die hohe Rückfallquote (70-75%) der aus der Haft Entlassenen dienen.


Kaum ein Mensch entschließt sich nur so aus Jux und ohne jegliche Motivation eine strafbare Handlung zu begehen. Bevor es zum Eklat kam, stand der Täter bereits vor einer für ihn ausweglosen Situation. Bei den meisten stellte sich heraus, daß Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot, Alkoholsucht oder Drogensucht
die Triebfeder war, die sie veranlaßte die Tat zu begehen. Die meisten Vergehen waren derart dilettantisch vorbereitet, daß die Täter einfach erwischt werden mußten. Man kann deshalb auch kaum von Verbrechen reden, man müsste sie eher als Verzweiflungstaten einstufen. Auch nach Verbüßung der Haftstrafe, bleiben die Probleme dieser Menschen weiterhin bestehen. Es hat sich nichts geändert, außer dass sie mit zusätzlichen, weiteren Problemen belastet sind.


Die erneut gewonnene Freiheit erzeugt am Anfang höchste Glücksgefühle, welche jedoch bald einen bitteren Beigeschmack erhalten. Denn spätestens wenn sie sich bewusst werden, was es heißt, als Vorbestrafter gebrandmarkt zu sein und diese Folgen am eigenen Leib verspüren, baut sich erneut eine Mauer von unüberwindbaren Problemen vor ihnen auf. Vor der Einweisung in eine Anstalt, (Erziehungsheim, Gefängnis) muss eine effektive, gut funktionierende Alternative geschaffen werden. Es gilt der gleiche Grundsatz wie in der Medizin: "Früherkennung ist besser als Heilung". Der Kontakt mit Gefängnissen und Kriminellen wirkt sich auf den Menschen, welcher zuerst straffällig geworden ist, fatal aus. Erziehungsheime, Jugendanstalten und Gefängnisse sind die Brutstätten der Kriminalität.


Ihre Umgebung prägt den Menschen, er gerät in einen Zyklus, aus dem er kaum entrinnen kann, zu seinen Problemen werden zusätzlich neue geschaffen. Die Beziehung zur Außenwelt brechen ab, das Prädikat "Abschaum" wird einem aufgestempelt und eingetrichtert, und trotzdem ist in absehbarer Zeit keine bessere Alternative in Angebot, man muß sich eben damit abfinden... Gefängnisse kann man als Wartesäle ansehen. Menschen warten dort, bis sie wieder losgelassen werden, sie warten, um das Versäumte nachzuholen, sie warten fast ohne Hilfe und Unterstützung. Gefängnisse und ihre Resozialisierung,s-bestrebungen sind so wie sie im Moment betrieben werden ein riesig großer Faschingsball. - Maske auf und mitspielen: "geduldsam, fröhlich, verstehend und guten Willens sein, sagen was gerne gehört wird." Man fügt sich in ein System ein und macht was verlangt wird.


Doch wehe die Maske fällt! Und wenn sie fällt hat die Gesellschaft den Schaden zu tragen. Dann wird der Strafvollzug wieder einmal in Frage gestellt, die Resozialisierung kritisiert, nach Ursachen (den bequemsten) gesucht, doch eine Lösung ist nicht in Aussicht. Jedenfalls nicht, so lange man nach bequemen Lösungen Ausschau hält. Neue Gefängnisse sind auch keine Lösung, wenn das System nicht geändert wird. So lange keine Individualität und Selbständigkeit geduldet werden, oder gar gefördert werden, so lange Menschen in ein System gepresst werden, ist kein Erfolg in Aussicht gestellt.


Da genügt es nicht, mit einzelnen Lehren und Ausbildungen einer kleineren Auswahl von Gefangen, denn die gehen in der Masse unter. Selbst ein paar Gespräche mit dem Bewährungshelfer, und Urlaub zu bekommen, resp. Bewährung reichen nicht aus. Gefragt ist eine längere, früh anlaufende Resozialisierung, eine individuelle Betreuung, ein effektiveres Handeln im Strafvollzug, schlicht und einfach ein neues, besseres System. Kein System, welches auf Fließbandarbeit aufgebaut ist, welches die Monotonie fördert und die Persönlichkeit des Gefangenen untergräbt, ihn schlicht und einfach zur Marionette degradiert. Diese Art von Resozialisierung fordert einen geradezu heraus zu lügen, Probleme zu verschweigen und das Spiel mitzuspielen, wenn man etwas für sich erreichen will.

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